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Fraktion "Die Unabhängigen" macht einen neuen Vorschlag zur Umbenennung

Espelkamper Straßennamen sollen so bleiben, aber...

Espelkamp

Die Dr.-Max-Ilgner Straße ist vielen Espelkampern seit Jahrzehnten ein Dorn im Auge. Kein Wunder - ist die Straße doch nach einem verurteilten Nazi-Verbrecher benannt. Dies soll sich nun ändern, oder auch nicht, wenn es nach den Unabhängigen geht.

Von Felix Quebbemann

Der Name „Dr.-Max-Ilgner-Straße“ ist seit längerem wegen dessen Nazi-Vergangenheit umstritten. Nach einem Bürgerantrag hat die Stadt gleich elf Straßen auf den historischen Prüfstein gestellt. Der Arbeitskreis empfiehlt nun unter anderem die Umbenennung von vier Straßen – auch der Dr.-Max-Ilgner-Straße. Foto: Felix Quebbemann

Stein des Anstoßes zur Überprüfung der Straßennamen ist vor allem die Dr.-Max-Ilgner-Straße. Ilgner hat zwar einen Beitrag zur Aufbau der Stadt Espelkamp geleistet. Doch vor allem ist er ein verurteilter Nazi-Verbrecher, der in den Nürnberger Prozessen angeklagt und schuldig gesprochen wurde - wegen Plünderung und Raub.

Der Rat der Stadt Espelkamp hat sich in seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien eingehend mit dem Thema beschäftigt und sich dabei mit den Empfehlungen des Arbeitskreises auseinandergesetzt. Dieser empfiehlt vor allem für die Dr.-Max-Ilgner-Straße eine "komplette Umbenennung".

Peter Duerr, Fraktion Die Unabhängigen Foto: Felix Quebbemann

Die Unabhängigen aber würden einen anderen Weg gehen. Dies machten Vertreter der Fraktion bei einem Treffen im Rathaus deutlich. Paul-Gerhard Seidel, Vorsitzender der Unabhängigen, erklärte dazu: "Unsere Auffassung ist es, die Namen nicht umzubenennen. Man kann Geschichte nicht dadurch streichen, indem man die Namen verschwinden lässt." Seidel machte den Vorschlag. aus strittigen Straßennamen vielmehr "Stolpersteine" zu machen. Das Geld, das nötig wäre, um die Änderungen vorzunehmen - zum Beispiel zur Änderungen der Adressen auf Briefköpfen der dort ansässigen Firmen oder für den Patentschutz - solle "lieber genommen werden, um die Geschichte aufzuarbeiten", sagte Seidel.

"Gut und fundiert"

Sein Fraktionskollege Peter Dürr ergänzte, dass diese Idee "gut und fundiert" sei. Eine Aufarbeitung müsse transparent sein und die Zusammenhänge sowie die Rolle der jeweiligen Person deutlich machen. Eine Streichung hält auch er für nicht richtig. Darüber hinaus fügte Dürr an, dass die Ehrung einer Person über Straßennamen oder Plätze in einer Stadt "nicht mehr angebracht ist". Mit den Unabhängigen jedenfalls sei es künftig nicht mehr zu machen, Straßenzüge nach Personen zu benennen. Für eine Aufarbeitung sieht Dürr zudem die Chance, "enorme Mittel zu akquirieren". Die seien auch notwendig, um eben Projekte zur Aufklärung finanzieren zu können. Dürr kann sich vorstellen, mit QR-Codes an diskussionswürdigen Straßenzügen zu informieren. Darüber hinaus solle das Geld auch für Initiativen an den Espelkamper Schulen gesammelt werden. Es müsse geschaut werden, dass der Lehrplan in den Schulen eine Aufarbeitung vorsehe. Dies gelinge auch in anderen Städten der Welt - wie zum Beispiel in Wien, sagte Dürr. Dort sprachen sich die Verantwortlichen auch für mehr Kontext an problematischen Straßennamen aus.

Weiterer Ansatzpunkt

Einen weiteren Ansatzpunkt brachte Bernd Selig vor. Er nämlich machte den Vorschlag, auch einmal zu schauen, was denn die damals handelnden Ratsmitglieder in Espelkamp überhaupt dazu bewogen habe, die Straßen nach Leuten wie Dr. Max Ilgner zu benennen. "Sie haben sich dazu ja auch Gedanken gemacht", sagte Selig und sprach sich auch in diesem Bereich für eine Recherche aus.

Kontakt zu den Bürgern

Die Beschäftigung der Ratsfraktionen mit der Thematik Straßennamen wird auch in der Verwaltung sehr genau verfolgt. Stadtpressesprecher Torsten Siemon erklärte im Gespräch mit dieser Zeitung, es sei ja durchaus das Ziel gewesen, dass sich die Parteien in der Sommerpause mit der Thematik beschäftigen und auch den Kontakt zu den Bürgern suchen. Die CDU zum Beispiel verteilt derzeit Flyer zu den Straßennamen, um ein möglichst breites Meinungsbild aus der Bevölkerung zu erhalten. Denn in der zweiten Jahreshälfte will sich die Politik abschließend mit dem Thema beschäftigen. Siemon übrigens hofft auch, dass sich viele Bürger die Expertisen des Arbeitskreises Straßennamen auf der Stadt-Homepage durchlesen und so auch den Grund für die Diskussion um die Umbenennung von einigen Straßen in Espelkamp erfahren. Direkte Anfragen zum Thema übrigens habe er jedoch bislang keine verzeichnen können.

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