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Coronavirus: Espelkamper Unternehmen Plümat produziert auch in der Pandemie für die Pharmaindustrie

Nachwehen noch nicht abzusehen

Espelkamp

Das Unternehmen Plümat produziert unter anderem Kunststoffkomponenten für die Pharmaindustrie und ist bis jetzt gut durch die Corona-Krise gekommen. Das liegt auch an frühzeitigen Schutzvorkehrungen im Betrieb.

Felix Quebbemann

Alle Plümat-Mitarbeiter – wie zum Beispiel Julian Venzke – haben bei der Umsetzung der Maskenpflicht im Unternehmen mitgemacht. Insgesamt beschäftigt Plümat 230 Mitarbeiter. Etwa 20 Prozent sind im Home-Office tätig.

Der Coronavirus wird mindestens noch bis in den März hinein den Alltag der Menschen in Deutschland stark beeinflussen. Aber wie gehen eigentlich Unternehmen aus dem Mittelstand mit der Bedrohung durch das Virus um? Auch dort ist die Gefahr, dass ein Mitarbeiter gleich viele weitere ansteckt, täglich gegeben. Daher müssen Schutzvorkehrungen getroffen werden.

Sterile Produktion

Diese Zeitung hat im Unternehmen Plümat nachgefragt, das im Bereich der pharmazeutischen Industrie tätig ist und daher ganz besonders auf sterile Produktion Acht geben muss.

So erläutert Sven-David Plate, gemeinsam mit Frank Lübeck Geschäftsführer des Unternehmens: „Wöchentlich stimmen wir uns im ‚Corona-Stab‘ auf Managementebene über die Anpassung der Maßnahmen an die aktuellen Gegebenheiten ab. Von Anfang an haben wir die Entwicklungen intensiv beobachtet, um schnell und flexibel auf veränderte Bedingungen reagieren zu können. Die Einberufung des Corona-Stabs erfolgte bereits im Februar 2020.“

Sven-David Plate

Plate betont, dass alle Mitarbeiter, deren Arbeitsfeld es möglich mache, ins Home-Office geschickt worden seien. „Das ist aber leider nicht bei allen Berufsgruppen möglich, da Plümat ein produzierendes Unternehmen ist.“ Umso mehr komme es im Unternehmen auf die Disziplin der Mitarbeiter an, die Hygienevorschriften zu beachten. Alle Mitarbeiter tragen während ihrer Arbeitszeit dauerhaft einen Mund-Nasen-Schutz, an den Werkseingängen sind Desinfektionsmittelspender angebracht und weitere Desinfektionsmittel sind im ganzen Unternehmen zugänglich.

Die beiden Plümat-Geschäftsführer Sven-David Plate (links) und Frank Lübeck (rechts) Foto:

Frühzeitig habe das Unternehmen bereits Maßnahmen ergriffen, die sicherstellen sollten, „dass das Virus nicht in die Firma getragen wird“. Da die Mitarbeiter die Notwendigkeit der Maßnahmen mitgetragen hätten, konnte sichergestellt werden, „dass unser Betrieb nahezu normal weiterlaufen konnte“, sagt Plate.

Maßnahmen

Viele Maßnahmen bei Plümat gingen auch über die Vorgaben der Bundesregierung hinaus oder seien früher und länger umgesetzt worden. „So haben wir zum Beispiel eine Maskenpflicht schon sehr früh eingeführt und Masken an die Mitarbeiter verteilt“ erklärt Plate. Umsichtig sei auch das Vorgehen bei Verdachtsfällen: „Wir schicken Mitarbeiter frühzeitig in Quarantäne und ermöglichen ihnen kostenlose Corona Tests, falls es zu Verdachtsfällen kommt.“

Bei der Umsetzung des Home-Offices (HO) für die Plümat-Mitarbeiter seien natürlich für Hard- und Software Investitionen notwendig gewesen. Die HO-Möglichkeiten für die Angestellten seien aber relativ leicht umsetzbar gewesen.

