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Erlanger Sammler ersteigert historische Ansichtskarte über den Espelkamper Bahnhof

Postkarte legt einen weiten Weg zurück

Espelkamp/Erlangen (WB). Im Zeitalter der sozialen Medien, von E-Mails und Messenger-Diensten scheint die Postkarte nur noch etwas für Traditionalisten zu sein.

Günther Klebes aus Erlangen ist ein leidenschaftlicher Sammler von Karten, die mit dem Thema Bahn zu tun haben. Er hat etwa 600 Exponate in seinem Besitz. Foto:

Oder für Sammler wie Günther Klebes. Der 71-jährige Franke liebt alte Postkarten, genauer gesagt solche mit eisenbahnhistorischen Motiven aus dem deutschsprachigen Raum. Seine jüngste Errungenschaft ist eine Karte mit drei Ansichten des Bahnhofs

Espelkamp. Angeboten wurde sie unter dem Titel »Railway-Station of Germany«. Der Ort selbst war dem Sammler bis dahin unbekannt. Gefallen hat ihm besonders der abgebildete Schienenomnibus, wie er damals im Personennahverkehr häufig anzutreffen war.

Erstaunlich

Mit so einem Fahrzeug fuhr Klebes vor etwa 60 Jahren in die Schule. Versandt wurde die Karte 1961 aus Espelkamp nach Güstrow in Mecklenburg. »Ich bin bei einer luxemburgischen Internet-Auktion auf die Karte gestoßen und habe mir gesagt: ›Ansicht mit Schienenomnibus, die muss ich haben‹«, so der Rentner, der in Erlangen zu Hause ist. Postkarten, die andere Bahnen in Westfalen zeigen, gehören schon länger zu seiner rund 600 Exponate umfassenden Sammlung. Aber die Karte mit drei Bahnhofsansichten, die musste noch her.

»Erstaunlich fand ich, dass der Anbieter eine Adresse in Australien hatte«, sagt Klebes. Weil er der einzige Bieter war, konnte er die Wunschkarte zum Schnäppchenpreis von nur einen Euro erwerben. »Das ist eigentlich viel zu günstig«, kommentiert der Käufer. Normalerweise wäre er bereit gewesen, dafür bis zu fünf Euro auszugeben; denn es war eine selten angebotene Karte. Diesen Preis zahlte er dann auch, da noch das Porto für einen eingeschriebenen Auslandsbrief hinzukam. Es gebe auch Philokartisten, die einen zweistelligen Betrag für eine Ansichtskarte hinblättern würden.

Aus Australien

Wie das gute Stück nach Australien gekommen ist, darüber kann der Sammler nur spekulieren. »Ob dahinter eine Auswanderung steht, oder ein Bündel alter Postkarten nach einer Haushaltsauflösung an einen Händler veräußert wurde, der die Karten über das Internet weiter vermarktet, weiß ich nicht«, sagt Klebes. Er hat schon Karten aus Israel, Kanada oder Südafrika erworben.

Seine Sammelleidenschaft in Sachen Bahn-Postkarten ist übrigens kein Einzelfall: »Es gibt sogar eigene Ausstellungen für Eisenbahn-Philatelisten«, sagt Klebes und durchforscht schon wieder das Internet nach Exponaten wie die Ansichtskarte aus Westfalen.

Sammler

Der 71-jährige Klebes sammelt begeistert »alles, was mit der Bahn zu tun hat – außer echte Lokomotiven«. Bei ihm zu Hause stehen Modelle und historische Uniformmützen – die »Rotkäppchen« – neben zahllosen selbst geschossenen Fotos und Alben voll einschlägiger Telefonkarten und Briefmarken. Daneben arbeitete der Schulbusfahrer und dreifache Vater ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission. Als Hobby nennt er »Bahn fahren«, und selbst auf Hochzeitsreise ist er vor 35 Jahren mit dem Glacier-Express von St. Moritz nach Zermatt gefahren. Auch in Westfalen war er oft mit der Bahn unterwegs – frei nach dem Motto »Der Weg ist das Ziel.«

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