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Frank Engelhardt zieht nüchternes Fazit zur Jugendarbeit in Corona-Zeiten

„Kalt erwischt“

Espelkamp (WB). „Der Shutdown hat uns kalt erwischt.“ Dieses Statement von Stadtjugendpfleger Frank Engelhardt machte während des Sitzung des Generationenausschusses im Bürgerhaus deutlich, dass die Corona-Krise weitreichende Auswirkungen auf die Kinder- und Jugendarbeit in Espelkamp hat. So mussten unter anderem anderem die Aktionswoche „Bunt statt schwarz-weiß“ (BSSW) und die Osterferienspiele abgesagt werden. „Für die BSSW war alles fertig“, resümierte Engelhardt etwas niedergeschlagen. „Alles kam zum Stillstand.“

Felix Quebbemann

Frank Engelhardt, Stadtjugendpfleger in Espelkamp, hat ein nüchternes Fazit zur Jugendarbeit in der Stadt Espelkamp während der Corona-Krise gezogen. Foto:

Einzelfallhilfen

Es gebe zwar Einzelfallhilfen und Beratungen per Telefon und E-Mail. Die Internet-Angebote im Bereich „Kinder und Jugendliche“ jedoch waren spärlich. Es habe den Versuch gegeben, interaktive Angebote auf der städtischen Homepage anzubieten. „Aber wir haben feststellen müssen, dass wir im Internet nicht gut vorbereitet waren.“ Das Nachbarschaftszentrum (NBZ) habe Kontakt zu den Stammbesuchern über Anschreiben gehalten. „Zu Ostern wurden Tüten direkt vor die Türen gelegt“, sagte der Stadtjugendpfleger. Zudem nannte er die Regenbogenaktion, an der sich das NBZ beteiligt hat (wir berichteten). Wichtig sei es gewesen, dass die Jugendpflege den Eltern in der Corona-Zeit Tipps geben konnte.

Engelhardt bedauerte, dass es derzeit keine Sitzungen des Jugendbeirates gebe. Am Tag, als die Corona-Beschränkungen in Kraft getreten seien, habe es den Jugendbeirat „eine Viertelstunde vor der Sitzung erwischt“, sagte Engelhardt. Die Arbeit sei zum Erliegen gekommen und die AGs hätten sich nicht mehr getroffen.

„Nicht gut aufgestellt“

Engelhardt selbst zog ein nüchternes Fazit, was die Jugendarbeit in Espelkamp anbetrifft, wenn man diese nur über das Internet führen kann. „Wir müssen feststellen, dass wir mit den Strukturen und den technischen Voraussetzungen nicht gut aufgestellt sind.“ Dies solle aber in Zukunft deutlich besser werden. „Wir haben uns den Rat von Experten eingeholt, um künftig besser aufgestellt zu sein.“

Engelhardt warnte davor, ein Jugend-Internetangebot bereitzustellen, das nicht nachgefragt wird. „Wir müssen darauf achten, dass die Beiträge Sinn machen. Wir wollen jetzt auch nicht blinden Aktionismus walten lassen.“

Die Jugendarbeit soll nun nach den ersten Lockerungen wieder hochgefahren werden. „Einrichtungen sollen möglichst schnell aber mit der gebotenen Vorsicht wieder öffnen.“ Engelhardt kündigte an, dass dies schrittweise gemacht werde. „Es gibt keine sofortige Vollöffnung.“

Probleme sieht der Jugendpfleger bei der Planung der Sommerferienspiele. Das Programm müsse schließlich entwickelt werden. Aufgrund der nun vorangetriebenen Lockerungen durch Bund und Länder blickt Engelhardt der Herausforderung einerseits jedoch etwas gelassener entgegen. Es seien nun sogar Freizeitfahrten möglich. „Da müssen wir aber schauen, wie wir es machen.“

Flexibilität

Andererseits aber könnten einige Angebote der Vorjahre in der bekannten Form 2020 wohl nicht stattfinden. Diese müssten entweder abgesagt oder geändert werden, erläuterte Engelhardt.

Beide Seiten, sowohl die Stadt als Anbieter wie auch die teilnehmenden Schüler, müssten flexibel sein. Bei den Sportangeboten müsse man unter Vorbehalt planen. Mit Blick auf die Absage aller Großveranstaltungen bis 31. August sagte Engelhardt: „Wer weiß, was im August ist.“

Neu ist in diesem Jahr, dass es erstmals keine gedruckte Ausgabe des Sommerferienspielprogramms geben wird. Anmelden könnten sich Interessierte online über das Portal der Stadt.

Versäumnis

Florian Craig (Grüne) erklärte nach den Ausführungen, dass gerade in der Corona-Zeit der Rassismus gegen Asiaten zugenommen habe. „Daher ist es sehr schade, dass die BSSW nicht stattfinden konnte.“

Durch die vielen Vorgaben sei der Kontakt der Kinder untereinander zurückgegangen. „Gewalt in Familien aber hat zugenommen.“ Craig sah in diesem Bereich ein Versäumnis der handelnden Bundes- und Landesregierung. Er bezeichnete die getroffenen Maßnahmen in den Bereichen Kinder, Jugendliche und Mütter als „eher schwach“. Gut sei die Idee, eine Plattform für Kinder und Jugendliche auf der Homepage der Stadt Espelkamp anzubieten. Es gebe dort ein riesiges Themenfeld zu bearbeiten. Und Craig betonte, dass der Kontakt unter Jugendlichen und Kindern „sehr wichtig ist“.

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