Hauptproblematik

Die Hauptproblematik für ein reibungsloses HO liegt aber laut Plate vielmehr in der schlechten Breitbandversorgung der Region. „Davon sind im Wesentlichen die Mitarbeiter betroffen, denn deren Internetanbindung ist häufig schlecht. Die mangelhafte Infrastruktur im Kreisgebiet und den angrenzenden Regionen ist eindeutig der limitierende Faktor.“ Derzeit befänden sich rund 20 Prozent der Plümat-Mitarbeiter im Home-Office.

Die Akzeptanz der Belegschaft zu den Schutzmaßnahmen sei groß. „Wir können beobachten, dass die meisten die Notwendigkeit sehen und wissen, dass sie damit einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten.“ Zum Beispiel habe es keinerlei Probleme bei der Umsetzung der Maskenpflicht gegeben. „Da haben alle mitgezogen.“

Sven-David Plate

Auch der Austausch in der Pandemie-Situation „mit anderen Unternehmen im Kreis wie auch mit unseren Kunden“ sei selbstverständlich. Plümat produziere in Espelkamp neben Maschinen, Kunststoffbauteile für die Pharmaindustrie. Diese Produktion erfolge unter Reinraumbedingungen und daher gehörten besondere Hygienevorschriften seit jeher zum Berufsalltag. Ähnliches gelte für den Maschinenbau. Gerade in Zeiten einer Pandemie müsse die Pharmaindustrie ihre Produktion aufrechterhalten.

Generell übrigens könne nicht gesagt werden, dass die Pharmakonzerne von der Pandemie profitieren. „Die Pharmaindustrie ist generell unterschiedlich von der Corona-Krise betroffen. Natürlich gibt es Firmen, wie die Impfstoffhersteller, die von der aktuellen Situation profitieren. Es gibt aber auch viele pharmazeutische Unternehmen, die unter der Corona-Krise leiden. Das liegt beispielsweise daran, dass nicht unbedingt notwendige Operationen und Behandlungen verschoben werden, um die Krankenhausbetten für Corona-Patienten freizuhalten“, sagt Plate.

Wirtschaftliche Nachwehen

Plümat selbst sei bisher gut durch die Krise gekommen. Allerdings hätten die Vertriebsmitarbeiter nicht wie gewohnt reisen können, um Projekte mit Kunden zu besprechen. „Daher ist es noch nicht abzusehen, ob wir noch wirtschaftliche Nachwehen der Pandemie zu spüren bekommen.“

Bis jetzt habe es in dem Unternehmen weder Kurzarbeit noch Entlassungen gegeben. Alle Schwankungen seien bis jetzt über die Arbeitszeitkonten ausgeglichen worden. Die Produktion von Kunststoffbauteilen würde in 2021 zudem auf jeden Fall ausgelastet sein und „wir beabsichtigen weitere Neueinstellungen in diesem Bereich“.

In Espelkamp beschäftigt Plümat derzeit etwa 230 Mitarbeiter. „Wir bauen gerade eine neue Produktionshalle für den Kunststoffspritzguss auf.“ Daher, so Plate, seien auch Bewerbungen im Unternehmen jederzeit willkommen.

Test

Und obwohl Espelkamp vor einigen Wochen das Epizentrum für Coronafälle im Mühlenkreis gewesen ist, wurde Plümat weitgehend von einer Virusausbreitung im Unternehmen verschont.

„Erfreulicherweise hatten wir nur eine Handvoll Mitarbeiter, die direkt positiv getestet wurden. Diese Mitarbeiter haben sich an die Vorgaben gehalten und sind nicht zur Firma gekommen, sondern haben sich bei ihrem Vorgesetzten gemeldet. Bisher war also kein positiv getestet Mitarbeiter in der Firma. In nahezu allen Fällen waren es zunächst Mitglieder des eigenen Haushaltes, die positiv getestet worden sind und natürlich bleiben unsere Mitarbeiter dann vorsorglich zu Hause und lassen sich testen“, so Plate.

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