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Kritische Fragen an Espelkamper Verwaltung – Entwurf empfiehlt Umbenennung der Dr.-Max-Ilgner-Straße

Gründlichkeit vor Schnelligkeit

Espelkamp

Die Umbenennung der Dr.-Max-Ilgner-Straße sowie die noch nicht vorliegende Expertise zu den Straßennamen in Espelkamp hat den Rat beschäftigt. Hitzig wurde es, als ein Bürger der Verwaltung vorwarf, dass die das Verfahren nicht schnell genug vorantreibe.

Von Felix Quebbemann

Die Dr.-Max-Ilgner-Straße soll eventuell umbenannt werden. Das Verfahren geht aber einigen Politiker und Bürgern zu langsam. Foto: Quebbemann

Ein Thema, das eigentlich gar nicht auf der Tagesordnung der vergangenen Ratssitzung stand, hat einen großen Raum in der Diskussion eingenommen. Denn am Mittwochnachmittag wurde von verschiedener Seite das Thema „Änderung der Straßennamen“ in Espelkamp angesprochen. Sowohl Politiker von SPD und Grüne sowie ein Bürger – während der Bürgerfragestunde – wollten wissen, wie weit die Expertise des Geschichtskreises vorangeschritten ist. Zudem wurde Kritik an der langsamen Vorgehensweise laut.

Bürgerfragestunde

So nutzte Andreas Sültrup die Bürgerfragestunde dazu, um zu erfahren, was mit dem Antrag auf Umbenennung der Dr.-Max-Ilgner-Straße geworden ist, der vor zwei Jahren von Gerhard Pollheide gestellt worden sei. Es sei nicht nachzuvollziehen, warum es immer noch keine Antwort gebe, beklagte Sültrup, der lange Jahre für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt gesessen hat. Die Umbenennung dieser Straße sei ein wichtiger Punkt.

Bei Dr. Max Ilgner handele es sich um ein Mitglied der NSDAP, das lange Zeit Vorstand der IG Farben gewesen und in den Nürnberger Prozessen verurteilt worden sei. Es sei schwer zu verstehen, „dass dieser Person eine Straße gewidmet ist“. Und es sei keine Frage, in der Stadt dürfe eine Straße nicht mit diesem Namen benannt werden.

Nach der Aufforderung von Bürgermeister Dr. Henning Vieker, eine Frage zu stellen, und der Begrenzung der Redezeit für Sültrup, entgegnete der: „Sie haben zwei Jahre Zeit gehabt und ich habe hier jetzt keine fünf Minuten? So geht man also mit Bürgern um, die eine kritische Frage stellen.“ Sültrup stellte noch einmal fest, dass keine Straße in der Stadt nach Dr. Max Ilgner benannt werden dürfe. Zudem ging er auf mögliche Einwände ein, eine Straßennamenumbenennung würde für die ansässigen Unternehmen hohe Kosten verursachen. Er wolle mal sehen, wie Firmen im Ausland reagieren, wenn sie Produkte von Betrieben in der betreffenden Straße erhalten und den Straßennamen erkennen.

Andreas Sültrup Foto: Arndt Hoppe

Sültrup schloss mit der Frage, wie lange noch auf eine Antwort zum Pollheide-Antrag zu warten ist. Bürgermeister Henning Vieker entgegnete, dass „Herr Pollheide genau weiß, was wir hier machen.“ Es handele sich um Entscheidungen, die viele Menschen beträfen. „Daher geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit.“ Zudem habe die Corona-Pandemie für Verzögerungen gesorgt. Matthias Tegeler, zuständiger Fachbereichsleiter, erklärte, im dritten Quartal dieses Jahres würden die Ergebnisse des Arbeitskreises (AK) behandelt werden. Dies sei im Vergleich zu Städten wie Münster und Hannover schnell. „Es ist ein umfangreiches Thema und es hat viele Facetten.“ SPD-Politiker André Stargardt ging auf einen Antrag der Grünen ein, das Thema Straßennamen in der Ratssitzung am Mittwoch zu behandeln – obwohl es nicht auf der Tagesordnung stand. Stargardt sprach für seine Fraktion und sagte: „Wir können den Antrag nachvollziehen und unterstützen.“ Es würden Empfehlungen des AK vorliegen und daher sei es sinnvoll, „die Öffentlichkeit über den Sachstand zu informieren“. Es dürfe nicht so weit kommen wie derzeit bei den Spekulationen um ein mögliches neues Krankenhaus auf Lübbecker oder Espelkamper Gebiet.

Fachbereichsleiter Matthias Tegeler Foto: Hendrik Schmalhorst

Matthias Tegeler entgegnete, dass der AK noch nicht so weit sei und es derzeit nur Entwürfe von Mitgliedern des Geschichtskreises gebe. Eine jetzige Veröffentlichung „halten wir für nicht ratsam“. Dies werde vom Geschichtskreis bestätigt. Das Thema rief letztlich auch Alfred Bußmann, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, auf den Plan. Er habe bei der Stadtverwaltung Anfang Februar eine Einsichtnahme in die AK-Ergebnisse gefordert und berief sich dabei auf den Paragrafen 55 der Gemeindeordnung in Nordrhein-Westfalen. „Diese Expertisen sind Unterlagen. Und diese Einsicht steht mir zu und die verlange ich.“ Diesem Einwand entgegnete Tegeler, dass es sich bei den vorliegenden Dokumenten im Arbeitskreis um Entwürfe handele. Bürgermeister Vieker erklärte, dass das Thema in der kommenden Hauptausschuss-Sitzung behandelt werde.

Einer der Entwürfe, die im Arbeitskreis Straßennamen behandelt werden, liegt der Redaktion vor. Darin wird empfohlen: „Eine Umbenennung der Straße (Dr.-Max-Ilgner-Straße, Anm. d. Red.) ist geboten.“

Dazu ein Kommentar:

Nein – eine Straße kann man nicht nach einem verurteilten Kriegsverbrecher benennen. Das wurde an dieser Stelle schon einmal unterstrichen. Daher besteht keine andere Wahl, als die Dr.-Max-Ilgner-Straße umzubenennen – und zwar so schnell wie möglich. Notfalls kann dies prioritär behandelt werden. Das Thema Straßennamen bedarf natürlich einer großen Genauigkeit. Aber je schneller dieser Straßenname aus dem Stadtbild verschwindet, umso besser. Kriege sind immer grausam. Die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine zeigen dies auf schmerzliche Weise. Kriegstreiber, ihre Gefolgsleute und einhergehende Gräueltaten des Krieges dürfen auf keinen Fall belohnt werden – auch nicht mit der Namensgebung für eine Straße.                                                                                                                                                         Felix Quebbemann

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