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Diplompsychologin Turid Müller überzeugt als Musik-Kabarettistin

Chansons mit Humor und Tiefe

Gestringen (WB) Turid Müller und Stephan Sieveking haben mit ihrem Musikkabarett »Teilzeitrebellin« in der Alten Schule begeistert. Die Polit-Chansons aus eigener Feder haben das Publikum mit ihren starken Texten überzeugt.

Jan Lücking

Musik-Kabarettistin Turid Müller hat in Gestringen mit ihrem Programm »Teilzeitrebellin« nicht nur mit systemkritischen Liedern gepunktet, besonders fesselnd waren auch emotionale und tiefgründige Chansons zu Themen wie Depression und Tod. Foto: Jan Lücking

Die Zuschauer kamen voll auf ihre Kosten und wurden bestens von Turid Müller und Stephan Sieveking unterhalten, die zum ersten Mal die Kleinkunstbühne in der Alten Schule mit dem Türmchen betraten. Ob ihre mangelnde Bekanntheit oder andere parallel angebotene Veranstaltungen der Grund waren, wie Gastgeber Addi Schaefer andeutete, lässt sich nur spekulieren, aber die Künstlerin hätte auf jedem Fall mehr als die etwa 35 Zuschauer verdient.

»Ich bin nicht lustig«

Zur Begrüßung stellte die studierte Diplompsychologin sofort klar: »Ich sag es besser gleich. Dann haben wir das vom Tisch. Ich bin nicht lustig.« Das war einerseits selbstironisch, aber andererseits insofern zutreffend, als das Programm sehr viel mehr Tiefe zu bieten hatte als ein Comedy-Abend. Müller fügte jedoch zur Beruhigung der Zuhörer hinzu, sie habe – entgegen der Vorurteile gegenüber Psychologen – noch keine Persönlichkeitsprofile der Zuschauer erstellt.

Die Themen, die Turid Müller in der Folge sehr pointiert aufspießte, waren weit gefächert. So sang sie gleich im ersten Lied ihren »Werbeblock« und regte damit humorvoll zum Nachdenken über Werbung und Konsum an. »Werbung ist, was ihr daraus macht«, lautete die Botschaft im Refrain.

Geschmeidige Übergänge

In Zeiten von Genderdebatten outete sich Müller: »Ich bin transfinanziell. Ich bin eine reiche Frau im Körper einer Armen.« Natürlich folgte darauf der passende Polit-Chanson, indem sie »finanzielle Pleite auf hohem Niveau« besang. Geschickt verstand es die Kabarettistin, mit Witzen und Anekdoten geschmeidige Übergänge zwischen den Themen zu schaffen. Dabei sparte sie heikle Themen wie Tod, Demenz, Depression und Flucht nicht aus.

Die Basis für den gelungenen Chanson-Abend legten die treffenden Texte Turid Müllers, die mal politisch-systemkritisch, dann wieder melancholisch und sehr emotional waren. Dabei schlug die Künstlerin mit einer tollen Bühnenpräsenz die Zuschauer in ihren Bann. Ihr musikalischer Begleiter Stephan Sieveking am Klavier rundete das Gesamtpaket mit Können und Spielfreude ab.

Starke Polit-Chansons

Beim Titellied des Programms »Teilzeitrebellin« griff er zur Ukulele. Darin beschreibt Turid Müller das tägliche Schwanken zwischen Protest und Angepasstheit in der Gesellschaft. Die zufriedenen Zuschauer erklatschten sich am Ende eine Zugabe. Nach starken Polit-Chansons verabschiedete sich Turid Müller schließlich mit einem »Chanson d’amour«.

Als nächster Künstler ist am Freitag, 22. Februar, ab 20 Uhr der kanadische Songpoet und Gitarrist Marty Hall in der Alten Schule Gestringen zu Gast.

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