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WESTFALEN-BLATT-Serie „Pfoten und Hufe im Winter“ zu Gast beim Verein für Deutsche Schäferhunde

Das ist ein Hundeleben

Espelkamp

In der heutigen Folge unserer Serie „Pfoten und Hufe im Winter“ wurde der Verein für Deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Espelkamp, besucht. Und die Vierbeiner haben gleich mal gezeigt, dass sie große Winterfans sind.

Felix Quebbemann

Melanie Koch und Marlo Pfau mit den Schäferhundinnen Jin (rechts) und Oprah. Der Schäferhundeverein hat für 2023 und 2027 zwei Großveranstaltungen angekündigt Foto: Felix Quebbemann

Ruhig und verschneit hat sich der Übungsplatz des Vereins für Deutsche Schäferhunde am Schüsselbruchweg noch vor einer Woche gezeigt.

Mit der Ruhe hatte es aber ein Ende als Uso auftauchte. Uso ist ein zweieinhalbjähriger Schäferhund, und der wollte an diesem Tag nur eines: „Toben im Schnee“. Denn – Schnee ist genau sein Ding. Und so konnte er es gar nicht abwarten, bis Herrchen Pierre Brendel die Pforte aufgemacht hatte. Dafür musste jedoch erstmal eine Schaufel zur Hilfe genommen werden, um den Eingang von den Schneemassen zu befreien. Als die Tür endlich aufging, gab es kein Halten mehr. Uso flitzte los und wirbelte den Schnee auf. Als lebendige Schneemaschine würde sich der Vierbeiner auch auf den Ski-Pisten dieser Welt nicht schlecht machen.

Schneetreiben

Das Schneetreiben aber währte nur eine Woche. Nun müssen sich die Hunde wieder umstellen. Das gelingt ihnen aber sehr schnell: „Matsch und Schlamm lieben sie auch“, weiß der 67-jährige Klaus Koch zu erzählen. Er ist der Vorsitzende des Schäferhundevereins in Espelkamp und weiß aus langer Erfahrung als Hundehalter und Züchter, dass sich die Vierbeiner auf den Winter gut einstellen können.

Weil die Hunde aufgrund ihres Fells nicht frieren, sei es ihnen egal, ob im Winter Schnee oder Matsch liegt. Beim Spaziergang verlassen die Tiere schonmal die befestigten Wege und flitzen über Felder und Wiesen. Bewegung sei eben toll für die Hunde, so Koch weiter.

Marlo Pfau und Melanie Koch mit den Hundedamen Oprah und Jin. Foto: Felix Quebbemann

Ratsam sei es daher, vor allem im Winter, das ein oder andere „olle Handtuch“ in der Wohnung griffbereit liegen zu haben. „Hunde bringen auch Unrat mit.“ Bevor der „beste Freund des Menschen“ die Wohnung betritt, sollte er mit einem alten Handtuch abgerubbelt werden. „Das kommt übrigens auch der Hauseinrichtung zugute“, sagt Koch mit einem süffisanten Lächeln.

Schnell nämlich ist es passiert, dass sich der „Wauzi“ kräftig schüttelt, um sich des gröbsten Drecks nach der Geländetour zu entledigen. Schließlich hat auch der Hund einen Sinn für Hygiene. Wenn das Schütteln aber geschieht, bevor der Hund sauber gemacht wurde, braucht man kein „olles Handtuch“ mehr, sondern Eimer und Schwamm, um Schränke und Tische von den Dreckspritzern zu befreien.

Marlo Pfau

Was sich im Fell so alles ansammeln kann, das wissen auch die Vereinsmitglieder Melanie Koch und Marlo Pfau. Sie waren vor dem großen Schneetreiben mit der zwölfjährigen Jin und der siebenjährigen Oprah auf dem Übungsplatz. „Die Hunde lieben die kalten Temperaturen“, sagen Koch und Pfau, während Hundedame Oprah es gar nicht mehr erwarten kann, dass endlich ihr Spielzeug über den Platz geworfen wird.

