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Corona-Krise trifft viele Künstler hart – Zehn Konzerte von Uwe-Müller-Tour aus Gestringen abgesagt

Musiker in der Zwangspause

Espelkamp-Gestringen (WB). Das Brot des Künstlers ist der Applaus, heißt es. Diese alte Weisheit wird für viele Musiker derzeit zu einer traurigen Wahrheit. Überall werden Konzerte, Feiern und Veranstaltungen abgesagt. Und wo kein Publikum ist, da kann auch kein Künstler seine Brötchen verdienen.

Arndt Hoppe

Studio aufräumen statt auf Tour sein: Der Musiker und Produzent Uwe Müller ist wegen der Veranstaltungsverbote zuhause in Gestringen und erzählt von den Problemen, mit denen jetzt freischaffende Künstler zu kämpfen haben.

Uwe Müller gehört in der Region zu den bekanntesten Musikern und Produzenten. Und auch er muss gerade diese leidvolle Erfahrung in der Corona-Krise machen. „Eines Tages bekam ich einen Anruf von der Agentur: Die letzten zehn Konzerte der bundesweiten Tour mit der Beatles-Band sind abgesagt“, berichtet er. Üblicherweise spiele die Band vor etwa 400 Zuhörern, mal seien es nur 200, mal auch mehr als 2000. „Natürlich habe ich das kommen sehen, aber in dem Augenblick war das schon ein Schlag.“

Zwar versuche seine Agentur, für die Beatles-Band-Konzerte neue Termine zu finden, aber es breche letztlich viel weg, was auch nicht nachgeholt werden könne. „Und wenn es zu spät wird, dann liegen die Konzerttermine wieder zu nah an den bereits geplanten Konzerten., überlegt der erfahrene Musiker. Und Müller spricht nicht nur für sich, wenn er sagt: „Für 99 Prozent der freischaffenden Musiker ist das ein echtes Problem. Sie verdienen ihr Geld direkt am Kunden.“ Von den Albenverträgen und Fanartikeln können die meisten nicht leben: „Weltstars sind leider die wenigsten“, sagt er und lacht.

Müller würde sich über eine Social-Media-Assistenz freuen

Während viele Musik derzeit versuchen, über das Internet ihre Fans zu mobilisieren und sie zum Kauf von mehr CDs und Merchandising-Produkten zu animieren oder gar über Online-Konzerte Geld zu verdienen, ist das für Uwe Müller keine Option. „Ich bin kein Social-Media-Profi. Den Internetkram macht man ja nicht mal eben so nebenbei“, gibt er zu. „Ich weiß nicht, welche Hebel man da in Bewegung setzen kann. Wenn sich jemand melden würde, der mich dabei unterstützt, dann würde ich Luftsprünge machen.“

Finanzielle Unterstützung werde durchaus von verschiedenen Seiten versprochen, sagt Müller. Zum Beispiel von der Gema. „Auch die Künstlersozialkasse und die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, Anm. der Redaktion), die speziell für aufführende Musiker da ist, haben Töpfe aufgemacht“, weiß Uwe Müller. „Aber letztendlich sind das alles Kredite, die wieder zurückbezahlt werden müssen.“

Es sei schon eine „haarige Situation“, sagt Uwe Müller. Das letzte Konzert der Beatles-Band-Tour sollte am 31. März in Görlitz laufen, stattdessen sitzt er nun zuhause in Gestringen. „Das Haus ist voll. Das ist schon schön“, sagt der Vater von drei Kindern, von denen zwei studieren. Mit Humor gewinnt er der Zwangspause auch etwas Gutes ab: „Da kann man seine Familie mal richtig kennenlernen“, sagt er und lacht. „Da prallen manchmal die Generationen aufeinander.“

Verein unterstützt den Musiker aus Gestringen

Die viele „leere Zeit“ habe er ansonsten bisher dazu genutzt, ein wenig aufzuräumen. „Eigentlich wäre jetzt die Gelegenheit, einige Sachen in Angriff zu nehmen, die schon lange in der Schublade liegen“, doch „Ich bin wie in einer Starre“, sagt er. Zu schaffen mache ihm, das „keiner weiß, wo die Reise hingeht. Irgendwann kommen die Anrufe der Bank. Und dann kann es eng werden.“

Die Corona-Krise wirft sogar schon Probleme für den diesjährigen „Weihnachtstraum“ auf. „Eigentlich habe ich in dieser Zeit so langsam mit dem Vorverkauf der Karten angefangen. Aber jetzt wird man doch kein einziges Ticket los.“

Etwas dass Uwe Müller aber in diesen Tagen positiv stimmt, ist die unverhoffte Unterstützung seines Sportvereins, des VfB Fabbenstedt, bei dem er seit gut 40 Jahren Fußball spielt. „Der VfB hat eine Aktion gestartet, um in seinen Möglichkeiten Menschen in der Krise zu unterstützen“, sagt Müller. Er habe sich sehr gefreut, als der Vereinsvorsitzende ihn angerufen und ihm Unterstützung zugesagt habe. „Die Leute im Verein kennen mich halt und wissen, was ich mache. Da war ich echt gerührt. Das ist ein toller Zusammenhalt von allen, die da mitmachen“, dankt er den Sportkameraden. „Das ist eine Super-Aktion.“

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