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Mennoniten-Gemeinde Espelkamp veranstaltet wieder Präsenzgottesdienste – Schreiben an die Mitbürger

Mit Gottes und der Behörden Segen

Espelkamp – WB/aha

Das Thema Präsenzgottesdienst hat in Espelkamp – und nicht nur hier – für Diskussionen gesorgt. Viele Menschen reagierten mit Unverständnis darauf, dass einige Gemeinden früher als andere Kirchen und Gemeindehäuser für die Teilnahme an Gottesdiensten geöffnet haben.

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Seit es wieder zulässig ist, bietet die Mennoniten-Gemeinde Espelkamp in ihrem Gemeindezentrum in der John-Gingerich-Straße wieder Präsenzgottesdienste an. Die Teilnehmerzahlen sind überschaubar, die Video-Livestreams werden weiter gern genutzt. Foto:

Pastor Wilfried Jotter und der Vorsitzende Niko Wiebe der Mennoniten-Gemeinde Espelkamp in der John-Gingerich-Straße, haben dem WESTFALEN-BLATT einen Brief an die Espelkamper Mitbürgerinnen und Mitbürger gesandt. Damit wollen sie die Haltung ihrer Gemeinde darlegen.

Sie schreiben: „Wir, der Leitungskreis der Mennoniten-Gemeinde Espelkamp, nehmen die Bedrohung unserer Gesundheit und unseres Lebens durch das Corona-Virus ernst. Wir wollen andere und uns selbst vor einer möglichen Erkrankung schützen. Wir sind dankbar für den Einsatz unserer Bundes- und Landesregierung sowie unserer regionalen und lokalen Behörden zum Schutz unserer Gesundheit.“ Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte Pastor Jotter, dass seine Gemeinde bereits seit dem 31. Januar wieder Präsenzgottesdienst angeboten habe.

Die Gemeinde sei dabei keinesfalls leichtsinnig, sondern behalte die Entwicklung der Infektionszahlen und die Entwicklung des Pandemiegeschehens im Blick und wolle „weiterhin angemessen damit umgehen, um gegebenenfalls umgehend reagieren zu können“. „Wenn es erforderlich werden sollte, würden wir selbstverständliche auch wieder weitergehende Beschränkungen einführen“, sagt Wilfried Jotter und erinnert an die Situation, als die Wocheninzidenzwerte im Dezember extrem hoch waren.

Pastor Wilfried Jotter

Im Schreiben erläuterten Jotter und Wiebe: „In enger Kooperation mit unserem Ordnungsamt haben wir ein strenges Schutzkonzept für unsere Gottesdienste entwickelt.“ Eine wichtige Säule dieses Konzeptes sei der Livestream der Gottesdienste. Dieser wird, wie Jotter im Gespräch deutlich macht, sehr gut angenommen und auch weiterhin parallel angeboten. „Es ist auch so, dass die Gemeindemitglieder das Angebot dankbar annehmen.“ Auch die Klickzahlen bestätigten, dass die Live-Streams sehr gut angenommen würden.

Zurzeit seien die Besucherzahlen in den Präsenzgottesdiensten dagegen noch überschaubar, sagt Jotter dieser Zeitung. „In dem großen Saal der Gemeinde haben normalerweise 500 Personen Platz. Zuletzt waren zum Gottesdienst etwa 60 Besucher dort. Da fühlen wir uns recht sicher.“ Während des kompletten Lockdown seien für die Produktion der Live-Streams nur drei Personen im ganzen Saal gewesen.

Das Schutzkonzept der Gemeinde beschreiben Jotter und Wiebe in ihrem Brief ausführlich: „Wer im Gemeindezentrum am Gottesdienst teilnimmt, hält sich strikt an unser Schutzkonzept. Wir verzichten auf gemeinsamen Gesang. Die medizinische Schutzmaske ist während des gesamten Aufenthalts zu tragen. Auch auf den Sitzplätzen besteht in alle Richtungen ein Abstand von 1,50 Metern.“ Es werde ein Sitzplan aller Gottesdienstbesucher erstellt, wobei lediglich Personen aus demselben Haushalt beieinandersitzen dürften. Der Plan werde samt den Personendaten aller Anwesenden unter Beachtung der Datenschutzbestimmungen den Behörden zur Verfügung gestellt. Konsequent angewandt würden auch Desinfektionsmaßnahmen. Darüber hinaus werde die Abluft im Saal durch die Lüftungsanlage nach oben über Deckenöffnungen abgeleitet. „Wir halten es aus aktueller Sicht für verantwortbar, unter Anwendung dieses effektiven Schutzkonzeptes wieder öffentliche Gottesdienste zu veranstalten“, lautet ihr Fazit.

Als einen Grund, warum sich die Gemeinde an die Mitbürger wendet, sagt Wilfried Jotter: „Was uns bewegt, ist die Dankbarkeit gegenüber Gott, aber auch die Wertschätzung gegenüber den Behörden, die das möglich machen.“ Denn es sei alles in gutem Einvernehmen mit den Behörden geplant worden. Auf die Frage, ob es Unverständnis oder gar Anfeindungen wegen der Präsenzgottesdienste gegeben habe, sagt Jotter: „Es gibt auch Menschen, die sehen, dass Autos auf unserem Parkplatz und dafür wenig Verständnis haben.“ Es gebe unterschiedliche Strömungen und Ansichten zu den Corona-Maßnahmen, auch in den Gemeinden. Doch für ihn steht fest: „Wir sind nicht leichtsinnig oder verantwortungslos. Wir haben nichts zu verbergen.“ Es gehe ihm um den „Frieden in der Stadt“.

In ihrem Schreiben formulieren es Jotter und Wiebe so: „Wir erbitten von Gott seinen Segen und seinen Frieden für unsere Stadt. Jesus Christus ist unser Friede! Er will uns nahe sein. Wir danken ihm, dass er uns auch in dieser schweren Zeit Hoffnung und Zuversicht gibt.“ Das Vertrauen in Gott bedeute nicht, leichtfertig zu sein, sagt Jotter im Gespräch. „Soweit es in unserer Hand liegt, ist verantwortungsvoller Umgang mit der Situation wichtig.“

Und in der angespannten Situation der Pandemie zieht die Gemeinde Kraft aus dem Glauben. Sie schreibt: „Niemand muss verzweifeln, wenn er sein Vertrauen auf Gott setzt. Das erleben wir. Wir sind herausgefordert durch Unsicherheit und Kontrollverlust. Es wird uns neu bewusst, wie sehr wir von Gott abhängig und auf ihn angewiesen sind.“

Auf Nachfrage erklärt Jotter, dass die Mennoniten-Gemeinde die Entscheidung, wieder Präsenzgottesdienste anzubieten, im eigenen Leitungskreis nach intensiver Beratung gefällt worden sei. „Seit März 2020 sind diese Dinge ein ständiges Thema für uns“, sagt der Pastor. „Aber wir sind eben auch – zum Beispiel mit Blick auf die Corona-Mutationen – kurzfristig in der Lage, die Präsenzgottesdienste wieder einzustellen und die Gemeinde entsprechend zu informieren.“

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