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Nach 14 Jahren beenden Ruth Graf und Beate Henke den erfolgreichen Unternehmerinnentreff Espelkamp (UTE)

„Die Powerfrauen haben gezogen“

Ruth Graf und Beate Henke denken zurück – 14 Jahre. Damals im Jahr 2006 wurde die Idee des Unternehmerinnen-Treffs UTE in Espelkamp geboren. Und eigentlich sollte Ende 2020 mit einem großen gemeinsamen Frühstück der Schlussakkord für UTE gesetzt werden, der dann aufgelöst wird. Das Frühstück fiel jedoch ins Wasser – wegen Corona.

Felix Quebbemann

Sie haben viel auf den Weg gebracht und suchen immer neue Chancen: Beate Henke (links) und Ruth Graf vom Vorstand des Unternehmerinnentreffs Espelkamp und Umgebung ziehen Bilanz nach 14 Jahren und nach dem Coronajahr 2020. Foto: Felix Quebbemann

Mit einem weinenden Auge denken die Beiden an diese verpasste Gelegenheit, vielleicht noch einmal UTE-Mitstreiterinnen aus den Anfangszeiten zu treffen.

Denn das war der Plan der Beiden. Es sollten UTE-Mitglieder von ihren Anfängen erzählen, wie es ihnen mittlerweile ergangen ist und was sie erreicht haben. Und da hätte es durchaus fantastische Geschichten zu erzählen gegeben.

Aber wer Ruth Graf und Beate Henke kennt, der weiß, dass sie nicht lange verpassten Chancen nachtrauern, sondern aus allem das Positive ziehen und neue Chancen suchen.

Graf lässt es sich aber nicht nehmen, einen Blick zurückzuwerfen. Und der fällt sehr positiv aus: „Ich habe unheimlich viel mitgenommen und viele Menschen kennen gelernt.“

Schwerpunkt Vorträge

Immer im Mittelpunkt bei UTE stand die Frage: „Was bringt uns im Beruf weiter?“ Und genau nach diesen Ansätzen haben vor allem Graf und Henke die Programmpunkte gestaltet. Der Schwerpunkt lag dabei auf den Vorträgen. Aber es gab zum Beispiel auch Exkursionen. Vor allem stand die geballte Info immer im Mittelpunkt.

Für die beiden Frauen ist es auch nicht so schwer zuzugeben, dass sie sich auch schon mal kurz vergaloppiert hatten. „Wir hatten einmal ein Programm ohne Power“, sagen sie. Das wurde aber noch korrigiert, bevor der Flyer rausgekommen war. Danach gab es „volle Power“.

Das erfolgreichste Jahr hatte UTE vor drei Jahren – 2017. Jeweils immer 40 bis 60 Personen waren bei den Veranstaltungen Standard. UTE brummte gewaltig. In den Nachbarkommunen schaute man auch nicht ganz ohne Neid auf diesen Treff, der schon kurz nach der Gründung nicht nur Frauen aus Espelkamp anzog, sondern auch Interessierte aus den Nachbarkommunen. Und Graf fügt noch an: „Auch Männer waren bei uns immer willkommen.“ Und die seien auch mit den Jahren stetig dabei gewesen.

Kooperation

Ein entscheidender Vorteil für UTE war, dass er eine hervorragende Kooperation mit dem Gründer- und Anwendungszentrum hatte. „Das war eine tolle Zusammenarbeit. Wir hatten immer einen Raum, der auch noch hergerichtet wurde“, sagt Henke.

Die Gründung von UTE war jedoch eher ein Zufall. Ruth Graf hatte über Gabi Kopp, die unter anderem bei den Frauenkulturtagen engagiert war, Beate Henke kennen gelernt. Beide wollten etwas bewirken für die Unternehmerinnen der Region – oder für die, die es werden wollten. Noch im November 2005 haben sich die Beiden getroffen und intensiv am Konzept für UTE gebastelt. Der Startschuss fiel am 7. Februar 2006.

„Idee, Zack...“ entfährt es den Beiden. 120 Teilnehmer, gute Laune, ein absoluter Erfolg. Henke und Graf sind keine Frauen vieler Worte. Sie handeln, und dabei hätten sie immer die Unterstützung des Alt-Bürgermeisters Heinrich Vieker gehabt.

Vom Interesse an ihren Veranstaltungen waren sie nach wenigen Wochen selbst überrascht. „Es kamen immer mehr.“ In nur vier bis sechs Jahren entwickelte sich UTE zum Netzwerk für die Unternehmerinnen der ganzen Region. Es seien tatsächlich mehr auswärtige Interessierte gekommen als Netzwerkmitglieder. Der Erfolg gibt Graf und Henke Recht. „Bis ins letzte Jahr hinein waren wir immer ausgebucht“, sagt Graf.

Und dann mussten die beiden einsehen, dass sie UTE so nicht mehr fortführen konnten. Ruth Graf wohnt mittlerweile seit einigen Jahren in Stemwede und betreibt dort ein eigenes kleines Unternehmen. Beate Henke ist zwar beruflich in den Ruhestand getreten. Doch als Ratsmitglied, Stadtheimatpflegerin und Mitglied im Geschichtskreis wird sie sich über zu wenig Arbeit nicht beklagen können. Hinzu kam, dass das Netzwerk untereinander nicht mehr so gut funktioniert habe und viele Ältere dabei gewesen seien. Daher haben die beiden beschlossen: „Am 31. Dezember ist Feierabend.“

Graf und Henke sind sich sicher: „Nach UTE wird sich etwas Neues etablieren – aber anders.“ Bis zum Schluss waren die Veranstaltungen stark nachgefragt und daher sagen die UTE-Gründerinnen auch: „Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist.“

Mit Freude denken sie an Veranstaltungen zum Beispiel mit Referentin Beate Recker zurück. „Die riss die Leute mit. Die Powerfrauen haben gezogen“, sagen sie.

Kalenderprojekt

Das UTE-Kalenderprojekt ist den beiden ebenfalls noch sehr präsent. Das war im Jahr 2009. „Da hatten wir so einen Spaß.“ Ruth Graf betont, dass sie aus ihrer Zeit so viel mitgenommen habe und nennt als Beispiel das Sprechen vor Publikum. Beate Henke sagt, dass ihr die Vorträge fehlen würden.

Ausschließen, dass sie mit einer neuen Idee zurückkommen, wollen die Beiden nicht. Aber das muss gut durchdacht sein. Beate Henke sagt: „UTE schlug ein wie eine Bombe.“ Und Ruth Graf fügt an: „UTE ist Herzblut gewesen und hat große Fußstapfen hinterlassen.“

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