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Espelkamper Fußspuren: Ortsvorsteherin Marlies Schröder lässt spannende Ortsgeschichten Revue passieren

Schmalge ist Natur pur

Espelkamp-Schmalge

Schmalge gehört mit seinen knapp 400 Einwohner zu den kleinsten Dörfern Espelkamps. Dennoch hat der Ort so manch spannende Geschichte innerhalb der Serie „Espelkamper Fußspuren“ zu erzählen.

Felix Quebbemann

Die Ortschaft Schmalge zeichnet sich vor allem durch seine außergewöhnliche Natur und die weiten Felder aus, wie ein Blick durch das Fenster an der Mauer des Gasthauses Krug zum grünen Kranze zeigt. Foto: Felix Quebbemann

Der Schnee hat sich wie Baiser – dem weißen Gebäck aus Eischnee – über die weitläufigen Schmalger Felder gelegt. Die Sonne bringt die Kristalle auf der Schneeoberfläche zum Glitzern und Funkeln, als ob eine Milliarde Diamanten über die Weiten der Ortschaft ausgestreut wurden.

Aus der Ferne ist zu hören: „Lauf nicht so schnell. Warte auf mich.“ Die Kinder sind auf dem Weg in die Schule – in die Schmalger Schule. Denn die hat es bis in die 1960-er Jahre gegeben. Bis beschlossen wurde, in Tonnenheide eine Schule zu bauen. Die Ortschaft Schmalge gehörte schließlich bis zur Gebietsreform im Jahr 1973 zur Stadt Rahden.

Zwei Dorfplätze

Heute gehen die Schmalger Schulkinder zwar nicht mehr in Richtung Schmalger Schule, sondern vielmehr in Richtung Bushaltestelle am Dorfplatz. Schmalge aber ist ein Flächendorf geblieben, das neben seinen beiden Dorfplätzen vor allem durch eine zauberhafte Landschaft und die weiten, derzeit auch wieder Schnee bedeckten Felder besticht.

Aber einen Moment mal – zwei Dorfplätze? Genau! Denn sowohl am Osterwald, in der Nähe des Campingplatzes, als auch auf dem Dorfplatz im Ortskern empfängt jeweils ein Dorfplatz die Besucher.

Marlies Schröder, Ortsvorsteherin und Ortsheimatpflegerin in Schmalge Foto: Felix Quebbemann

Marlies Schröder, die Ortsheimatpflegerin, erklärt, dass in Schmalge quasi zwei Herzen schlagen – einmal das Tonnenheider und einmal das Espelkamper. Daher kann man vom Dorfplatz, wenn man durch das Fenster in der Mauer schaut, sowohl in Richtung Norden das Nachbardorf Tonnenheide wie auch in Richtung Süden die Stadt Espelkamp sehen.

Marlies Schröder

„Viele Dinge in Schmalge stehen in Zusammenhang mit Tonnenheide. Das kann man nicht trennen“, sagt Schröder, die erst seit vergangenem Jahr die Ortsheimatpflegerin in Schmalge ist.

Schröder ist eine waschechte Schmalgerin – geboren in Schmalge, dort aufgewachsen und schließlich im Jahr 1977 konfirmiert. „20 Jahre wohnte ich dann aber nicht mehr hier. Seit 2005 aber bin ich wieder da“, sagt Schröder, die seit dem Jahr 2009 auch Ortsvorsteherin ist.

Zäsur

Eine Zäsur für den kleinen Ort übrigens markierte das Jahr 1973. Denn seit der Gebietsreform gehört Schmalge zu Espelkamp. „Die Schmalger waren dagegen und wollten gar nicht zu Espelkamp gehören“, sagt Schröder. Doch alle Einwände blieben erfolglos. Das Gebiet rund um die Firma Kolbus ging an Rahden, während der Flecken Schmalge an die junge Stadt fiel.

Mit knapp 9,6 Quadratkilometern ist die Ortschaft Schmalge alles andere als klein. Und genau das ist auch der Grund, warum das Dorf vor mehr als 300 Jahren eine eigene Schule erhielt.

Ersterwähnung

Im Jahr 1701 – kurz nach der urkundlichen Ersterwähnung Schmalges im Jahr 1673 – wurde im Ort eine Nebenschule eröffnet – im Haus Lintelmann/Niemeier/Hartmeier, früher Wehe 210, heute Tonnenheider Straße 182. Zuvor mussten die Schüler nämlich sehr lange Wege gehen, bis nach Wehe oder Rahden, um am Unterricht teilnehmen zu können; und dies bei Wind und Wetter.

Mit Unterbrechungen hatte Schmalge bis vor 60 Jahren auch immer eine Schule. Das Haus der ersten Schule ist bis heute unter dem Namen „Schoul“ im Ort bekannt.

Marlies Schröder

Ostern 1891 wurde noch einmal eine Bildungseinrichtung auf dem Grundstück des Bauern Schmalgemeier, damals Tonnenheide Nr. 30, eröffnet. Zu Beginn wurden dort 88 Schüler unterrichtet.

Trödeln kam auch mit der Eröffnung der neuen Schule im Dorf für die Schüler nicht in Frage. Aber so manch ein Lausbub hat es sich im Winter natürlich nicht nehmen lassen, eine zünftige Schneeballschlacht auf den Feldern zu starten. Schließlich musste die weitläufige Natur auch auf dem Schulweg ausgenutzt werden. Klatschnass und deutlich zu spät ging es dann in die Klasse des Lehrers. Der hieß im Jahr 1936 Grützediek. Und so manches Mal wurde im Klassenbuch notiert: „Verspätetes Erscheinen – Nachsitzen!“. In den 1960-er Jahren endete jedoch das Schul-Kapitel in Schmalge.

Die wechselreiche Geschichte Schmalges hat dazu geführt, dass der Ort selbst heute noch kein so traditionelles Vereinswesen hat wie seine Nachbardörfer. Viele der etwa 400 Schmalger sind Mitglieder zum Beispiel in Tonnenheider Vereinen.

Zielsetzung

Aber Marlies Schröder hat sich mit den rund 60 Mitgliedern der Dorfgemeinschaft zum Ziel gesetzt, auch in Schmalge eine Vereinstradition entstehen zu lassen. Dafür ist der Zusammenhalt im Ort natürlich unerlässlich, und den stellt Schröder in ihren Ausführungen explizit heraus. Die Schmalger seien bodenständig und immer wieder neugierig auf etwas Neues. „Wir haben keine Angst vor Veränderung“, sagt die Ortsvorsteherin und verweist auf die abwechslungsreiche Schulgeschichte.

Bischof Hermann Kunst

Die Ortschaft sei zwar weitläufig, aber „man ist hier nie allein. Es ist schön, hier zu wohnen“, betont die engagierte Ortsheimatpflegerin, die abschließend sagt, dass Schmalge ja auch viele Jahre die Heimat von Bischof Hermann Kunst gewesen sei. Kunst ist einer der Gründerväter Espelkamps. „Bis zu seinem Tod hatte er Schmalge zu seinem Zweitwohnsitz erklärt“, betont Schröder.

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