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Finale Karte über nitratbelastete Flächen lässt „rote Gebiete“ schrumpfen – wenig Auffälligkeiten im Altkreis Lübbecke

Nur Stemwede hat ein größeres Problem

Stemwede/Lübbecke...

Noch Anfang Januar haben viele heimische Landwirte im Altkreis Lübbecke mit Entsetzen auf die Karte geschaut, die angeblich stark nitratbelastete Gebiete darstellen sollte.

Dieter Wehbrink

Der Nitrateintrag ins Grundwasser, unter anderem verursacht durch Gülle-Ausbringung, soll in den so genannten roten Gebieten deutlich verringert werden. Foto: Philipp Schulze

In den rot markierten Arealen, so hieß es, müssten zum Schutz des Grundwassers und mit Blick auf die EU-Vorgaben viel strengere Regeln für die Gülleausbringung und den Kunstdüngereinsatz umgesetzt werden.

Die Gebietskulisse vom Dezember sah in NRW 340.000 Hektar vor. Jetzt liegt die finale Version vor – und umfasst mit nur noch 165.000 eine so gut wie halbierte Kulisse. Demnach sind Rahden, Espelkamp, Preußisch Oldendorf, Lübbecke und Hüllhorst so gut wie völlig rausgefallen. Nur Stemwede hat laut Karte noch ein Problem – wenn auch ein geringeres als im Dezember.

Holger Topp, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, weiß, warum die Anzahl der kritischen Flächen innerhalb weniger Wochen so stark reduziert wurde. „Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat im intensiven Austausch mit Landwirtschaftsverband, Landwirtschaftskammer und Politik über die so genannte modellbasierte Binnendifferenzierung in mehreren Schritten nachgearbeitet. Es flossen verschiedene Parameter, zum Beispiel die betrieblichen Nährstoffbilanzen oder Grundwasserkörper-Gestaltung, ein. Fest steht für mich aber auch, dass die Landwirte durch ihre praktische Arbeit der vergangenen Jahre den Nitrateintrag deutlich reduziert haben.“

Die Final-Version der Karte und deren Auswirkungen können die Landwirte über den Kartendienst www.elwasweb.nrw.de einsehen.

Die rot markierten Gebiete zeigen die nitratbelasteten Flächen in Stemwede. Foto: www.elwasweb.nrw.de

In Stemwede ist zwar noch einiges rot, aber auch dort sind offenbar einige Gebiete rausgefallen“, betont Topp. Das müsse aber noch im Einzelnen genau betrachtet und analysiert werden. „Wenn wir sehen, dass der einzelne Betrieb aufgrund seiner guten Stickstoffbilanz Auflagen vermeiden könnte, werden wir daran arbeiten.“

Die Karten würden zudem immer wieder überprüft: „Wenn sich die Werte bessern, können Beschränkungen zurückgenommen werden“, ist Topp überzeugt. Er bricht ohnehin eine Lanze für die Bauern. „Wenn sich ein Landwirt sehr um die Senkung der Nitratwerte bemüht hat, ist dies nicht vom Himmel gefallen. Es beruht auf den enormen Anstrengungen in den Jahren zuvor.“

Holger Topp, Geschäftsführer Landwirtschaftlicher Kreisverband. Foto: WB

Der Kreisverbandsgeschäftsführer kritisiert, dass man bei der in 2017 erfolgten Novellierung der Düngeverordnung nicht die Ergebnisse der Nitratentwicklung abgewartet hat. „Der große Druck aus Brüssel war hier auf Deutschland gerichtet“, sagt Topp.

Seiner Meinung nach hätte man die Erfolge der Novellierung beachten müssen. „Wer jetzt als Landwirt immer noch in roten Gebieten liegt, ist natürlich frustriert“, sagt Topp mit Blick auf Stemwede. „Die hohen Werte an der Butenbohm-Messstelle sind unverständlich. Nach Behördenangaben ist diese Messstelle überprüft worden. Das ist jedoch nochmals kritisch zu hinterfragen.“

Unter dem Strich müsse man feststellen, dass ganz viel Fläche aus der jetzt vorliegenden Karte herausgefallen sei, sagte Topp. „Darüber sind wir erst einmal erleichtert, wenn wir auch abschließend noch nicht ganz zufrieden sind.“

Ein kleines bisschen Erleichterung – die hat sich auch bei Joachim Schmedt, dem Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Gemeindeverbandes Stemwede, breit gemacht. „Der Einsatz des Bauernverbandes – des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes und der Rheinischen Landwirtschaftsverbandes – hat sich massiv gelohnt. Wir haben immer darauf bestanden, dass das Problem der Nitratbelastung betriebsindividuell betrachtet werden muss“, sagt der Dielinger. „Dadurch und durch das Heranziehen von ganz aktuellen Daten wurden jetzt viele Betriebe in der Region Stemwede entlastet.“

Auch Joachim Schmedt bedauert, dass es weiterhin unterschiedliche Betroffenheiten gibt: „Das möchte ich nicht wegdiskutieren.“ Der Dielinger erinnert daran, dass es am Butenbohm die extrem hohen Werte gab, die dazu führen, dass auf der Januar-Karte noch große Bereich im Umfeld der Messstelle rot gefärbt waren. „Keiner kennt die Ursache für diese Werte. Die Binnendifferenzierung hat jetzt zum Glück dazu geführt, dass dieses Gebiet deutlich individueller betrachtet wird“.

Joachim Schmedt ist überzeugt, dass die Düngeverordnung von 2017 hier schon Wirkung gezeigt hat. Es müsse grundsätzlich eine betriebsindividuelle Betrachtung her, nach der die Bauern wirtschaften könnten.

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