„Drei, zwei, eins – na endlich. Da ist es ja“, scheint der Gesichtsausdruck des Hundes zu sagen, als Melanie Koch den Ball wirft. Nur den Bruchteil einer Sekunde später ist Oprah schon unterwegs, um das Spielzeug gekonnt einzufangen. Die Schäferhunde des Vereins „sind Sporthunde“, sagt Melanie Koch. Daher benötigen sie auch genügend Bewegung. Derzeit aber steht der Betrieb beim Espelkamper Verein still. Dabei war der Schnee der vergangenen Woche nicht ausschlaggebend. Die Coronakrise legt den Menschen vielmehr ein Kontaktverbot auf. Das wirkt sich auch auf die Tiere aus.

Gut, wenn der Hund dann genügend Auslauf mit Frauchen oder Herrchen bekommt. „Wir gehen gerne am Kanal oder im Staatsforst spazieren“, sagt Marlo Pfau.

Die zwölfjährige Hundedame Jin und Marlo Pfau Foto: Felix Quebbemann

Im Winter sei bei den Gängen aber zu beachten, dass das „Hundegespann“ nicht nur selbst alles sieht sondern auch gesehen wird. Klaus Koch rät daher, „auch zur eigenen Sicherheit an beleuchteten Straßen zu gehen“. Von reflektierenden Hundemänteln für den Vierbeiner hält Koch wenig. Da plädiert er schon eher für beleuchtete Halsbänder. Der Hundehalter selbst sollte reflektierende Kleidung tragen.

Besonders in den vergangenen Schneetagen bestand die Gefahr, dass die Pfoten des Hundes nach dem Spaziergang mit Streusalz in Berührung gekommen sind. Daher sollten Hundebesitzer die Pfoten mit lauwarmem Wasser reinigen, wenn die Vierbeiner bei frostigen Temperaturen und Schnee draußen waren. Das Streusalz kann nämlich die empfindlichen Hunde-Pfoten stark angreifen, in offene Wunden eindringen oder die Ballenhornhaut des Hundes beschädigen.

Durch das Abwaschen ist zudem gewährleistet, dass die Hunde das Salz beim Ablecken ihrer Pfoten nicht aufnehmen. Denn das kann Brechreiz oder Durchfall hervorrufen.

Ruhe – Fehlanzeige

Ein Hund, so Koch weiter, sei für den Menschen gesundheitsfördernd und er helfe auch gegen Vereinsamung. Ein positiver Punkt, der gerade jetzt in der Winter-Coronazeit herauszustellen ist. „Der Hund ist ein Therapietier“, sagt Koch. Nicht umsonst besuchen die Vereinsmitglieder mit ihren Vierbeiner unter anderem die Bewohner der Altenpflege im Ludwig-Steil-Hof.

Aber manchmal muss auch getobt werden. Das zeigt Uso auf dem Schnee bedeckten Übungsplatz. Er springt über Hindernisse – egal ob mit Schnee bedeckt oder nicht. Ruhe und Gelassenheit – Fehlanzeige. Endlich Schnee, endlich Toben. Da gibts kein Halten mehr.

Im Anschluss daran wartet das Futter und danach eine Krauleinheit. „Ja, so ein Hundeleben kann schon manchmal neidisch machen.“

Ansprechpartner

Die derzeitige Lockdown-Situation berge im Übrigen aber auch Gefahren für das Tier, sagt Klaus Koch. Hunde seien Gewohnheitstiere. Da viele Hunde-Besitzer derzeit aufgrund des Lockdowns oft zuhause seien, könne sich das Tier daran gewöhnen. Je nach Veranlagung des Hundes kann dies zum Problem werden, wenn der Alltag wieder Einzug hält. „Dann vermisst dich dein Hund und er sucht dich.“ Wichtig sei es gerade jetzt, die Hunde zu beschäftigen, so Koch.

Das Interesse an einem Hund sei im Übrigen derzeit sehr groß. Koch empfiehlt jedem, sich vorher beraten zu lassen, welcher Hund zu einem passt und ob der Kauf überhaupt Sinn mache. Der Verein mit seinen knapp 50 Mitgliedern fungiere auch gerne als Ansprechpartner, um im Vorfeld über den richtigen Hund zu informieren, sagt Koch.

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