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Stadtentwicklungsausschuss diskutiert über Neubau der Rundturnhalle in Espelkamp

Ist die Sanierung »Schnee von gestern«?

Espelkamp (WB). Sanierung oder Neubau – mit dieser Frage zur Rundturnhalle haben sich die Politiker in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses beschäftigt.

Felix Quebbemann

Die Rundturnhalle ist eines der Wahrzeichen der Stadt Espelkamp. Das Gebäude muss jedoch wegen PCB-Belastung saniert werden. Nun fassen Politik und Verwaltung auch einen kompletten Neubau der Halle ins Auge. Foto:

Kosten des Neubaus

Thorsten Blauert, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, stellte die Möglichkeiten und Kosten eines Neubaus vor. Dafür hätten sich die Verwaltungsexperten in der näheren Umgebung wie auch in Dortmund umgesehen.

Blauert erklärte, dass in Oberlübbe und in Nordhemmern ebenfalls Rundturnhallen stehen würde, die jedoch nur zwei Felder hätten. Umgerechnet auf eine Dreifeldhalle für Espelkamp würden die Kosten etwa vier Millionen Euro betragen.

PCB im Gebäude

In Dortmund stehe eine Dreifach-Halle, die mit 5,5 Millionen Euro zu Buche schlage. »Dort gibt es aber einen hohen Standard, unter anderem mit ausfahrbaren Tribünen«, so Blauert.

Derzeit besteht ein Beschluss, dass die Espelkamper Halle saniert werden soll. Die Sanierung ist aufgrund einer PCB-Belastung notwendig. PCB steht im Verdacht, krebserregend zu sein (wir berichteten ausführlich).

Fördermittel

Seit Mai 2018, so Blauert weiter, wären der Stadt Fördermittel für die Sanierung in Höhe von 500.000 Euro in Aussicht gestellt worden. Doch die explodierenden Kosten für den Brandschutz bei der Sanierung der Waldschule haben Politik und Verwaltung dazu veranlasst, auch einen Neubau der Rundturnhalle ins Auge zu fassen.

Blauert erläuterte zwar in der Sitzung, dass das Brandschutzkonzept der Rundturnhalle Mängel aufzeige. Dafür gebe es aber Lösungen – so zum Beispiel einen Treppenturm als zweiter Rettungsweg an der Außenwand.

Parkplätze

Wenn es zu einem Neubau komme, müsse die Situation mit den Parkplätzen überdacht werden. Derzeit gebe es zu wenige, so Blauert. Auch ein Sicherheitskoordinator müsse eingesetzt werden. Vom Abriss bis zum Neubau kalkuliert Blauert mit sechs bis sieben Millionen Euro.

Nach den Ausführungen erklärte der Ausschuss-Vorsitzende Wilfried Windhorst (CDU), dass die Politiker sich »in den Fraktionen entscheidend darüber unterhalten müssen. Wir müssen in uns gehen.«

»Nicht der Knaller«

Paul-Gerhard Seidel (Unabhängige) sagte: »Ein Turm vor der Turnhalle ist nicht gerade der Knaller.« Die Rundturnhalle sei ja ein stadtbildprägendes Gebäude. Davon, so Bürgermeister Heinrich Vieker, müsse man sich aber wohl bei einer Sanierung verabschieden. Er machte aber auch darauf aufmerksam, dass es für einen Neubau entscheidend sei, wie viel Fördermittel die Stadt bekomme.

André Stargardt (SPD) sah es ähnlich wie Wilfried Windhorst. »Es gibt noch erheblichen Beratungsbedarf.« Er riet sogar zu einer »tiefgreifenden Bestandsaufnahme aller Sportstätten in der Stadt« um die Auslastung der verschiedenen Gebäude zu analysieren. »Wir sollten mit Bedacht an das Thema gehen.«

Fördermöglichkeiten

Thorsten Blauert erläuterte, dass eine 80-prozentige Förderung eines Neubaus möglich sei. Aber er setzte auch ein klares Ultimatum für eine Entscheidung. »Bis zum 4. September müssen wir uns entschieden haben, ob wir die Gelder für die Sanierung nehmen oder nicht.« Ansonsten verfallen die Mittel.

Unter Druck, so Stargardt weiter, wolle man sich seitens der Politik nicht setzen lassen. »Wir brauchen ein nachhaltiges Konzept mit einem nachhaltigen Plan.« Auch Seidel hielt den 4. September für »unmöglich«. Es müssten schließlich alle Fördertöpfe geprüft werden. »Bevor da nicht ein bisschen Fleisch dran ist, kann man so etwas nicht entscheiden.« Seidel stellte zudem die Frage, ob eine Verlängerung der Frist möglich sei.

Unwägbarkeiten

Bürgermeister Vieker erinnerte daran, dass in der Vergangenheit der Beschluss zur Sanierung gefasst worden sei. »Bis zu den Sommerferien müssen wir schauen, ob wir die Mittel nehmen oder nicht und entscheiden, ob die Sanierung ›Schnee von gestern‹ ist.« August-Wilhelm Schmale (CDU) erklärte, dass es bei einer Sanierung immer Unwägbarkeiten gebe. »Alle haben ein Interesse daran, die Sache so schnell wie möglich zu klären.«

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