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Neue Serie: Pfoten und Hufe im Winter – Besuch beim Milchviehbetrieb Flömer-Peitsmeyer

Die Kühe trotzen der Kälte

Espelkamp

Tiere haben es in der Winterzeit nicht so leicht – oder ist die kalte Jahreszeit gar nicht so schlimm für sie? Diese und weitere Fragen sollen in der neuen Serie „Pfoten und Hufe im Winter“ beantwortet werden.

Felix Quebbemann

Neugierig, aber recht anspruchslos sind die Milchkühe – auch im Winter. Das Futter wird für die Tiere zur kalten Jahreszeit nicht eigens umgestellt. Foto: Felix Quebbemann

Das einige Wochen alte Kälbchen traut seinen Augen kaum. „Was lugt denn dort in meine Box hinein?“, scheint sich der Vierbeiner zu denken und tritt neugierig ein paar Schritte näher an das Objektiv des Fotoapparates.

Nach wenigen Sekunden hat der junge Vierbeiner auf dem Hof Flömer-Peitsmeyer das „unbekannte Objekt“ genau inspiziert. Solch ungewöhnliche Begebenheiten kommen in der kalten Jahreszeit nicht jeden Tag vor. Dabei können Kalb und Kuh dann schon mal vergessen, dass es friert – oder stört die Tiere der anstehende Winter gar nicht?

„Die Kälte macht den Kühen eigentlich nichts aus“, erzählt Landwirtin Miriam Peitsmeyer. Sie leitet mit ihrem Mann Cord und den Eltern Annegret und Ernst Flömer den Milchviehbetrieb in Gestringen. Das erfordert sowohl Fingerspitzengefühl als auch tatkräftiges Anpacken – bei 270 Milchkühen.

Die Tiere können der Kälte aber gut trotzen. „Sie fressen dann mehr, um den Energiehaushalt auszugleichen“, sagt Peitsmeyer. Viel mehr Probleme haben die Milchkühe mit wärmeren Temperaturen. „Bei plus 20 Grad würde es für eine Kuh unangenehm werden.“

Dass die Tiere den anstehenden winterlichen Temperaturen begegnen können, hängt auch damit zusammen, dass sie ein Winterfell bekommen. „Kälber, die im Herbst oder Winter geboren werden, kommen auch mit dickerem Fell zur Welt“ erläutert Peitsmeyer.

Wenn sich die Temperaturen draußen dem Gefrierpunkt nähern und Nebel über den Weiden liegt, sind nur noch wenige Kühe draußen zu sehen. Die Weiden werden bei den Peitsmeyers vor allem von den jüngeren Tieren genutzt, während sich die ausgewachsenen Milchkühe im Stall aufhalten.

Die Schwarz-Bunten (Kuhrasse, Anm. d. Red.) könnten sowieso nicht ganzjährig auf der Weide bleiben, weil sie auskühlen würden, so Miriam Peitsmeyer. Es gebe aber Rassen, wie zum Beispiel die Galloways, für die sei das problemlos machbar. „Die benötigen nur einen Unterstand“, sagt die Landwirtin.

Ziel des Gestringer Milchviehbetriebes sei natürlich – die Milch, sagt Cord Peitsmeyer. Und da brauchen sich die Landwirte über die produzierte Milchmenge im Winter keine Sorgen zu machen. Die Produktion bleibe gleich. Im Sommer gebe es mehr Probleme, wenn es zu heiß wird, sagt Peitsmeyer. Dann könne die Milchmenge schon einbrechen.

Auch wenn viele Kühe eine nasse Nase haben: Einen Schnupfen bekommen die Vierbeiner auch bei Temperaturstürzen nicht. Vorsicht ist dennoch geboten. „Kühe können eine Lungenentzündung oder eine Bronchitis bekommen“, sagt Miriam Peitsmeyer. Frühjahr und Herbst seien dafür am gefährlichsten, „wenn die Temperaturen stark schwanken bei Tag und Nacht“, erläutert die Landwirtin. „Feucht-nasses Wetter mögen die Kühe nicht.“

In den Ställen sei es zudem wichtig, für ausreichend Frischluftzufuhr zu sorgen. Kühe dürften nicht überhitzen. Allerdings ist zu beachten, dass sie keine Zugluft mögen. Bei modernen Ställen besteht daher die Möglichkeit, Wände hoch- und runterzufahren.

Miriam und Cord Peitsmeyer gehen an den Kälbern vorbei, die es sich in den Aufzuchtboxen gemütlich gemacht haben. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Denn ein weiches Bett aus Stroh sorgt bei den jungen Tieren für wohlige Wärme im Winter. Der Strohverbrauch im Winter sei auch deutlich höher, sagt Miriam Peitsmeyer. „Die Kleinkälber bekommen bei Temperaturen um minus 10 Grad noch eine Kälberdecke, weil es viel Energie bedarf, die Wärme zu halten.“

Wenn die jungen Kälber größer werden, kommen sie auf die Weide und von dort gehe es in die Ställe, sagt Cord Peitsmeyer. Die Landwirte übrigens wünschen sich für diesen Winter Frost. Nicht unbedingt für die Kühe, sondern für die Weiden. Durch einen strengen Winter gebe es weniger Schädlinge wie Wühlmäuse.

Momentan stünden zwar keine Tiere darauf – durch die feuchte Witterung würde es zu Trittschäden kommen. Aber ein strenger Winter sei gut für die Qualität des Weidelandes im kommenden Jahr.

Es ist übrigens nicht unbedingt selten zu beobachten, dass Kühe auch mal über die Weide laufen und springen. „Das ist dann Übermut“, sagt Cord Peitsmeyer, der mittlerweile mit Ehefrau Miriam einen weiteren Stall erreicht hat. Dort stehen die Kühe, die gerade ihren Nachwuchs auf die Welt gebracht haben und so die Ruhe finden, die sie benötigten, um wieder zu Kräften zu kommen. Auch wenn das Rind an sich ein Steppentier ist, so fühlen sich die jungen Mutterkühe doch sichtlich wohl. Für sie kann der Winter augenscheinlich kommen.

Nachdem sich die Kühe noch eine Streicheleinheit abgeholt haben, sagt Cord Peitsmeyer zum Schluss: „Frost und Kälte sind für die Kühe eigentlich kein Problem. Für uns Landwirte ist es das schon eher. Wir müssen zum Beispiel darauf achten, dass die Wasserleitungen (für die Versorgung der Tiere) nicht einfrieren. Wir haben durch Frost gleich 20 Prozent mehr Arbeit.“ Wenn die Kühe Futter und Wasser haben, seien die nämlich zufrieden.

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