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„Der Marshal“ von Niko Hass ist im Fabuloso-Verlag erschienen – Fortsetzung geplant

Espelkamper Lehrer veröffentlicht seinen ersten Roman

Espelkamp (WB). Die Zeiten der Revolverhelden und Indianer, der Marshals und der weiten Prärie haben vor allem auf der Kinoleinwand eine große Anziehungskraft ausgeübt. Bis weit in die 80er-Jahre hinein waren Western Kassenmagneten.

Felix Quebbemann

Niko Hass ist 54 Jahre alt und seit 1998 Lehrer in Espelkamp. Begonnen hat er seine Tätigkeit an der Birger-Forell-Realschule. An der Sekundarschule unterrichtet er Englisch, Gesellschaftslehre und auch Musik. Niko Hass wohnt in Lübbecke. Foto: Felix Quebbemann

In Buchform war das schon eher seltener. Viele denken bei Western-Literatur bestimmt an die Bastei-Hefte, die in den Bücherständern um die Gunst der Leser buhlten und noch bis heute buhlen.

Recht und Rache

Niko Hass tritt nun den Beweis an, dass Western auch im Romanformat funktioniert – und zwar äußerst spannend. Der 54-Jährige ist ein Western-Fan und hat seinen Debüt-Roman „Der Marshal – Das Recht und die Rache“ veröffentlicht.

Zwei Gründe seien für das Buch ausschlaggebend gewesen, so Hass. Zum einen sei der Western eine Liebe aus der Kindheit. „Mit den Kindern aus der Nachbarschaft habe ich häufig Karl May gespielt.“ Die Winnetou-Filme kannten sie natürlich in- und auswendig.

Der zweite Grund ist eher ungewöhnlicher Natur. „Im Jahr 2014 hat mich eine gute Freundin mit zum Western-Reiten genommen“, sagt Hass. Aus einer Laune heraus habe er dann angefangen, eine Geschichte zu schreiben – die Grundlage für das erste Kapitel seines Romans. Und dann kam eines zum anderen.

Der Schreibprozess

Mit Blick auf seinen Roman, der im Fabuloso Verlag erschienen ist, sagt er: „Ich habe nicht gedacht, dass ich das hinbekomme.“ Hass ist vielen Espelkampern sicherlich als Lehrer und Öffentlichkeitsbeauftragter der Birger-Forell-Sekundarschule bekannt.

Dass der knapp 180 Seiten starke Roman kein Selbstläufer gewesen ist, wird schnell deutlich, wenn man den 54-Jährigen fragt, wie der Schreibprozess vorangegangen sei. „Es gab Punkte, an denen man nicht mehr weiter weiß“, gibt er zu. Es habe schon mal Wochen gedauert, bis es wieder weiterging.

Zuerst aber musste der Plot, die Geschichte, entwickelt werden. Dies nahm ebenfalls ein wenig Zeit in Anspruch. Dabei habe Hass auch viele Tipps von Freunden erhalten. Die erste Rohfassung wurde von Lehrerkollegen lektoriert. Beim Verlag habe man ihm dann noch eine weitere Autorin als Lektorin empfohlen. „Um die Osterzeit war das Buch fertig. Dann ist es in den Druck gegangen.“ Insgesamt wurden erst einmal 100 Stück vom „Marshal“ gedruckt.

Die Geschichte

Doch was erwartet den Leser eigentlich in dem Roman? Bankräuber Webster entführt eine Rancherstochter. Er befindet sich auf der Flucht vor US-Marshal John William und Sheriff Jim Barrett. Zum Ende hin spitzt sich die Jagd zu, und der Marshal muss eine schwere Entscheidung treffen. „Es ist schon eine klassische Geschichte – Gut gegen Böse“, erläutert Hass.

Wer jetzt denkt, so ein Western ist schnell geschrieben, der irrt gewaltig. Die Recherche-Arbeiten von Niko Hass sind umfangreich gewesen. „Wenn man es authentisch machen will, muss man recherchieren“, sagt er. So gebe es zum Beispiel in dem Buch eine Gerichtsverhandlung. Dafür habe er sich über das texanische Strafrecht um 1880 informieren müssen.

Das Internet biete für solche Informationen übrigens ideale Voraussetzungen. „Es ist gut, dass wir das Internet haben. Sonst hätte ich wohl in die Landesbibliothek fahren müssen – oder sogar in die USA“, sagt Hass. Dieser Aufwand war in Zeiten ohne weltweites Netz für einen Schriftsteller völlig normal.

Die Recherche

Auch über die richtige Bekleidung, die Bewaffnung oder die damals verwendeten Sättel informierte sich Hass akribisch. Denn ihm war es wichtig, bis ins Detail genau zu arbeiten. Diese Arbeiten hätten den Unterbau für die Geschichte geschaffen. Selbst Kleinigkeiten, zum Beispiel wann die Sonne im texanischen Sommer aufgeht, wurden genau recherchiert. „Auch das habe ich herausgefunden. Der Sonnenaufgang ist etwa gegen 5.30 Uhr.“

Es versteht sich von selbst, dass Niko Hass auch bei der Beschreibung der Landschaft eine große Sorgfalt an den Tag gelegt hat. „Ich habe versucht, die Landschaft so zu beschreiben, dass man sich gut hineinversetzen kann.“ Er selbst sei zwar schon in den USA gewesen, aber noch nicht in Texas.

Der 54-Jährige ist übrigens nicht einfach so angefangen zu schreiben. Das praktiziert er schon seit 20 Jahren – innerhalb der Lesebühne in Minden. Dort hat er zum Beispiel mehr als 30 Kurzgeschichten verfasst – und zwar nicht nur Western. Über die Lesebühne sei auch der Kontakt zum Verlag entstanden.

Up & Down

Insgesamt hat er seit 2014 am „Marshal“ gearbeitet. „2017/18 habe ich das erste Manuskript verschickt.“ Da wurde ihm jedoch mitgeteilt, dass noch jede Menge Arbeit vor ihm liege. Nach einem Jahr Pause – schließlich ist Hass neben seiner Tätigkeit als Hobby-Autor auch noch hauptberuflich Lehrer – hat er sich „seinen Western“ wieder vorgenommen.

„Es gab Zeiten, in denen die Ideen nur so sprudelten. Und es gab solche, wo gar nichts lief.“ Am Ende aber ist sich Hass sicher, nach dem schreiberischen „Up & Down“ einen „eigenen Stil“ gefunden zu haben.

Beim Fabuloso-Verlag jedenfalls lief er mit seinem Western-Genre offene Türen ein. „Die Verlegerin hat ein natürliches Interesse an dem Genre, weil sie Karl-May-Fan ist“, sagt Hass mit einem verschmitzten Lächeln.

Die Fortsetzung

„Der Marshal“ soll auch nicht der letzte Western von Niko Hass gewesen sein. „Den Plot für die Fortsetzung gibt es schon.“ Der Prolog und die ersten Kapitel seien schon grob skizziert. „Mal schauen, ob ich es bis Ende des kommenden Jahres schaffe, das Buch fertigzustellen.“

Sein Erstlingswerk „Der Marshal“, das die ISBN-Nummer 978-3-945346-84-6 hat, ist bei der Espelkamper Buchhandlung Lienstädt und Schürmann in der Breslauer Straße erhältlich, zudem in der Bücherstube in Lübbecke. Darüber hinaus will Niko Hass auch noch versuchen, eine Buchhandlung in Minden für sein Erstlingswerk zu begeistern.

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