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Unwetter und marode Schulen: Missionarinnen aus Minden-Lübbecke wieder zurück

Ein Abenteuertrip in der Steppe

Espelkamp

Überschwemmungen, marode Schulen und Missionshelfer aus Schweden – der Aufenthalt in Tansania hat für die beiden Missionarinnen Christine Lauterbach und Ulrike Keulertz viele Abenteuer bereit gehalten. Im August nun besuchen drei Pastore aus Afrika die Missionarinnen im Mühlenkreis.

Von Felix Quebbemann

Wo zuvor eine Straße war, bildete sich in Sekundeschnelle ein Fluss nach dem Regen. Foto: Christine Lauterbach

Während in Deutschland in der jüngeren Vergangenheit darüber nachgedacht wurde, ob Schulunterricht auch im Winter bei geöffneten Fenstern stattfinden kann, haben die Schüler und Lehrer an öffentlichen Schulen in Tansania ein paar weitergehende Probleme mit ihren Unterrichtsräumen. Zugegeben, die Diskussion um die offenen Fenster hierzulande kam im Zuge der Corona-Pandemie auf.

Die öffentliche Schule in Sakala ist absolut baufällig Foto: Christine Lauterbach

In Tansania aber sind die Probleme an den Gebäuden öffentlicher Schulen ein größeres und beständiges Problem. Das wissen die beiden Missionarinnen Christine Lauterbach aus Espelkamp und Ulrike Keulertz aus Bad Oeynhausen nicht erst seit ihrem vergangenen Besuch in dem afrikanischen Land. Da aber wurden sie mit der Problematik wieder einmal konfrontiert. „Die öffentlichen Schulen sind teilweise baufällig. Es gibt aber für eine Renovierung kein Geld“, sagt Christine Lauterbach im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Türen fallen auseinander. „Der Wind pfeift durch die Klassenräume und der Boden löst sich auf.“ Beim Besuch einer dieser öffentlichen Schulen wurden die beiden Missionarinnen gefragt, ob sie nicht helfen könnten. „Wir wollen das ermöglichen“, haben Christine und Ulrike dann auch sofort gesagt. Die Schule habe lediglich zwei große Klassenräume, die noch baufällig waren. Die Missionarinnen haben sich zum Ziel gesetzt, Geld zu sammeln, um Boden und Türen auszubessern und einen Anstrich an die Wände zu bekommen.

Die Kinder freuen sich über die gespendeten neuen Schulbänke Foto: Christine Lauterbach

Aber nicht nur die öffentlichen Schulen waren Ziel ihrer letzten Missionsreise nach Tansania. Auch ihre christliche Schule in Loliondo besuchten die beiden. Auch dort ist einiges an Arbeit zu verrichten. So werde in der Dining-Hall – vergleichbar hier mit der Mensa – neues Mobiliar benötigt – Tische und Stühle. Ein neuer Anstrich sei dort ebenfalls notwendig. Zudem solle die Decke abgehängt werden. Dafür wollen die Missionarinnen Geld sammeln. „Denn das kommt den Kindern direkt zugute, wenn sie in den Schulen sitzen“, weiß Lauterbach. Neben den Schulbesuchen sind die beiden natürlich auch durch das Land gefahren, haben den Glauben verkündet und Bibeln verteilt. Erfolgreich hatten sie vor Kurzem ein Seminar für Frauen initiiert. Das wurde jetzt fortgesetzt. „Dabei wurden den Teilnehmerinnen unter anderem Tipps zur richtigen Ernährung gegeben.“ Begeistert zeigen sich die Missionarinnen davon, wieviele Obstbäume die Massai mittlerweile gepflanzt haben. Mango, Papaya, Avocado – um nur einige zu nennen – garantieren den Einheimischen mehr Unabhängigkeit bei der Ernährung, die zudem ausgewogener wird. Dass Missionarsdienste in der heutigen Zeit auch mal online Erfolge zeitigen, verdeutlicht Christine Lauterbach. In manchen Gebieten hätten Elefanten die Felder zertrampelt. „Da haben wir dann im Home-Office für neues Saatgut gesorgt“, so Lauterbach. Die Situation für die ländlichen Bevölkerung sei problematisch.

