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Cousin Karl-Heinz Habighorst besucht Espelkamper Jürgen Tönsmann – Flugingenieur bei Rama X.

Tolle Überraschung nach 70 Jahren

Espelkamp

Das war schon eine riesige Überraschung, als nach 70 Jahren Cousin Karl-Heinz Habighorst an der Tür des Espelkamper Teppichhändlers Jürgen Tönsmann klingelt. Und die Überraschungen hörten nicht auf. Denn Habighorst erklärte, er stehe im Dienste des thailändischen Königshauses.

Von Felix Quebbemann

Karl-Heinz Habighorst (links) hat seinen Cousin Jürgen Tönsmann in dessen Rahdener Haus besucht. Foto: privat

Eigentlich hatte sich der Espelkamper Teppichhändler Jürgen Tönsmann auf einen ruhigen und entspannten Tag zuhause gefreut – bis es an der Haustür klingelte.
Seine Frau machte die Tür auf und kam wieder mit den Worten: „Da steht jemand an der Tür. Ich kenne ihn nicht.“ Aber dieser Fremde kannte Jürgen Tönsmann sehr gut. Denn es handelte sich bei dem Überraschungsgast um Karl-Heinz Habighorst – dem Cousin von Jürgen Tönsmann.

70 Jahre hatten sich die beiden nun schon nicht mehr gesehen. Eine Ewigkeit – wie auch Jürgen Tönsmann feststellen musste.

Spannende Dinge

Vom Aussehen her, das gibt Tönsmann im Gespräch mit dieser Zeitung zu, habe er seinen Cousin nicht gleich wieder erkannt. „Aber an der Stimme sofort.“
Sein Gast hatte ihm viele spannende Dinge zu erzählen. Bereits im Alter von 14 Jahren verließ Karl-Heinz seine ostwestfälische Heimat. Dort, wo er mit seinem Cousin Jürgen so viel erlebt hat. „Als Kinder sind wir mehrfach mit dem Rad zum Dümmer gefahren und haben dort gezeltet“, erzählt Jürgen Tönsmann.

Aber auch an die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert sich Tönsmann gut – auch wenn er da noch ein Kind war. Beim Spielen im südlichen Rahdener Gebiet, in der Nähe des Kolbus-Geländes, hätten er und sein Cousin sogar einmal den Zusatztank eines Kriegsflugzeuges – einer Mustang – entdeckt. „Den haben wir uns passend als Kanu zurecht gebastelt.“ Damals habe es zwischen den Wiesen noch angelegte Tränketeiche für das Nutzvieh gegeben. Und diese Teiche haben sie mit ihrem selbst gebastelten Kanu „bereist“. Vielleicht war das schon ein Anzeichen dafür, dass sein Cousin nicht nur in die weite Welt hinaus, sondern auch an großen Maschinen „herumbasteln“ wollte.

Schmerzhafte Erinnerung

„Bis ich zwölf, dreizehn Jahre alt war, hatten wir Kontakt“, erinnert sich Jürgen Tönsmann. Dann aber ist Karl-Heinz in jungen Jahren zu Verwandten nach Amerika ausgewandert. „Es war schon eine große Katastrophe, als er weg war“, sagt Tönsmann.

In den USA hatte Habighorst viele Verwandte und er gelangte über Idaho nach Kansas City. Er studierte und war schließlich viele Jahre beim Flugzeugbauer Boeing in verantwortlicher Position tätig.

Während Karl-Heinz Habighorst Cousin Jürgen Tönsmann bei seinem Überraschungsbesuch seinen Werdegang erzählt, erinnern sich die beiden, die übrigens auch verwandt sind mit der im hiesigen Raum sehr bekannten „Peps Wiesken“ (Jürgen Tönsmann ist ihr Ur-Enkel), an so manche Lausbuben-Geschichte aus der „guten alten Zeit“. So mussten sie sich damals aus Sicherheitsnadeln Angelhaken basteln.

Als Karl-Heinz Habighorst – mittlerweile lebte er mit seinen Eltern in Bielefeld – in Rahden zu Besuch war, „hat er einen „echten Angelhaken dabei gehabt“, sagt Tönsmann. Der sollte mit viel Schwung ins Wasser gebracht werden und blieb dabei letztlich in der Hacke von Karl-Heinz stecken. Eine schmerzhafte Erinnerung.

Vermögendes Königshaus

Im Jahr 1988 habe Habighorst im saudi-arabischen Dschidda die Wartung der Flugzeugflotte von American Airlines übernommen. Und dies wiederum, so Tönsmann weiter, habe dazu geführt, dass er 2002 das Angebot erhielt, Verantwortlicher für den Service der privaten königlichen Luftflotte des thailändischen Königshauses zu werden. „Dieses ist mit 100 Milliarden Dollar das vermögendste Königshaus weltweit“, sagt Tönsmann.

Zunächst unter König Bhumibol tätig warte Cousin Karl-Heinz nun die Flugzeuge und Helikopter für dessen Sohn, König Rama X. Der hat ein ausgeprägtes Flug-Faible. So soll er 35 Maschinen – drunter mehrere Boeings 737 und Airbus – besitzen.

König Maha Vajiralongkorn wird auf einer Sänfte durch die Straßen getragen. Er ist der zehnte König seit Beginn der Chakri-Dynastie 1782 und trägt auch den Namen Rama X. Foto:

Maschinen-Wartung

Tönsmann erklärt weiter, dass sein Cousin bis zum heutigen Tag für die Wartung der Maschinen verantwortlich sei. Der Teppich-Unternehmer bedauert, dass er nur einen halben Tag Zeit hatte, um sich mit Cousin Karl-Heinz auszutauschen. Dann nämlich ging es für den schon wieder in Richtung Thailand weiter – neben Kansas City die Heimat des Flugingenieurs.

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