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Gericht: Angeklagter soll Minderjährige in Espelkamper Wohnung vergewaltigt haben

Täter drohen fünf Jahre Haft

Espelkamp

Wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen muss sich derzeit ein 25-jähriger Mann aus Hüllhorst vor dem Schöffengericht in Minden verantworten. Er soll vor drei Jahren ein junges Mädchen in seiner Wohnung in Espelkamp missbraucht haben. Das Opfer leidet bis heute unter den Folgen der Tat.

Von Felix Quebbemann

Ein 25-jähriger Mann muss sich wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen vor dem Schöffengericht Minden verantworten.

Vergewaltigung einer Minderjährigen – diesem schweren Tatvorwurf sieht sich zurzeit ein 25-jähriger Mann aus Hüllhorst ausgesetzt. Er soll das heute 18-jährige Opfer vor drei Jahren in seiner damaligen Wohnung gegen ihren Willen sexuell missbraucht haben. Ein Urteil wurde gestern im Schöffengericht Minden jedoch noch nicht gefällt, da in diesem komplexen Prozess noch nicht alle Zeugen gehört wurden. Dem Angeklagten droht eine Höchststrafe laut Strafgesetzbuch von fünf Jahren Haft.

25-jähriger Angeklagter

Die 18-Jährige leidet bis heute unter den Geschehnissen, die sich am 7. Oktober 2019 in einer Wohnung in der Espelkamper Innenstadt ereigneten. Die Anklageschrift wirft dem 25-Jährigen vor, sein Opfer in der Breslauer Straße abgeholt zu haben. Das Mädchen hatte sich vorher mit einem Freund getroffen, um Pokémon Go zu spielen. Aufgrund eines leeren Handy-Akkus rief sie den Angeklagten an, den sie flüchtig kannte. Sie wollte dort kurz ihr Handy aufladen. Der Angeklagte holte sie, nutzte dann aber in seiner Wohnung laut Anklage die Situation aus. Zunächst wollte er das Mädchen gegen ihren Willen küssen. Dann ging er seinem Opfer, das den Angeklagten immer wieder aufforderte aufzuhören, unter den Pullover. Schließlich warf er das Mädchen aufs Bett. Dort riss er ihr die Kleidung herunter und es kam laut Anklageschrift zur Vergewaltigung. DNA-Spuren des Angeklagten seien sowohl an der Unterwäsche des Opfers sowie bei der ärztlichen Untersuchung des Opfers gefunden worden. Der Angeklagte begann seine Einlassung mit den Worten: „Genau genommen ist es ewig her“, als er vom Richter nach dem Tattag gefragt wurde. Er gab zu, dass er sein Opfer küssen wollte. „Alle anderen Anschuldigungen stimmen nicht.“ Es habe keine sexuellen Handlungen gegeben.

Drogen im Spiel

An dem Tag sollen seitens des 25-Jährigen auch Drogen im Spiel gewesen sein. Der Vorwurf lautet, dass er vor der Tat den ganzen Tag über Kokain genommen haben soll, ebenso Alkohol. Einige Aussagen des Angeklagten deckten sich vor Gericht nicht mit den von ihm gemachten Aussagen bei der Polizei, die protokolliert wurden. Zu Passagen im Protokoll sagte der 25-Jährige: „Das muss ein Fehler sein.“ Er warf der Polizei damit vor, Dinge falsch aufgenommen zu haben. Er fand auch keine Erklärung dafür, dass seine DNA an der Unterwäsche und am Opfer gefunden wurden. Zum Ende der Befragung wies der Richter darauf hin, dass gegen den Angeklagten ein weiteres Verfahren anhängig sei. Dies wurde aber in der Verhandlung am Freitag nicht weiter erläutert. Das heute 18-jährige Opfer wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt. Nach der anderthalbstündigen Befragung betonte der Richter jedoch, dass die 18-Jährige einen sehr verängstigten Eindruck gemacht habe.

Mutter

Dies wurde auch von den weiteren Zeugen, unter anderem der Mutter der 18-Jährigen, bestätigt. Seit dem Tag gehe ihre Tochter kaum noch vor die Tür. Sie habe Blackouts, Panikattacken und sie ritze sich, wie die Mutter bestätigte. Ihre Tochter sei zwar bereits vorher schon auffällig gewesen und habe einige Zeit in einer Wohngruppe verbracht. Doch habe sich ihr Verhalten seit dem Tattag extrem verändert. „Sie ist komplett verschlossen.“ Auch ihre vor dem Tattag angestrebte Ausbildung habe sie nicht angetreten. Diese Aussagen wurden unter anderem von einer Kripo-Beamtin, die das Opfer direkt nach der Tat befragte, bekräftigt. Die Familie der 18-Jährigen tritt als Nebenkläger auf.

Kein Haftbefehl

Die Anwältin zeigte sich überrascht, dass gegen den Angeklagten, der gegen 2.30 Uhr in der Nacht nach der Tat von der Kripo vorläufig festgenommen wurde, kein Haftbefehl erlassen wurde. Da noch weitere Zeugen gehört werden – unter anderem der Polizist, der die Aussage des Angeklagten aufgenommen hat, wurde noch kein Urteil verkündet. Die Verhandlung wird am 17. Mai vor dem Schöffengericht in Minden fortgesetzt

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