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Stadtentwicklung: Politiker sprechen sich gegen Denkmalschutz für die Alte Post aus

Seidel findet es "merkwürdig"

Espelkamp

Die Alte Post in Espelkamp erhält wohl keinen Denkmalschutz. Mit großer Mehrheit hat sich der Stadtentwicklungsausschuss gegen eine Prüfung für eine mögliche Unterschutzstellung ausgesprochen. Lediglich die Fraktion der "Unabhängigen" sah das überhaupt nicht so.

Von Felix Quebbemann

Das alte Postgebäude in Espelkamp wird wohl nicht unter Denkmalschutz gestellt. Foto: Felix Quebbemann

Die Politik hat am Dienstagnachmittag praktisch dem Abriss des Postgebäudes grünes Licht gegeben. Denn mit großer Mehrheit haben die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses dafür gestimmt, einen Denkmalschutz für das Postgebäude überhaupt nicht in Betracht zu ziehen.

Antrag

„Die Unabhängigen“ hatte den Antrag gestellt, eine Unterschutzstellung des alten Gebäudes zu überprüfen. Fraktionsvorsitzender Paul-Gerhard Seidel sagte, für seine Fraktion sei das Gebäude schon stadtbildprägend. Während im Tagesordnungspunkt zuvor „die absolute Priorität“ von Camping-Stellplätzen in Espelkamp in Frage gestellt wurde, betonte Seidel, dass seine Partei den Antrag zum Post-Gebäude gestellt habe, weil „wir verhindern wollen, dass mit absoluter Priorität ein Bagger über die Alte Post fährt“. Er betonte zwar, dass die Zukunft der Post kein vorrangiges Thema sei, doch sollten die Behörden prüfen, ob eine Unterschutzstellung möglich sei. Johannes Hatebur, Sachgebietsleiter Stadtplanung, führte zunächst aus, dass die Stadt Espelkamp in diesem Fall die verfahrensführende Stelle sei. In Espelkamp gebe es 35 Baudenkmäler und ein bewegliches Denkmal.

Paul-Gerhard Seidel, Unabängige Espelkamp Foto: Felix Quebbemann

Das Gebäude der Post sei in den Jahren 1955 und 1958 erbaut worden – zunächst als Sparkassengebäude im Anschluss als Post – von der Aufbaugemeinschaft. Im Erdgeschoss war viele Jahre die Post beheimatet, im ersten Geschoss gebe es immer noch Wohnungen, im Keller habe sich unter anderem ein Tresor befunden, sagte Hatebur. Durch diverse Umbauten am Haus sei jedoch die „ursprüngliche Optik nicht mehr da“. Zudem wiesen die Räume keine erhaltenswerte Bausubstanz auf. „Von außen sieht es ganz nett aus, von innen sind jedoch die Zeichen der Zeit zu erkennen.“ So habe es im Keller mehrere Rohrbrüche gegeben. Auf Fotos zeigte Hatebur deutlich sichtbare Wasser- und Feuchtigkeitsschäden. „Der bauliche Zustand ist sehr marode. Der Putz bröckelt ab.“ Es fehle bei dem Gebäude die besonders erhaltenswerte Bausubstanz. Hatebur gab zudem mit Blick auf einen möglichen Umbau des Wilhelm-Kern-Platzes zu bedenken, dass ein Gebäude unter Denkmalschutz auch den Planungen zum Umbau im Wege stehen könnte.

Wilfried Windhorst

Ausschuss-Vorsitzender Wilfried Windhorst (CDU) sagte in Richtung Unabhängige: „Nachdenken ist legitim. Aber wir haben noch die Umgestaltung des Kern-Platzes. Und auch die Sanierung des Rathauses muss mit bedacht werden.“ Paul-Gerhard Seidel forderte, dass das zuständige Amt bei der Entscheidung zum Denkmalschutz involviert werden müsse. Und der bauliche Zustand habe bei der Unterschutzstellung der Ellerburg auch nicht geschadet. Die Burg ist mittlerweile abgerissen, da das Gebäude baufällig war. Geblieben sind nur die Grundmauern. Als „merkwürdig“ bezeichnete Seidel die Äußerungen zur Stadtentwicklung. Ein Denkmal würde nicht die Entwicklung der Stadt verhindern. „Vielleicht sollen so ja auch unerwünschte Entwicklungen verhindert werden.“

Abgelehnt

Schließlich meldete sich Wilhelm Schwarz (FDP) zu Wort und sagte: „Ich bin der Meinung, dass dieses Gebäude nicht denkmalwürdig ist. Es verhindert die Entwicklung des Wilhelm-Kern-Platzes.“ Er stellte die Frage, ob der Ausschuss nicht direkt beschließen könne, die Prüfung eines Denkmalschutzes für die Post abzulehnen. „Wir haben genug zu tun“, sagte Schwarz. Da könne es auch direkt eine Entscheidung geben. Lediglich Paul-Gerhard Seidel stimmte für eine Denkmalschutzprüfung der Alten Post. Die übrigen Ausschussmitglieder votierten entweder dagegen oder enthielten sich.

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