1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Espelkamp
  6. >
  7. Diskussionsrunde in Espelkamp: Die Wende selbst gestalten

  8. >

Diskussionsrunde mit vier Landtagskandidaten in Espelkamp zum Thema Mobilität auf dem Land

Die Wende selbst gestalten

Espelkamp

Wie sieht die Mobilität der Zukunft auf dem Land aus? Dieser Frage sind die beiden Dorfgemeinschaften in Gestringen und Isenstedt nachgegangen. Und dafür hatten sie prominente Gäste eingeladen.

Von Andreas Kokemoor

Bianca Winkelmann (CDU, 2. von links), Andreas Schröder (SPD, 2. von rechts), Daniela Beihl (FDP, links) und Benjamin Rauer (Grüne) stellten ihre Vorschläge und Ideen zur Mobilität vor. Foto: Andreas Kokemoor

Verstärkt auf das Fahrrad setzen, den Bürgerbus und das Ehrenamt fördern – dies sind nur drei Punkte gewesen, die beim Treffen der Dorfgemeinschaften Gestringen und Isenstedt mit vier Landtagskandidaten im Gestringer Hof angesprochen wurden. Die Mobilität der Zukunft auf dem Land stand bei der Diskussionsrunde im Mittelpunkt.

Fahrgemeinschaft

Bianca Winkelmann (CDU), Andreas Schröder (SPD), Daniela Beihl (FDP) und Benjamin Rauer (Grüne) stellten dazu ihre Vorschläge und ihre Ideen vor. Bürgermeister Dr. Henning Vieker, der auf das Mobilitätskonzept der Stadt Espelkamp einging, zeigte sich erfreut über die Initiative der Dorfgemeinschaftsvorsitzenden Bernd Wlotkowski (Gestringen) und Armin Jungbluth (Isenstedt). „Klimawandel sowie gesellschaftliche und weitere aktuelle Gründe zwingen uns zum Handeln“, betonte Jungbluth. „Wir wollen die Mobilitätswende deswegen gestalten und nicht von ihr gestaltet werden. Diese sollte zuverlässig, attraktiv, sicher und umweltfreundlich sein.“ Dafür müssten alle Verkehrsträger vom Fußgänger über Radfahrer und Autofahrer bis hin zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einbezogen werden. „Wo wollen wir im Jahr 2030 stehen?“, fragten Wlotkowski und Jungbluth. „Das Thema ist da. Das Thema ist wichtig“, sagte Bürgermeister Henning Vieker. Er wünschte sich, dass alle vier Landtagspolitiker ein Mandat im neuen Landtag erhalten, um somit die Region bestens vertreten zu können. Unisono sagten die Kandidaten, dass sie dann darüber nachdenken würden, quasi eine Art Fahrgemeinschaft nach Düsseldorf zu gründen. Es gebe viele Bereiche, in denen sich das Quartett über die Parteigrenzen hinaus austauschen könne, meinte Winkelmann.

Bianca Winkelmann

Einig waren sich am Ende des Abends alle rund 25 Teilnehmer, dass die Mobilitätswende in das Bewusstsein der Bürger rücken müsse. Daniela Beihl erklärte zunächst, dass ein Mensch auf dem Dorf auf ein Auto angewiesen sei. Bianca Winkelmann ergänzte jedoch: „Wir müssen wieder lernen, Bus zu fahren.“ Sie sagte aber ebenfalls, dass die Menschen auf dem Dorf ohne eigenes Fahrzeug nicht auskommen könnten. Das Auto sollte in Zukunft bei vielen Fahrten aber nur noch eine Alternative sei. Winkelmann warb für Car-Sharing, Mitfahrbänke – wie in Gestringen, Bürgerbusse, Anruf-Sammeltaxis und E-Lasten-Fahrräder. Andreas Schröder gratulierte Espelkamp zum Schülerticket fragte dann aber: „Warum gibt es kein Seniorenticket?“. Es müsse das Ziel sein, den ÖPNV attraktiver zu machen. Rein in den Bus und losfahren. Am ÖPNV könne zudem kein Geld verdient werden. Dort müssten Einsparpotenziale genutzt werden. Benjamin Rauer möchte die E-Mobilität und andere alternative Antriebe fördern. Ebenso fragte er, warum viele Autos die meiste Zeit herumstünden und kann sich ebenfalls Car-Sharing auf dem Lande vorstellen. Alle vier Kandidaten traten für schnelle Radwege zwischen den Dörfern und der Stadt ein. „Wir haben viele gute Dinge in den Schubladen, die sich auch schnell umsetzen ließen“ erläuterte Rauer. „Unser Ziel ist es, fahrradfreundlichster Kreis zu werden.“

Gaste bei der Mobilitätsveranstaltung im Gestringer Hof - hier unter anderem Bürgermeister Dr. Henning Vieker (2. von rechts) und Max Grote (CDU-Ortsvorsteher von Gestringen, rechts) Foto: Andreas Kokemoor

Aus der Versammlung heraus brachte Gestingens Ortsvorsteher Max Grote den seit vielen Jahren immer wieder gewünschten Bahnhaltepunkt ins Gespräch. Daniela Beihl erläuterte, dass über dieses Thema in verschiedenen Arbeitskreisen immer wieder gesprochen werde. Das Potenzial sei vorhanden. Dies sei auch ein gutes Thema für den neuen Koalitionsvertrag. Winkelmann sah ein Grund für das Scheitern des Projekts im Moment am Fahrplan. „Wir brauchen dafür schnellere Züge der neuen Generation.“ Mit Zügen ohne Verbrennungsmotor würde Rauer den Plan gerne umsetzen. Armin Jungbluth stieß das Thema Bürgerbus an. Finanziell sei ein Bürgerbus auf dem Land umsetzbar. So habe Unternehmer Paul Gauselmann bereits einen zweiten Bus gesponsert. Jedoch mangele es an Fahrern. Und so stellten sich die Teilnehmer die Frage, wie das Ehrenamt gefördert werden könne. Besucher Florian Craig, Ratsmitglieder der Grünen, mahnte zur Vorsicht, das Ehrenamt zu kapitalisieren. FDP-Politikerin Beihl sagte, dass das Ehrenamt kein Geld benötige, „es sollten aber auch keine Steine in den Weg gelegt werden“. Die vier Kandidaten nahmen mit, dass rechtliche und versicherungstechnische Fragen und Bürokratie im allgemeinen das Ehrenamt erschweren. Der Bürgerbusverein machte in der jüngeren Vergangenheit gar den Vorschlag, einen zweiten Verein für die Dörfer ins Leben zu rufen. Ob dies rechtlich zulässig ist, müsse zunächst noch geklärt werden, hieß es in der Versammlung.

Appell

Benjamin Rauer brachte ein anderes Projekt ins Gespräch – nämlich „Espelkamp packt an“, ein Gemeinschaftsprojekt der Arbeiterwohlfahrt Bezirksverband OWL/Regionalbüro Minden-Lübbecke und des Ludwig-Steil Hofes. Ziel dabei sei es, Langzeitarbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen um sie an den ersten Arbeitsmarkt heranzuführen. Zum anderen würden durch die gemeinwesenorientierten Tätigkeiten der Mitarbeiter sowohl die Institutionen als auch die Bewohner in Espelkamp unterstützt. Die Versammlung appellierte an die Politik, die Bürger noch mehr für das Ehrenamt zu sensibilisieren und in die gesellschaftliche Verantwortung zu nehmen.

Startseite
ANZEIGE