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CDU Espelkamp veranstaltet Diskussionsrunde mit NRW-Verkehrsminister

„Mobilität ist die Zukunftsfrage“

Espelkamp (WB). Die Mobilität liegt dem Espelkamper CDU-Bürgermeisterkandidaten Henning Vieker nach eigenem Bekunden besonders am Herzen. „Früher wurde ich oft belächelt, wenn ich mich für das Thema in unserer Region eingesetzt habe. Jetzt wird mir zugehört“, sagte Vieker als er einen besonders prominenten Zuhörer im Jugendcafé Real Life in Espelkamp begrüßen konnte: den NRW Verkehrsminister Hendrik Wüst. Dieser hatte zuvor den neuen Omnibusbahnhof in Stemwede eingeweiht (wir berichteten).

Arndt Hoppe

Fragerunde zum Thema Mobilität mit NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (3. von links) in Espelkamp CDU Espelkamp zum Thema Mobilität. Mit dabei (von links) Landratskandidatin Anna Bölling, Reinhard Rödenbeck (Seniorenbeirat), Henning Vieker, Hans-Jörg Schmidt (Aufbau), Peter Snethlage (Bürgerbusverein) und Narjis Lehna (Kinder- und Jugendbeirat). Foto: Arndt Hoppe

Henning Vieker hatte Wüst eingeladen, sich in einer kleinen Podiumsrunde mit etwa 30 Zuhörern den Fragen ausgesuchter Akteure zu stellen, die sich in der Stadt intensiv mit dem Thema Mobilität befassen. dazu gehörten Reinhard Rödenbeck vom Seniorenbeirat, Narjis Lehna vom Kinder- und Jugendbeirat, Hans-Jörg Schmidt, Geschäftsführer der Aufbaugemeinschaft, und Peter Sneth­lage vom Bürgerbusverein. Zu Gast war außerdem die CDU- Landratskandidatin Anna Bölling.

Kernziel Schnellbusse

„Mobilität ist die Zukunftsfrage“, erklärte Henning Vieker einleitend: „Wir werden das Auto nicht abschaffen – nicht in nächster Zeit.“ Aber auch im ländlichen Raum sei es wichtig an der Mobilität in jeder Form zu arbeiten: Auto, Busse, Bahnen, Rad und Fußgängerverkehr. Sein Ziel sei es, Mobilität in jedes Dorf Espelkamps zu bringen. „Die Kritik am Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sei bekannt: zu teuer, zu kompliziert und zu unflexibel. Doch im Bereich von Jobtickets und Schülertickets bewege sich einiges. Als ein Kernziel der CDU im Kreis nannte Vieker die Einführung von Schnellbussen. „Ich möchte, dass wir möglichst bald schnelle öffentliche Verkehrsverbindungen nach Osten und Westen haben.“ Die von anderen Parteien präferierte Bahnstrecke zwischen Minden und Lübbecke sei so schnell nicht umzusetzen.

Auf den ländlichen Raum im Allgemeinen bezogen sagte Minister Wüst, der selbst aus dem ländlichen Münsterland kommt: „Es ist wichtig, dass die Leute wegkommen, damit sie bleiben.“ Speziell für Studierende, Auszubildende oder junge Familien gelte tendenziell, wer mehr als eine Stunde zum Arbeits- oder Studienort unterwegs sei, der werde auf Dauer nicht aufs Land zurückkehren. Insofern sei die Lösung „Schnellbus“ aus seiner Sicht ein „No-Brainer“, also etwas, dem man ohne viel Überlegen zustimmen könne. „Aber ein Schnellbus kann eben nicht in jedem Ort halten, dann ist er kein Schnellbus mehr.“ Als weitere Mobilitätselemente nannte er neue Technologie, vernetzte Bürgerbusse, Car- und Rad-Sharing und gute Infrastruktur für den Zubringerverkehr zu (Bus-)Bahnhöfen mit Fahrradstellplätzen, Schließfächern und E-Bike-Ladestationen.

Wünsche an den Minister

Die Podiumsteilnehmer durften dem Minister ihre Wünsche und Vorstellungen vorzustellen. Reinhard Rödenbeck überraschte Hendrik Wüst dabei mit einem Vorschlag: „Könnten nicht alle Senioren über 80, die freiwillig ihren Führerschein abgeben, freie Fahrt in Bussen und Bahnen haben?“ Die Idee sei ihm neu, sagte Hendrik Wüst. „Das muss ich erst sacken lassen.“

Peter Snethlage sagte: „Wir würden gerne als Kleinbus deklariert und nicht mehr als Pkw.“ Denn der Bürgerbus könne weniger Personen befördern als ein identischer „Kleinbus“, mit dem Firmen oder Privatpersonen unterwegs seien. Zudem wünsche er sich mehr Unterstützung bei der Anschaffung der sehr teuren Fahrzeuge (etwa 100.000 Euro), auch wenn die Espelkamper im Moment das Glück hätten, dass Paul Gauselmann einen zweiten Bürgerbus finanzieren werde.

Minister Wüst gab hinsichtlich der „Kleinbus-Frage“ zu bedenken, dass Fahrer dann nicht mit einen Pkw-Führerschein fahren dürften, was für den Verein problematisch werden könne.

Narjis Lehna machte auf die Wünsche des Kinder- und Jugendbeirats aufmerksam. Den Jugendlichen fehlten in Espelkamp vor allem eine günstige und länger verkehrende Verbindungen. „Den Preis von mehr als 13 Euro für eine Fahrt nach Bielefeld ist für viele zu teuer“, sagte sie.

Schülerticket in Aussicht

Hier hakte Henning Vieker ein: „Es ist sehr realistisch, dass wir bald mit einem Schülerticket an den Start gehen können.“ Diese Aussage unterstütze Achim Overath von der Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft (MHV). Es werde daran gearbeitet, ein solches Ticket einzuführen. Für jede Schule, die Anspruch darauf habe, müssten 15 Euro pro Schüler bezahlt werden. Diese könnten dann in ganz Westfalen nutzen. „Wir könnten theoretisch am 1. Februar 2021 damit starten“, sagte Overath. Im Bereich der MHV könnten von diesem Ticket etwa 30.000 Schüler profitieren.

Hans-Jörg Schmidt von der Aufbau berichtete von Überlegungen zu einem Mieterticket. Er verwies aber auch darauf, dass die Aufbau und Espelkamper Firmen zum Beispiel eine gute länderübergreifende Anbindung nach Bohmte für Pendler wünschten. „Denn der Bahnhof liegt an der Bahnlinie zwischen Osnabrück und Bremen.“

Anna Bölling wünschte sich ein transparentes Informationsportal, eventuell auch eine App, die ohne Vorkenntnisse über die Verkehrsverbünde und Gesellschaften nutzbar wäre. „Gibt es für so etwas Fördermittel?“, wollte die Landratskandidatin vom Minister wissen. „In den vergangenen drei Jahren sind noch keine Innovationen an mangelnder Förderung gescheitert“, sagte Wüst. Hinsichtlich der einfacher Orientierung über Bus- und Bahnverbindungen, nannte er eine „Mobil-NRW-App“, der sich immer mehr Verkehrsverbünde anschlössen.

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