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Radfahrer mit Handy am Ohr müssen Bußgelder zahlen – Verhalten am Zebrastreifen

Empfindliche Strafen für Radler

Espelkamp

Immer wieder sieht man Fahrradfahrer mit dem Handy am Ohr. Doch dieses Fehlverhalten kann für die Radler richtig teuer werden. Zudem wissen viele Radfahrer nicht, wie sie sich am Zebrastreifen verhalten müssen, um Vorfahrt zu erhalten.

Von Felix Quebbemann

"Radfahrer bitte absteigen" heißt es am Zebrastreifen des Kreisverkehrs Rahdener/Breslauer Straße. Foto: Felix Quebbemann

Ein Fußgänger mit dem Handy in der Hand – dieses Bild gehört seit einigen Jahren zum Alltag in der Stadt.
Viel gefährlicher jedoch wird es, wenn Radfahrer mit dem Smartphone in der Hand am Straßenverkehr teilnehmen. Die Radler sind deutlich schneller unterwegs als Fußgänger und haben dadurch eine deutlich kürzere Reaktionszeit.
Darüber hinaus hat wohl jeder Verkehrsteilnehmer ein mulmiges Gefühl, wenn ein Fahrradfahrer mit dem Handy in der Hand auf ihn zufährt. Im schlimmsten Falle schaut er dabei nicht nach oben, sondern auf das Display seines Handys.

Daher sieht der Bußgeldkatalog auch entsprechende Strafen für ein solches Verhalten vor.
„Wer ein elektrisches Gerät auf dem Fahrrad benutzt zahlt 55 Euro. Wer ein elektrisches Gerät auf dem Fahrrad benutzt und dadurch andere gefährdet, muss mit einer Anzeige und einem Bußgeld von 75 Euro rechnen. Und wer ein elektrisches Gerät auf dem Fahrrad benutzt und dadurch einen Unfall verursacht, dem drohen 100 Euro Bußgeld“, sagt Ralf Steinmeyer, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke.
Im Jahr 2021 habe die Polizei kreisweit 440 repressive Maßnahmen gegen Rad- oder Pedelecfahrer aufgrund von Ablenkung verhängt. „Für Espelkamp waren es im gleichen Zeitraum 81 Verwarnungsgelder oder Anzeigen“, so Steinmeyer.
Ein Blick auf die Unfallzahlen ergibt zudem, „dass die Entwicklung der Unfallzahlen bei den Rad- oder Pedelecfahrern in Espelkamp in den vergangenen drei Jahren gestiegen ist. Waren es 2019 noch 39, so wuchs die Zahl 2020 auf 52 und 2021 auf nunmehr 75 Unfälle“. Kreisweit sähen die Unfallzahlen folgendermaßen aus. Im Jahr 2019 waren es 400, 2020 – 426 und 2021 – 405 Unfälle unter Beteiligung von Radlern.

Ralf Steinmeyer, Sprecher der Kreispolizei Minden-Lübbecke Foto: Polizei Minden-Lübbecke

Der Trend zu mehr verkauften Pedelecs lasse sich auch bei einem genaueren Blick auf die Unfallentwicklung ablesen. Während die Anzahl der verunglückten Radfahrer in den vergangenen drei Jahren im Kreis kontinuierlich gesunken sei – von 348 (2019) auf 291 (2021) – stieg die der Pedelecfahrer stetig an – von 52 (2019) auf 114 (2021).
Dabei spielt das Alter eine erhebliche Rolle. „Nach Einschätzung unserer Beamten handelt es sich in Bezug auf das Fehlverhalten zumeist um jüngere Menschen im Alter zwischen 14 bis 20 Jahren. Mitunter fallen auch ältere Personen auf“, erklärt Steinmeyer weiter.
Dabei ist den Fahrradfahrern die Gefahr ihres Handelns gar nicht bewusst. Die Folgen jedoch können gravierend sein. Steinmeyer erklärt: „Ablenkung ist eine der Hauptunfallursachen im Straßenverkehr. Daher hat die Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke zu diesem Thema einen eigenen Flyer erstellt.“

Ein Radfahrer telefoniert  mit seinem Handy beim Fahren. Das kann richtig teuer werden. Foto: dpa-Zentralbild

Grundsätzlich befassten sich die Verkehrssicherheitsberater der Polizei bereits seit Jahren mit der Zielgruppe der Radfahrer. Aufgrund der andauernden Corona-Situation aber hätten andere Wege für die Verkehrsunfallprävention gesucht werden müssen. So seien Kurzvideos zum Thema Rad- und Pedelecfahrer entwickelt, erstellt und in den sozialen Medien der Polizei verbreitet worden. „Zielgruppe sind und waren insbesondere die jüngeren Verkehrsteilnehmer.“
Darüber hinaus fanden in den Monaten November und Dezember kreisweit an allen berufsbildenden Schulen Verkehrssicherheitstage mit anschließenden Unterrichtsbesuchen statt, in denen das Thema „Ablenkung“ ausführlich behandelt wurde.
Das Unfallrisiko maximiert der Radfahrer, wenn er morgens oder abends, dann ist es entweder noch länger dunkel oder es dämmert früher, in dunkler Kleidung auf dem Rad sitzt und am Handy herumspielt.

