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Mathias Johannmeier hat mit dem Umbau der Orgel in der Thomaskirche begonnen

Espelkamp: Die "kleine Schwester" ist zu schrill

Espelkamp

Die Steinmann-Orgel in der Espelkamper Thomaskirche wird derzeit umgebaut. Unter anderem erhält das Instrument 20 neue Pfeifen. Orgel-Bauer Mathias Johannmeier aus Stemwede-Levern hat die Arbeiten Montagmorgen aufgenommen und erläutert, welche Register ausgebaut werden.

Von Felix Quebbemann

Mathias Johannmeier baut derzeit die Orgel in der Thomaskirche in Espelkamp um. Foto: Felix Quebbemann

Mathias Johannmeiers Stimme scheint aus der Wand der Thomaskirche zu kommen. Der Orgelbauer ist gerade damit beschäftigt, einige Orgelpfeifen aus der Steinmann-Orgel der T homaskirche auszubauen. „Ich bin gleich da“, schallt die Stimme des Leverner Experten dumpf durch den Altarraum der Kirche. Nur wenige Augenblicke später ist der Orgelbauer aus dem Anbau am südlichen Teil der Kirche gestiegen.

Orgelbauer Mathias Johannmeier und Kantor Tobias Krügel haben sich im Vorfeld des Öfteren über den Umbau unterhalten. Foto: Felix Quebbemann

Der Anbau, in dem die Orgel untergebracht ist sei „ja eigentlich gar nicht original“, erläutert der Orgelbauer in aller Ruhe am Montagmorgen, wie die Orgel in die Kirche gebaut wurde. Keine Frage – die Steinmann-Orgel ist ein imposantes Instrument. Sie hat 30 Register; so viele wie keine andere Kirchenorgel im Kirchenkreis Lübbecke. Aber auch diese Menge an verschiedenen Klangfarben bringt nichts, wenn die Register nicht so erklingen, wie es sich Kantor Tobias Krügel sowie Kollegen und Spieler der Orgel vorstellen.

Johannmeier erläutert, welche Arbeiten er in den nächsten Wochen vornehmen wird. Insgesamt werde er erstmal vier Register ausbauen. Das heißt jetzt nicht, dass diese Register nicht wieder eingebaut werden. Die Pfeifen werden aber teilweise an anderen Stellen wieder eingesetzt. Ein Register wird unter anderem mit Pfeifen ergänzt, um einen anderen Charakter zu erhalten.

Das Herzstück der Orgel ist das Hauptwerk. Dieses soll eine ausgewogene Klang-Mixtur erzeugen. So sind dort in der Regel die dominanten und die tieferen Töne beheimatet. „Es erklingen fünf Pfeifen gleichzeitig, wenn man eine Taste drückt“, erläutert Johannmeier. Das Hauptwerk „hat aber sehr viel Obertöne.“ Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Steinmann-Orgel in den 1990-er Jahren bereits einmal umgebaut wurde, mit dem Ziel der Klangverfeinerung. Das aber soll nun wieder rückgängig gemacht werden. Ziel sei es, das Register im Hauptwerk wieder so zu rekonstruieren, wie es im Jahr 1964 einmal war.

Ein Blick hinter die Kulissen. Aber wer soll da durchsteigen? Die verschieden großen Orgelpfeifen in der Steinmann-Orgel. Foto: Felix Quebbemann

Um dieses Ziel erreichen zu können, haben die Beteiligten auch ein bisschen Glück. Denn ein Großteil der damals ausgebauten und nicht mehr benötigten Pfeifen sei im Orgelraum der Steinmann-Orgel eingelagert worden. Glück muss man auch haben. Johannmeier fügt an, dass das Handwerk des Orgelbauers neben dem Recherchieren auch eine Menge Forschungsarbeit beinhaltet.

