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Blues Company zum 31. Mal auf der Kleinkunstbrettlbühne in Espelkamp-Gestringen

Den Schmerz der Welt eingefangen

Espelkamp-Gestringen (WB). Der Blues lebt vom Gefühl. Er berührt alle Sinne, nicht nur das Gehör. Und der Blues kann auch den Finger in die Wunde aktueller Ereignisse legen. Das hat die Blues Company in der Alten Schule eindrucksvoll bewiesen. Als Todor „Tosho“ Todorovic den Song „Red Blood“ ankündigt, wird er für wenige Augenblicke ernst.

Felix Quebbemann

Todor „Tosho“ Todorovic entlockt seiner Ibanez-Halbakustik den richtigen Ton. Das Gitarrenspiel des Blues-Company-Frontmanns ist nicht nur durch hervorragende Technik gekennzeichnet, es lebt auch extrem von den Emotionen. Foto: Felix Quebbemann

Denn auch den Sänger und Gitarristen der Band lassen die aktuellen Geschehnisse in der Welt nicht unberührt. Er spricht darüber, wo überall Kriege herrschen. Schockiert zeigt er sich darüber, dass vor kurzem mehr als 170 Menschen in einem Linienflugzeug während einer Kriegshandlung im Nahen Osten von einer Rakete getötet wurden – irrtümlich.

„Red Blood“

Die ersten Noten von „Red Blood“ fangen diesen Schmerz ein. „Tosho“ zieht die Saiten seiner Ibanez-Halbakustik, so dass der wehklagende Laut die Ungerechtigkeiten in dieser Welt wiedergibt. Der Frontmann der Blues Company zeigt, dass zum Spiel auf den sechs Saiten eben nicht nur Technik sondern auch jede Menge Gefühl gehört.

Wer allerdings glaubt, dass die Blues Company nur den Schmerz dieser Welt in ihrem 31. Konzert in der Alten Schule zelebriert hat, der irrt. Mit dem Uptempo-Stück „Middlename“ begrüßte das Quartett die Besucher. Einige begleiten die Blues-Band aus Osnabrück schon mehr als vier Jahrzehnte. Die Blues Company zahlte diese Treue an diesem Abend mit viel Spielfreude zurück.

Das zeigte nicht nur „Tosho“ an der Gitarre. Mike Titre, der an diesem Abend mit Harp, E-Gitarre, Bass und Gesang ein umfangreiches Repertoire ablieferte, ließ keine Wünsche offen. Dies stellte er eindrucksvoll bei einem Robert-Johnson-Cover unter Beweis.

Landsleute

Eigentlich sei er ja Engländer, so Titre. Er könne es aber selbst nicht glauben, was sich in den vergangenen Jahren in England – während des Brexit – so abgespielt habe. Daher klärte er in Vor-Gestringen auf, dass er seit kurzem deutscher Staatsbürger sei. Und fortan begrüßte er das Publikum der Alten Schule mit „Landsleute“ und ließ so manche Anekdote über die Geschichte der Band folgen.

Mit Arnold Ogrodnik hat die Blues Company zudem nicht nur einen erstklassigen Bassisten in ihren Reihen. Ogrodnik ließ seine Finger filigran über die Orgel fliegen. Das Publikum honorierte dies mitten in den Songs mit Jubelpfiffen und Applaus. Diese Ehre wurde auch Florian Schaube als perfekter Rhythmusgeber an den Drums zuteil.

Die Liebe zum Blues war an diesem Abend ständig hörbar – an Titeln wie „Blues Been Good“ oder „The Blues Is Alright“. „Tosho“ ließ es sich auch nicht nehmen, dem Publikum für mehr als vier Dekaden Treue zu danken. Denn ohne die Fans der Blues Company, wäre er wahrscheinlich an irgendeiner Musikschule Lehrer geworden, wie er sagte. Aber so könne er nunmehr seit beinahe 44 Jahren seinen Blues-Traum leben. „Und das habt ihr möglich gemacht“, sagte der warmherzige und immer zu Scherzen aufgelegte Frontmann.

Emotionales Ende

Kein Wunder, dass sich Addi Alexis Schaefer, Präsident des ausrichtenden Bürgervereins, riesig freute, die Blues-Band erneut auf der Kleinkunstbrettlbühne begrüßen zu dürfen. Nach mehr als zwei Stunden verabschiedete sich die „Company“ mit dem Fleetwood-Mac-Klassiker „Albatross“.

Ein tolles Konzert fand ein grandioses, emotionales Ende – aber kein Ende für immer hoffentlich. Eines steht doch fest. In einem Jahr eröffnet die Blues Company wieder das Programm in der Alten Schule. Und jeder Blues- und Rockfan sollte dann vorbeischauen. Sonst wird er etwas verpassen.

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