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Landtechnik Wellpott hat neuen Pächter – Seniorchef erinnert an Firmengeschichte

Ein Betrieb mit langer Tradition

Espelkamp-Gestringen (WB). Nach 187 Jahren ist der Landtechnik-Betrieb Wellpott an der Gestringer Straße vor einigen Wochen an die Agravis Technik Saltenbrock GmbH, eine Tochtergesellschaft der Raiffeisen AG, verpachtet worden. Der Übergang ist reibungslos vollzogen worden. Grund für Seniorchef Kurt Beckschewe und seine Frau Annemarie, die Geschichte des Familienbetriebes zu würdigen.

Michael Nichau

Das älteste Bild mit der Schmiede: links Wilhelm Wellpott, Großvater von Annemarie Wellpott, zweite von rechts die Großmutter mit August Wellpott als Kind. Repro: Nichau Foto:

»Es hat bei der Übergabe in neue Hände keine Schwierigkeiten gegeben«, sagte Kurt Beckschewe, der 1957 mit der Heirat seiner Frau Annemarie, geborene Wellpott, den 1830 gegründeten Betrieb übernommen hatte. In neuerer Zeit waren Ulrich und Ina Beckschewe, Sohn und Schwiegertochter, Inhaber des Unternehmens.

Eine weitere Generation steht nicht zur Verfugung. Deshalb ist der Standort langfristig an die Agravis verpachtet worden. »Unsere Familie stellt mit diesem Schritt den Landtechnikstandort Gestringen für die Landwirte in Minden-Lübbecke und den angrenzenden Gemeinden der Landkreise Osnabrück sowie Herford sicher. Wir können allen unseren Mitarbeitern eine sichere Perspektive bieten«, erläutern Ina und Ulrich Beckschewe.

Mitarbeiter sind übernommen

»Wir werden das Vertriebsprogramm der Landmaschinen übernehmen. Der Service und die Ersatzteil-Versorgung sind über den Standort Gestringen für die nächsten Jahre abgesichert. Der Shop für Kleingeräte bleibt erhalten. Die Werkstatt wird weiter markenoffen betrieben. Wir übernehmen die Mitarbeiter«, heißt es von der Agravis.

Der bisherige Inhaber Ulrich Beckschewe wird im Vertrieb weiterhin Ansprechpartner sein. Ina Beckschewe soll den Standort als Betriebsleiterin führen.

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1830 als Schmiede auf der Rottriede in Gestringen. Friedrich Wellpott bewies Fleiß und handwerkliches Können. Sein Sohn August Wellpott führte die Schmiede ebenfalls bis zu seinem Tod 1899 weiter. Während dieser Zeit erlangte der Betrieb bereits überörtliche Bedeutung.

Fortschritt im Blick

1899 übernahm mit 26 Jahren Wilhelm Wellpott den Betrieb. »Er zeichnete sich durch fortschrittliches Denken und Handeln aus«, schilderte Kurt Beckschewe den Vorfahren seiner Frau. »Schon vor dem Ersten Weltkrieg schaffte er Motor und Generator an und erzeugte elektrischen Strom. Das gab es im Dorf überhaupt noch nicht.«

Und diese fortschrittliche Tradition nahm dessen Sohn August 1936 auf. »Er widmete sich der Motorisierung in der Landwirtschaft. Ackerschlepper und Bindemäher wurden eingeführt. Das war der Grundstein zur ›Landtechnik‹, wie wir sie heute kennen«, erläutert Beckschewe.

Nach dem Krieg baute August Wellpott die erste Schlepperpflegestation im Gebiet. Bereits 1953 kam ein importierter Mähdrescher zum Einsatz.

»Unser Lebenswerk«

Nach dem Tod von August Wellpott 1961 übernahmen Kurt und Annemarie Beckschewe das Geschäft und führten es als »Landtechnik Wellpott« weiter. »Das ist eigentlich ein Lebenswerk. Wir haben immer wieder angebaut und modernisiert«, berichtet Beckschewe. Ulrich und Ina Beckschewe sind die sechste Generation. Und ganz stolz präsentiert Annemarie Wellpott ihr Erinnerungsalbum mit historisch wertvollen Bildern: Sie zeigen unter anderem das inzwischen abgebrochene Schmiedegebäude, das 100-jährige Jubiläum, und die Arbeit in der Schmiede.

»Die Wurzeln unserer Familie liegen eigentlich in Gehlenbeck«, erläutert Annemarie Beckschewe. Das heutige Heimathaus sei die ursprüngliche Wohnstätte der Wellpotts gewesen, sagt die 83-Jährige, die gern mit ihrem gleichaltrigen Mann an die Zeiten mit viel Arbeit zurückdenkt.

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