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Musikhaus Lohmeier schließt seine Pforten – Räumungsverkauf ab Oktober

Internet-Konkurrenz ist zu groß

Espelkamp-Gestringen (WB). Paul Bolsenbroek ist wohl jedem Musiker in der Gegend bekannt. So manche Gitarre ist schon bei Paul im Musikhaus Lohmeier in Gestringen »zu Gast« gewesen – ob zur Reparatur oder zum Einstellen.

Felix Quebbemann

Paul Bolsenbroek betreibt seit 34 Jahren das Musikhaus Lohmeier. Nun aber sei es an der Zeit, den Laden zu schließen, sagt der 68-Jährige. Viele Kunden würden nur noch im Internet kaufen. Das Offenhalten lohne sich nicht mehr. Foto: Felix Quebbemann

»Es hat keinen Zweck mehr«

Tasteninstrumente aller Couleur, natürlich Drums aller Art, Cajons und vieles mehr durchliefen die Hände des 68-jährigen musikbegeisterten Gestringers.

Doch nun, nach 34 Jahren wird Paul das Musikhaus an der Gestringer Straße 38 schließen. Das bedeutet, dass keine Neu-Instrumente mehr verkauft werden. »Es lohnt sich nicht mehr, für die ein bis zwei Kunden täglich die Tür aufzuhalten«, sagt Bolsenbroek, der mit Ehefrau Inge bereits seit 1976 in Gestringen wohnt.

Die Konkurrenz aus dem Internet sei einfach zu groß geworden, sagt Bolsenbroek weiter. Viele Musiker würden im Internet bestellen. Bei Nicht-Gefallen würden sie das Instrumente einfach wieder zurückschicken. »Es hat keinen Zweck mehr«, fügt der Rentner an. Und da müsse man dann auch realistisch sein.

Beste Qualität

Zudem bekomme er seit einiger Zeit keine Instrumente mehr von den großen Unternehmen – wie zum Beispiel Gibson und Fender im Gitarrenbereich. Die würden in ihren Verträgen einfach zu hohe Einstiegsforderungen für einen kleinen Laden stellen, so Bolsenbroek. Diese Forderungen könnten meistens nur die Großhändler erfüllen.

Dennoch zeichnet sich das Angebot von Paul seit Jahrzehnten durch beste Qualität aus. Zahlreiche Musiker sind in Gestringen schon fündig geworden auf der Suche nach »dem Instrument«.

Die Anfänge

1976 wagte der gebürtige Amsterdamer Paul Bolsenbroek den Schritt nach Gestringen. In der Werkstatt bei Lohmeiers arbeitete er mit Schwiegervater Karl zusammen. Er reparierte Fahrräder, Mofas oder Rasenmäher. Die Tankstelle des Betriebes, der seit 1936 an der gleichen Stelle steht, war bei Paul und Inge bestens aufgehoben.

Dem 68-Jährigen aber juckte es in den Fingern. Schließlich war er in Holland Berufsmusiker. Und auch in Gestringen sollte die Musik im Zentrum seines Interesses stehen. 1984 schließlich eröffneten Inge und Paul das Musikhaus. Dort konnten nicht nur Instrumente gekauft werden. »Wir hatten auch ein Tonstudio«, so der 68-Jährige. So mancher Song wurde für die Ewigkeit festgehalten. Es gibt bis heute im Musikhaus Musik-Unterricht, unter anderem für Drummer.

Eine Ära geht zuende

Mit der Schließung des Musikhauses wird eine Ära zuende gehen. Neue Instrumente werden nicht mehr verkauft. Aber ganz wird Paul die Finger nicht von den Instrumenten lassen. Wenn eine Reparatur notwendig ist, dann ist Paul immer noch gerne zur Stelle.

»Kleinkram« wie Drum-Sticks und Gitarrensaiten wird Paul noch vorrätig haben. Offiziell geöffnet hat das Geschäft aber nicht mehr. Und ein Stück weit freut sich Paul auch darauf, nach der Schließung »mit Inge auf der Terrasse in Ruhe eine Tasse Kaffee zu trinken«. Zudem hat er mehr Zeit für sein zweites großes Hobby – die Modelleisenbahn.

Ausverkauf ab Oktober

Musikunterricht wird es weiter in den Räumen des Musikhauses geben. Der Musik wird Paul sowieso treu bleiben. Schließlich spielt er seit Jahren in der Cover-Band Flashback. Mit Wehmut denkt Paul an die »guten, alten Zeiten« zurück, »als das Studio im Haus immer gut gebucht war«.

Ab Oktober werde er nun einen Ausverkauf mit tollen Angeboten starten. So manches Instrument wird dann ein neues Zuhause finden. Und wer noch nicht genau weiß, welches Musikinstrument für ihn das Richtige ist, kann sich vertrauensvoll an Paul wenden. Eine Beratung von einem aktiven Musiker mit mehr als 60 Jahren Erfahrung im Business erhält man nämlich nicht im Internet – aber im Musikhaus Lohmeier.

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