1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Espelkamp
  6. >
  7. „Ideologische Grabenkämpfe“

  8. >

Die SPD kann sich eine zusätzliche Gesamtschule in Espelkamp vorstellen

„Ideologische Grabenkämpfe“

Espelkamp (WB). „Bildung ist Sache des Staates.“ Mit diesem Satz hat Fabian Golanowski, Espelkamper SPD-Politiker, bei der Vorstellung des SPD-Programms zur Kommunalwahl einen der Schwerpunkte der Partei deutlich gemacht. Nämlich die Gründung einer zusätzlichen Gesamtschule in der Stadt.

Felix Quebbemann

Fabian Golanowski (vorne, von links), Annegret Michalowitz, Reinhard Bösch (SPD-Fraktionsvorsitzender) und Christian Schmitt haben sich über die Zukunft der weiterführenden Schulen unterhalten und ein Modell für eine Gesamtschule präsentiert. Foto: Quebbemann

Golanowski machte zunächst deutlich, dass er gar nichts an der Trägerschaft der Evangelischen Kirche bei Söderblom-Gymnasium und Birger-Forell-Sekundarschule auszusetzen habe. Es gehe ihm jetzt nicht darum zu sagen, „das was der Träger macht ist nicht gut“. Es gebe aber eben in Espelkamp nicht die Wahlmöglichkeit zwischen weiterführenden Schulen in staatlicher Trägerschaft und Bildungseinrichtungen unter „privaten Ersatzträgern“, wie Golanowski es formulierte.

Das Schulsystem

Im Gespräch mit seinen Parteikollegen Reinhard Bösch, Christian Schmitt und Annegret Michalowitz verdeutlichte Golanowski, dass durch das Angebot der privaten Schulen viele Schüler in die Nachbarkommunen abwandern würden. Daher setze sich die SPD Espelkamp dafür ein, zusätzlich zum bestehenden Schulsystem noch eine weiterführende Schule in öffentlicher Hand zu installieren.

Die Sozialdemokraten nämlich gehen davon aus, dass eine solche Einrichtung – die SPD präferiert das Modell der Gesamtschule – nicht nur die Espelkamper Schüler in die Stadt zurückholen könne, die derzeit zum Beispiel in den Nachbarkommunen Preußisch Oldendorf oder Hille unterrichtet werden. Eine solche Bildungseinrichtung sei auch für weitere Schüler aus den Nachbarkommunen interessant.

Reinhard Bösch erinnerte sich gut daran, wie vor 32 Jahren die Gründung einer öffentlichen Gesamtschule im Stadtrat Espelkamp „mit einer Stimme gescheitert“ sei. In Hille sei daher damals die Gründung der Gesamtschule vorangetrieben worden.

Der heutige Blick zeige zudem, dass die Zahl der Kirchenmitglieder weiter nach unten gehe. Daher würden sich viele Eltern dafür entscheiden, ihre Kinder in eine konfessionslose Schule zu schicken – also nach Hille, Preußisch Oldendorf oder Lübbecke, so Bösch.

Sorgen, dass eine zusätzliche Schule zu wenig Schüler anlocken könnte, teilte Golanowski nicht. „Die Schüler kommen. Sie würden aus den umliegenden Gemeinden wieder zurückkommen.“ Gerade in Hille würden viele Espelkamper beschult, die mit einer weiterführenden Schule in öffentlicher Hand wieder in ihre Heimatstadt zurückgeholt werden könnten.

Vielfalt

In Gesprächen mit den Bürgern hätten die SPD-Politiker erfahren, dass es viele Einwohner in Espelkamp gebe, die Interesse an einer Bildungseinrichtung in öffentlicher Trägerschaft hätten.

Für eine Gesamtschule aber werde natürlich auch ein Ort für das Gebäude benötigt. Neben dem evangelischen Schulzentrum, der freikirchlichen Johannes-Daniel-Falk-Schule sollen nach den Vorstellungen der SPD mit einer eventuellen Gesamtschule vier weiterführende Schulen in Espelkamp existieren können.

Golanowski betonte, dass es den Sozialdemokraten nicht darum gehe, andere Schule zu verdrängen. „Es geht uns um eine öffentliche Gesamtschule.“ Bösch ergänzte, dass es um die Vielfalt des Schulsystem gehe und dieses attraktiv gestaltet werden solle. „Es kann nicht sein, dass wir hier keine Wahl haben.“ Bösch sprach in diesem Zusammenhang auch von „ideologischen Grabenkämpfen“.

Parteikollege Christian Schmitt riet dazu, eine Umfrage bei den Eltern und den Kindern der dritten Grundschulklassen zu initiieren, um gezielt zu erfahren, wie deren Standpunkt sei.

Eine andere Option wurde ebenfalls angesprochen: nämlich die Übernahme einer der Schulen aus dem evangelischen Schulzentrum. „Die Kirche (der jetzige Schulträger, Anm. d. Red.) tickt genauso wie andere auch. Wenn es finanziell eng wird, werfen sie einiges über Bord“, sagte Bösch. Golanowski sagte, dass man sich die Übernahme einer der Bildungseinrichtungen im evangelischen Schulsystem vorstellen könne. „Alles ist denkbar.“

Vorteil

Einen weiteren Vorteil sehen die SPD-Politiker bei der öffentlichen Gesamtschule im Austausch der Schüler untereinander. Dieser sei sehr viel reger als in konfessionellen Schulen. Gerade für eine Stadt wie Espelkamp sei der rege Austausch zwischen den Schülern sehr wichtig.

Startseite