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Espelkamps Stadt-Pressesprecher Torsten Siemon gibt einen Ausblick zum City-Fest

„Es sieht düster aus“

Espelkamp (WB/fq). „City-Fest im Jahr 2020“ – es steht zu befürchten, dass dieser Schriftzug wohl eher nicht benötigt wird. Bereits vor wenigen Wochen hat Thorsten Blauert, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins, gesagt, dass er das City-Fest noch nicht abgeschrieben habe, es aber natürlich nicht gut aussehe.

Das City-Fest hat in den vergangenen Jahren die Erwartungen der Veranstalter erfüllt. In diesem Jahr steht zu befürchten, dass es aufgrund des Coronavirus kein City-Fest geben wird. Die Chancen für eine Ausrichtung stehen laut Torsten Siemon schlecht. Foto:

Pressesprecher Torsten Siemon von der ausrichtenden Stadt Espelkamp fand gestern im Gespräch mit dieser Zeitung ähnliche Worte, wurde aber schon sehr deutlich. „Es sieht düster aus“, gab er zu. „Stand jetzt gehen wir davon aus, dass es nicht stattfindet.“

Die derzeitige Regelung sei bekannt, so Siemon weiter. Demnach seien alle Großveranstaltungen zunächst einmal bis zum 31. August ausgesetzt worden. Wie es im September aussehe, dazu sei noch überhaupt keine Aussage getroffen worden. „Meine Einschätzung ist, dass große Volksfeste erst als letztes wieder möglich sind“, fuhr Torsten Siemon fort. Jedoch erklärte der Pressesprecher ebenfalls: „Wir haben das City-Fest noch nicht offiziell abgesagt.“

Verträge

Verträge zwischen der Stadt und Künstlern oder Musikern gebe es noch nicht: „Normalerweise schließen wir die in dieser Jahreszeit ab“, so Siemon.

Doch in diesem Jahr ist alles anders. Die Stadt hängt ein wenig in der Luft. Denn die Veranstalter wissen nicht, ob die Vorgaben nach dem 31. August gelockert werden und wenn ja, wie weit sie gelockert werden. Siemon erklärte zudem, dass es natürlich auf großen Volksfesten wie dem City-Fest kaum möglich sei, die Abstandsregelungen einzuhalten.

Der Pressesprecher nannte als weiteres Beispiel das Neue Theater. Dort finden mehr als 600 Menschen Platz. Mit den derzeitigen Vorgaben aber dürften kaum mehr als 100 Besucher in jeweils eine Vorstellung.

Werden die Auflagen aber ab dem 31. August für Großveranstaltungen gelockert, sei es dringend notwendig, dass „wir frühzeitig die Auflagen kennen“, sagte Siemon. Denn davon hängt der Großteil der Organisation eines Festes während der Corona-Zeit ab.

Faktoren

Es gibt aber noch einen weiteren Faktor, den auch die Stadt nicht benennen kann. Angenommen, die Auflagen würden gelockert oder gar ganz abgeschafft werden: „Dann ist die Frage: ‚Kommt jemand?‘“, sagte Siemon. Auch da zieht er zur Veranschaulichung die Situation im Neuen Theater heran. „90 Prozent der Theater-Besucher sind Menschen der Corona-Risikogruppe.“ Und viele dieser Menschen seien verunsichert. Ein nur zu einem Drittel gefülltes Theater bringe jedoch „riesige Einnahmeausfälle“ mit sich. All diese Punkte zu beachten, mache die Planungen so schwierig.

Die Situation als Veranstalter sei derzeit einfach unbefriedigend. „Es gibt keine vernünftige Planungsgrundlage.“

Plan B

Für das City-Fest jedenfalls stellte Siemon heraus, es gebe keinen Plan B. Es sei zwar noch nichts entschieden. „Aber wir haben schon eine Tendenz.“ In München zum Beispiel sei das Oktoberfest bereits vor Wochen abgesagt worden. „Das ist natürlich eine ganz andere Hausnummer als das City-Fest“, betonte Siemon. Aber auch das City-Fest zählt als Großveranstaltung.

Wie eben solche Events unter Einhaltung der Abstandsregelungen ausgerichtet werden sollen, ist fraglich. „Die Abstandsregelung wird uns noch lange begleiten“, sagte Siemon. Und niemand werde derzeit eine seriöse Aussage treffen können, was im September möglich sei.

Verunsicherung

Die Verunsicherung bei den Bürgern bezüglich kultureller Veranstaltungen machte Siemon an einem weiteren Beispiel fest – dem Varieté-Club im Neuen Theater. Dabei handelt es sich um die Nachfolge-Show der „Nacht der Komödianten“. Der Varieté-Club wurde bereits einmal verlegt und soll jetzt am 22. September ausgerichtet werden.

Dafür gebe es derzeit aber viele Karteninhaber, die ihre Tickets zurückgeben. Ob dies am neuen Termin oder vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie geschieht, vermochte Siemon nicht zu sagen.

Stimmungswandel

Das Bild könne sich aber auch schnell ändern. „Es kann natürlich sein, dass es einen Stimmungswandel gibt, wenn die Zahlen der Corona-Infizierten rückläufig bleibt“, sagte Siemon. Und in dieser Aussage schwingt auch ein bisschen Hoffnung mit, dass das Veranstaltungsjahr 2020 noch nicht gänzlich verloren ist.

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