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Schöffengericht Minden verurteilt Mann wegen Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren 

59-Jähriger muss ins Gefängnis 

Espelkamp (WB). Ein 59-jähriger Mann aus Espelkamp ist vom Schöffengericht Minden wegen Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden.

Felix Quebbemann

 Richter Andreas Böhme setzte diese Strafe nicht zur Bewährung aus. Der Mann gab keinen der Anklage-Vorwürfe zu, obwohl das Opfer, eine 45-jährige Frau, seit dem Tattag schwer traumatisiert ist.

 Mit ungewöhnlichem Nachdruck versuchte der Richter, dem Angeklagten nach dessen Äußerungen zur Tat deutlich zu machen, dass er mit einem Geständnis am Ende ein milderes Urteil zu erwarten habe. »Jetzt haben Sie die Gelegenheit, noch Pluspunkte zu sammeln.« Der 59-Jährige aber blieb bei seiner Version und sagte: »Ich habe nichts getan.«

 Dem 59-Jährigen wird laut Anklage vorgeworfen, am 29. November 2013 die 45-Jährige in deren Haus in der Ratzenburger Straße ins Schlafzimmer gezerrt zu haben. Dort habe er sie aufs Bett geworfen, ihre Handgelenke fixiert mit der Absicht, gegen den Willen des Opfers sexuelle Handlungen auszuführen.

 Der Angeklagte erklärte, dass er nur zu dem Haus gefahren sei, um von seinem Bekannten, dem Ehemann des Opfers, ein Stahlrohr zu holen. Der Ehemann lag aber zu dem Zeitpunkt im Krankenhaus. Dies habe der Angeklagte auch gewusst, sagten Zeugen aus.

 Im Haus habe er die Hände der 45-Jährigen zwar ergriffen, so der Angeklagte: »Wie wir ins Schlafzimmer gekommen sind, weiß ich nicht mehr. Und dann müssen wir irgendwie gestolpert sein und landeten auf dem Bett«, sagte der Mann, der zur Verständigung eine polnische Dolmetscherin benötigte. Er sei sofort wieder aufgestanden und kurze Zeit später gefahren. Alles sei normal gewesen.

 Richter Böhme fragte den Anwalt des Angeklagten, ob er eine Auszeit nehmen und der 59-Jährige seine Aussage noch einmal überdenken wolle. Die Auszeit brachte kein neues Ergebnis.

 Der Richter sagte, dass der Besuch des 59-Jährigen einen »langen Rattenschwanz« nach sich gezogen habe. Polizei, Rettungswagen und Notarzt seien am Tattag zum Haus des Opfers gefahren, um dieses ärztlich zu versorgen. Die Frau sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus, brach aber, als sie den Gerichtssaal betrat und den Angeklagten sah, sofort in Tränen aus.

 Laut Aussage der Frau bei der Polizei und den Aussagen der Zeugen, habe der 59-Jährige von der Frau abgelassen, weil die Tochter des Opfers, die im selben Haus wohnt, ins Esszimmer kam und rief: »Mama, Mama!«

 Die 25-jährige Tochter erläuterte im Zeugenstand, dass der Angeklagte nach ihren Rufen im Türrahmen des Schlafzimmers stand. »Sein Hemd und sein Medaillon saßen nicht mehr richtig. Und man hat genau gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmte.« Dann brach auch die Tochter in Tränen aus. »Ich habe meine Mutter nicht mehr wieder erkannt nach dem Tag.« Dies bestätigte der Ehemann im Zeugenstand. Seit dem Vorfall sei das Familienleben nicht mehr so wie früher. Seine Frau sei lebenslustig gewesen. Heute traue sie sich nicht mehr aus dem Haus.

 Eine Polizistin, die als Zeugin geladen waren, erklärte, dass sie die Aussage der 45-Jährigen als glaubhaft einstufe. Kurz nach der Tat habe die Frau den herbeigerufenen Polizisten gesagt. »Er wollte mich vergewaltigen.«

 Die zweite Tochter des Opfers sagte aus, sie habe nach der Tat einen Anruf des Angeklagten entgegen genommen, bei dem dieser wohl dachte, das Opfer sei am Apparat. »Er sagte, es tue ihm leid«, so die 21-jährige Tochter.

 »Sie bewegen sich auf dünnem Eis«, hatte der Richter dem Angeklagten zu Beginn der Verhandlung gesagt. Der 59-Jährige erklärte seinerseits zu seinen Lebensumständen, dass er nach schweren Operationen seit längerem in psychiatrischer Behandlung sei und wenige Wochen nach dem Tattag einen Selbstmordversuch unternommen habe – dies aber nicht aus Schuldgefühlen, sondern aufgrund des Drucks, dem er sich durch die Vorwürfe ausgesetzt sah.

 Obwohl sich letztlich der Anklagepunkt der sexuellen Nötigung nicht beweisen ließ, wurde der 59-jährige Mann wegen Nötigung zu einer anderthalbjährigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. »Bei derartigen Übergriffen verstehen wir hier regelmäßig keinen Spaß«, machte der Richter deutlich.

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