Der Regen hat einen Großteil der Ernte zerstört und Felder einweg weggespült. Foto: Christine Lauterbach

Nicht nur Elefanten zerstörten Felder. Heuschrecken und Raupen hätten sich über die Pflanzen hergemacht. Zudem sei der Klimawandel in Tansania „voll angekommen“. Auch dort sei – wenn es geregnet habe – das Nass in rauen Mengen heruntergekommen. „Wir hatten schwere Unwetter – Hagel hat die Pflanzen zerstört. Manche Felder sind ganz weggespült worden“, erzählt Lauterbach. Die müssten neu angelegt werden. Ganze Landzüge seien überflutet gewesen. Sogar das Domizil der beiden Missionarinnen sei von den Unwettern betroffen gewesen. So hätte der Regen unter anderem einiges an Erdreich in ihren Wassertank gespült. Als Trinkwasser wurde das Reservoir damit unbrauchbar. „Wir haben dann unter unsere Regenrinne Eimer gestellt, um wieder klares Wasser zu erhalten“, gibt Lauterbach Einblicke in ihren Alltag. Not macht halt erfinderisch. Die Regenzeit sei nicht mehr planbar, so Lauterbach. „Wir haben Extrem-Wetter. Dieser Regen, der jetzt auf einen Schlag herunter kommt, das hatten wir noch nicht.“ Gute Nachrichten haben Christine und Ulrike von Pastors Paulo erhalten. Der wurde vor einigen Monaten von Wegelagerern überfallen und kam nur knapp mit dem Leben davon.

Nach der vierten Operation konnte Pater Paulo endlich das Krankenhaus verlassen und wenig später wieder arbeiten. Foto: Christine Lauterbach

„Ihm wurde nun die Metallplatte aus dem Bein entfernt.“ Da bei dem Überfall auch das Motorrad des Pastors, ein Muss in der tansanischen Weite, zu Schaden kam, benötigte er einen neuen fahrbaren Untersatz. „Wir haben jetzt ein neues Motorrad“, sagt Lauterbach. Ein junger Mann hat von den Geschehnissen gehört und den Kauf eines neues Motorrades für Pater Paulo ermöglicht. Auch bei weiteren Pastoren haben die Missionarinnen genauer hingeschaut und festgestellt, dass auch deren Motorräder, mit denen sie von Dorf zu Dorf fahren, um den Glauben zu verkünden, nicht mehr ganz verkehrstauglich waren. Da wurde nun auch nachgerüstet – inklusive neuer Helme. Neben den Besuchen bei vielen kranken Kindern haben die Missionarinnen ihre Patenkinder besucht. „Kleidung wurde wieder verteilt“, sagt Christine Lauterbach und dankt in diesem Zusammenhang den vielen Spendern aus Deutschland – unter anderem dem Sozialverband Rahden. Dort wurden zahlreiche Kleidungsstücke gestrickt. Mit großer Dankbarkeit seien diese Geschenke von den Massai angenommen worden, so Lauterbach.

Die neuesten Patenkinder der Missionarinnen. Foto:

Mittlerweile haben die Missionarinnen 37 Patenkinder in Loliondo vermittelt. Eines der neuesten Patenkinder sei ein Junge im Alter von zwölf Jahren. „Er ist noch nie zur Schule gegangen. So etwas gibt es häufig im Massai-Land. Viele Kinder müssen Kühe oder Schafe hüten“, sagt Christine Lauterbach. Umso schöner ist es nun zu sehen, wieviel Freude dem neuen Schüler das Lernen bereitet.

Die Missionarinnen hatten bei ihrem Aufenthalt in Tansania übrigens dieses Mal Begleitung. Bibelschüler aus Schweden hatten sich angekündigt. Und die 18- bis 19-jährigen Skandinavier haben Christine und Ulrike bei so mancher Fahrt begleitet. Die Ankunft der Bibelschüler war aber nicht unproblematisch. „Mit dem Bus sind sie angekommen.“ Allerdings habe es plötzlich so stark angefangen zu regnen, dass ein Fluss – der sonst ohne Brücke für die Fahrzeuge passierbar ist - sehr stark anstieg. Zu hoch war der Wasserstand. Selbst, als der Fahrer nach dem Regen und einer mehrstündigen Wartezeit entschied, den Fluss bei sinkendem Pegel endlich zu durchfahren, stellte sich das Vehikel gefährlich schräg. Die Bibelschüler aber sind schließlich sicher von Arusha im Missionshaus der beiden Missionarinnen angekommen. „Das war schon ein Highlight, dass wir Gäste hatten bei unseren Fahrten“, sagt Lauterbach.

Internationaler Missionsdienst: Ulrike Keulertz und Christine Lauterbach mit Helfern aus Schweden und Tansania Foto: Christine Lauterbach

Gäste haben Christine und Ulrike übrigens auch bald in Deutschland. Ab dem 8. August bekommen sie Besuch von drei Massai-Pastoren. Sie werden in Vorträgen den Besuchern einmal aus Massai-Sicht schildern, wie es in ihrem Land so aussieht und wie die Arbeit mit Christine Lauterbach und Ulrike Keulertz aussieht. Am Sonntag, 11. September, werden sie in Espelkamp in der Gemeinde Lobpreisstraße sein. Der gemeinsame Gottesdienst findet um 17 Uhr in der Mennonitengemeinde, John-Gingerich-Straße 1, statt.

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