Ordentliche Beleuchtung

Steinmeyer sagt: „Zur besseren Erkennbarkeit helfen eine ordentliche Beleuchtung am Fahrrad sowie gute und ausreichende Reflektoren. Günstige Batterie-Stecklichter sind zwar zulässig, aber in der Lichtleistung nicht sehr stark. Gute LED-Leuchten (vorne und hinten) in Verbindung mit einem Nabendynamo – der bringt volle Leistung schon bei geringer Geschwindigkeit und jeder Witterung – oder einem leistungsstarken Akku-System bringen sowohl gute Sicht für den Radfahrer als auch gute Erkennbarkeit für andere Verkehrsteilnehmer. Sehr bewährt haben sich zudem Speichen-Rückstrahler – sogenannte Speichensticks.“
Sie reflektieren einfallendes Licht aus fast jedem Winkel und machen den Radfahrer zudem durch die rotierende Bewegung der Laufräder mit den Sticks hervorragend erkennbar. Wichtig sei außerdem: „Immer mit den Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer rechnen. Dies schützt vor unangenehmen Überraschungen“, sagt Steinmeyer.
Vor kurzem hat diese Zeitung auch ein Leserbrief erreicht, in dem ein Bürger darauf hinwies, dass Fahrradfahrer am Zebrastreifen nur Vorrang vor dem Autoverkehr hätten, wenn sie am Überweg ihr Rad schieben. Dies bestätigte Steinmeyer: „Am Fußgängerüberweg haben lediglich Fußgänger oder Nutzer von Rollstühlen Vorrang vor dem Fahrzeugverkehr.“ Radler müssten am Überweg absteigen und schieben, um Vorfahrt zu erhalten. „Auch für Radfahrer gilt übrigens, dass querenden Fußgängern das Überqueren des Fußgängerüberwegs ermöglicht werden muss.“

Motorische Fähigkeiten

Recht zufrieden zeigt sich die Polizei mit dem Zustand der Räder, vor allem der Schüler. „Laut unseren Verkehrssicherheitsberatern sind die Fahrräder der Grundschüler in der 4. Klasse (Radfahrausbildung), mit wenigen Ausnahmen, in einem guten Zustand, der den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Allerdings lassen die motorischen Fähigkeiten der Schüler seit vielen Jahren immer weiter nach, so dass vielfach die Beherrschung des Fahrrades in Gefahrensituationen – schnelles Ausweichen, Handling/Gleichgewicht bei einer Vollbremsung – mangelhaft ist“, kritisiert Steinmeyer. Zudem seien vielfach die Kinder mit den technischen Einrichtungen ihres Fahrrades wie Kettenschaltung mit 24 oder noch mehr Gängen oder bissige Scheibenbremsen schnell überfordert.
Die häufigsten Mängel bei den Kontrollen seien eine fehlende oder nicht funktionstüchtige Beleuchtung sowie defekte Bremsen. „Insgesamt hat sich der Zustand der Fahrräder in den vergangenen Jahren aber kontinuierlich verbessert. Nach unserer Einschätzung liegt es daran, dass viele neue Räder, vor allem Pedelecs, genutzt werden. Dies gilt auch für Espelkamp“, so Steinmeyer.

Ralf Steinmeyer

Der Pressesprecher machte darauf aufmerksam, dass die Radfahrausbildung in der Primarstufe, also der vierten Klasse,   kreisweit auch weiterhin im gewohnten Maße stattfinde.
„Immer wieder stellen unsere Verkehrssicherheitsberater bei anderen Präventionsveranstaltungen fest, dass Verkehrsteilnehmer unsicher im Zusammenhang mit den aktuell geltenden Verkehrsregeln für Fahrradfahrer sind. Im Bereich der Rad- und Pedelecfahrer – insbesondere in der Altersgruppe ab 35 Jahren/nicht nur Senioren – würde die Polizei auch gerne   mehr Präventionsveranstaltungen anbieten können. Aufgrund der andauernden Corona-Situation mussten jedoch viele geplante Veranstaltungen abgesagt werden.“
Abschließend macht Steinmeyer noch auf ein weiteres Problem für die Fahrradfahrer aufmerksam: „Einige Radler fallen vor allem dadurch auf, dass sie den Radweg in der falschen Richtung benutzten. Aufgrund dessen kommt es immer wieder zu Unfällen, mit teilweise schweren Folgen für die Zweiradfahrer.“

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