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Stadtbücherei Espelkamp feiert Wiedereröffnung mit Kabarettabend

Bibliothek ist stets auf Höhe der Zeit

Espelkamp (WB/ko). Putzfrau Ilona, alias Kabarettistin Constance Debus aus Berlin, hat die letzten Regale gerade abgestaubt. Zur offiziellen Wiedereröffnung der Stadtbücherei nahm sie etwa 50 Zuschauer mit auf einen amüsanten, unterhaltsamen und lehrreichen literarischen Streifzug durch die Bibliothek.

Freude über die offizielle Wiedereröffnung bei (von links): Besucherin Claudia Kleine-Niermann mit den Kolleginnen des Bücherei-Teams Karin Wewers , Meike Gräpel, Sabine Berges, Kabarettistin Constanze Debus und Silvia Meier. Foto: Andreas Kokemoor

Von der Bibel über Krimis mit Anleitungen für das perfekte Verbrechen („mit Tapeziernägeln in die Fontanelle oder mit einer Lammkeule“), schwenkte sie zu Büchern über Glücklich- und Unglücklichsein bis hin zu erotischer Literatur. Nicht unbedingt jugendfrei war auch das russische „Märchen vom Hasen und der Füchsin“, dass sie den Hörern nicht vorenthalten wollte. Dafür zückte sie ein kleines Büchlein („Das habe ich zur Jugendweihe geschenkt bekommen“).

Zwischendurch machte Putzfrau Ilona Yoga mit einem Besucher und verriet einigen erstaunten Büchereinutzern, dass es in Espelkamp auch Kamasutra-Bücher auszuleihen gibt. „Ich habe gelesen, dass ein Mensch 28 Umarmungen am Tag braucht, um glücklich zu sein“, sagte sie. Ganz nebenbei erklärte die belesene Reinigungskraft, dass das persische Reich vor 2500 Jahren die ersten Menschenrechtsrerklärungen veröffentlichte. Und beim nächsten Wisch staubte sie den kompakten „Ratgeber zum Verständnis der fünf Weltreligionen für Bundeswehrangehörige“ ab.

Über Hörbücher sagte Ilona, diese habe es schon immer gegeben. „Wem hat die Oma Märchen vorgelesen?“, fragte sie in die Runde. Die Komödiantin empfahl den Zuhörern aber auch, sich mit einem „neuen Kind unter den Büchern“ anzufreunden, nämlich der „Onleihe“. Das schöne an dieser Ausleihe digitaler Bücher über das Internet sei, dass die Bibliothek so Tag und Nach geöffnet habe und die Bücher jederzeit ins Haus kämen.

Modernisierung gefördert

Sabine Berges, Leiterin der Stadtbibliothek, dankte bei ihrer Begrüßung zur Eröffnungsfeier Espelkamps Rat und Verwaltung für die gute Unterstützung sowie besonders dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW: „Durch dessen Fördermittel konnte die Modernisierung realisiert werden.“ Auch sie ging auf die neue Medien ein, die in der Stadtbücherei Einzug gehalten haben, die man vor Ort nicht direkt sieht: „E-Books, E-Audios, E-Magazine, E-Learning und seit Anfang des Jahres auch der Streamingdienst ‚Freegal‘ für Musik.“

Berges erinnerte an die Eröffnung der Stadtbücherei im Bürgerhaus im September 1984: „Sie war von Anfang an eine Einrichtung nach neuesten Erkenntnissen.“ So habe es schon immer eine EDV-Verbuchung gegeben. Als großes Highlight sei damals die Einführung von Kinder- und Musikkassetten mit Abhörmöglichkeiten in der Bücherei gefeiert worden. Die Kassetten seien 36 Jahre später längst verschwunden, ebenso wie CD-Roms und Video-Kassetten.

Bücherei ist Stets im Wandel

„Die Bücherei ist stets im Wandel, nie stehen geblieben. Wir müssen die aktuellen Themen aufnehmen und uns den geänderten Mediengewohnheiten stellen“, sagte Sabine Berges. Manches Sachbuch sei auf der Strecke geblieben. Und es lasse sich nicht leugnen, dass bestimmte Informationen aktueller durch einen Zeitschriftenartikel oder über das Internet erlangt werden könnten. Deshalb seien nun viele Arbeitstische in der Bibliothek aufklappbar. Laptops, Tablets und Smartphones können geladen werden. „Unser kostenloses W-Lan erlaubt den Zugriff auf die benötigten Dateien“, sagte sie. Wer keinen Rechner besitze, könne einen der vier Benutzer-PCs verwenden. Nicht unerwähnt ließ Berges den neuen Kaffeeautomaten.

Doch sie merkte auch an: „Nach der Renovierung ist vor der Renovierung.“ Für die abgehängte Decke soll in absehbarer Zeit eine helle, lichtdurchflutete Lösung mit energieeffizienter Beleuchtung gefunden werden.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Gisela Vorwerg sprach von einem Meilenstein für die Entwicklung der Stadtbücherei. „Wir haben heute ein wichtiges Etappenziel erreicht“. Nach einem fünfjährigen Erneuerungsprozess präsentiere sich die Bücherei auf der Höhe der Zeit. Die Stadt Espelkamp habe insgesamt etwa 45.000 Euro in diesen jüngsten Umbauabschnitt investiert. Wie bei früheren Maßnahmen habe es dafür 60 Prozent aus Mitteln der Landesbibliotheksförderung gegeben. Dass Espelkamp den Eigenanteil gern trage, sei im Rat unstrittig, sagte Vorwerg: „Die Stadtbücherei zählt zu den wichtigsten Bildungseinrichtungen der Stadt.“

Der Fortschritt geht immer weiter

In den vergangenen Jahren gab es mehrere Investitionen in die Bibliothek. 2015 begann der Umbau der Kinderbücherei. 2016 folgten der Bereich der Jugendbücherei samt einer neuen Gaming-Zone. Im vergangenen Jahr konnten sich die Bibliotheksnutzer über die Einrichtung des Selbstverbuchersystems freuen. Seit kurzem erstrahlt nun auch die Erwachsenenbibliothek in einem neuen Glanz. Die Flexibilität zeigt sich nicht zuletzt auch darin, dass die Regale nun auf Rollen sind. Darüber hinaus erhöhen neue „Chill-Ecken“ die Aufenthaltsqualität.

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