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Gericht spricht 39-jährigen Rahdener frei, ordnet aber Unterbringung an

Messerstecher muss in Entzugsklinik

Rahden (WB)

Versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung lauteten die Vorwürfe, wegen denen sich ein 39-jähriger Rahdener vor dem Schwurgericht Bielefeld verantworten musste.

wn

Am Dienstag fällte die Kammer nach den Plädoyers von Verteidigung und Staatsanwaltschaft ihr Urteil. Der Angeklagte wurde vom Vorwurf des versuchten Mordes freigesprochen. Er habe die Tötungsabsicht im Zuge des Streites nicht weiter verfolgt, erachtete das Gericht nach der Zeugenvernehmung.

Zum Hintergrund der Tat: Am Abend des 31. Juli 2020 soll der Rahdener mit einem weiteren Bekannten einen Freund in dessen Wohnung in Rahden besucht haben. Zunächst habe man ein geselliges Treffen verbracht, bis der Angeklagte im Laufe der Stunden ohne erkennbaren Grund ein Brotmesser aus der Küche geholt und mit diesem die Freunde attackiert haben soll.

Laut Anklage habe er dabei mit der langen Klinge des Messers in das Gesicht des einen Freundes gestochen, bevor er mit demselben Messer zwei Mal in den Nacken des anderen stach.

Während sich der Gastgeber mit blutender Wunde auf den Balkon rettete, soll es dem anderen verletzten Freund gelungen sein, dem Angreifer in einer Rangelei das Messer abzunehmen.

Laut Anklage und Zeugenaussage soll der mutmaßliche Täter erneut ein Messer aus der Küche ergriffen, weitere Gewalttaten aber unterlassen haben.

Danach soll der Angeklagte – mit dem Messer bewaffnet – zu seiner Wohnanschrift nach Rahden geflohen sein und bei seinem Nachbarn geklingelt haben. Nachdem dieser ihm den Zutritt verweigerte, habe der Angeklagte seinen Nachbarn bespuckt und mit dem Messer zwei Mal vergeblich in Richtung dessen Bauches gezielt.

Dem Gericht erschloss sich im Zuge der Verhandlung kein Motiv für die Tat beziehungsweise das aggressive Verhalten des Rahdeners. Doch wurde immer wieder nach dem Drogenkonsum des Mannes gefragt.

Letztlich kam die Kammer nach Gutachten zum Schluss, dass die Drogensucht des Mannes zu einer Psychose geführt hatte, die ihn zu den Taten getrieben haben mag.

So wandelte der Richter die eigentlich anstehende Strafe für die begangene gefährliche Körperverletzung in eine so genannte „Unterbringungsanordnung“ um. Der Verteidiger hatte für die Einweisung in eine Entzugseinrichtung plädiert, um zunächst das Sucht-Problem in den Griff zu bekommen, wo hingegen die Staatsanwaltschaft für die Einweisung in die Psychiatrie plädierte.

Der Richter entschied, dass der Rahdener zunächst den Entzug absolvieren müsse. Danach müsse entschieden werden, ob sich die Psychose/Schizophrenie, die der Gutachter diagnostizierte, gebessert habe. Notfalls stehe dann noch die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an.

Das zweite Verfahren wegen Körperverletzung gegen den Nachbarn wurde vom Gericht eingestellt.

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