Mit den Arbeiten am Hauptwerk ist es übrigens noch lange nicht getan. Denn auch die „kleine Schwester des Hauptwerks“, wie Johannmeier liebevoll das Oberwerk nennt, bedarf eines etwas größeren Eingriffs – unter anderem beim Sesquialtera-Register. „Beim Runterdrücken der Tasten erklingen zwei Pfeifen gleichzeitig. Die Pfeifen ertönen ausgehend vom Grundton in der Quinte und in der Terz“, erläutert Johannmeier die Musiktheorie. Die Oktave eins sei ein sehr schrilles Register, so Johannmeier weiter. Nach Rücksprache mit Kantor Tobias Krügel und seinen Kollegen werde dies aber nur sehr selten genutzt. Am Ende soll in diesem Register „nur noch die Quinte übrig bleibt“.

Der Orgelbauer ist mit der Steinmann-Orgel in der Thomaskirche bestens vertraut. Kein Wunder, er hat schließlich vor rund fünf Jahren Hand an dieses erhabene Musikinstrument gelegt. Die Reinigung und der Umbau des Kircheninstruments wird jetzt abgeschlossen. So müssen 20 Orgelpfeifen neu angefertigt werden. „Zwölf Pfeifen werden von einer speziellen Firma für Zungenpfeifen in Göttingen hergestellt“, erläutert Johannmeier. Die dann noch fehlenden Metallpfeifen werden von einem Spezialunternehmen aus Kassel bezogen.

Mathias Johannmeier

Die richtige Anordnung der Pfeifen im Instrumente geschieht über den so genannten Pfeifenstock. Diese Konstruktion sieht aus wie ein „Schweizer Käse“ – mit vielen verschieden großen Löchern auf einem Holzbrett. Alle Holzarbeiten, sowohl die am Pfeifenstock wie auch die richtige Anordnung der Löcher, das „Raster“, würden in der Orgelwerkstatt in Levern vorgenommen, sagt Johannmeier weiter. Dann, so hofft er, soll sich unter anderem auch das Dulzian-Register nicht mehr so basslastig anhören.

Diese Arbeiten sind natürlich nicht mal eben „mir nichts dir nichts“ vollzogen. So werde es ungefähr sechs Wochen dauern, bis die überarbeiteten Register wieder eingebaut werden. Dann müssen die Pfeifen klanglich aufeinander abgestimmt werden. Bei der Intonation werden die Pfeifen zudem einzeln bearbeitet, um die Klangfarbe und die Lautstärke einer jeden Pfeife genau zu justieren. Erst am 7. August wird die Steinmann-Orgel in der Thomaskirche wieder während eines Konzerts zu hören sein – zum Abschluss des Lübbecker Orgelsommers. Dann spielt Patrick Gläser ein Konzert, das unter Beweis stellt, dass die 1964 gebaute Steinmann-Orgel weitaus mehr kann als nur klassische Stücke.

Gut zu erkennen: die Becher der Orgelpfeifen sind unterschiedlich hoch. Die Pfeifen sind im Pfeifenstock angebracht. Foto: Felix Quebbemann

Damit das Instrument überhaupt umgebaut werden konnte, wurde am vergangenen Wochenende noch ein Benefizkonzert ausgerichtet. „Bei dem sind Spenden in Höhe von 850 Euro eingegangen“, zeigt sich Kantor Tobias Krügel mehr als glücklich über den Erfolg. Der war auch notwendig. Denn der Umbau kostet die Kirchengemeinde einen mittleren vierstelligen Betrag, sagt Johannmeier, der übrigens auch Kantor Tobias Krügel zu Beginn der Orgelumbau-Arbeiten überrascht: „Ich habe dir die Trompete geklaut“, sagt der Orgelbauer zum etwas erstaunt schauenden Kantor. Denn dem Experten war ganz nebenbei aufgefallen, dass die Becherlänge der betreffenden Pfeife zu kurz war. Dadurch ist der Ton zu hoch und zu plärrig. So muss Krügel vorerst ohne den Trompeten-Effekt auf der Orgel spielen. Aber wer Johannmeier kennt weiß, dass die „Orgel-Trompete“ nach dem Wiedereinbau singen wird wie nie zuvor.

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