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Wie Larissa Mattlage von der Luxus-Hotelmanagerin zur Schlossleiterin in Benkhausen wurde

Traumjob mit Umweg über London

Espelkamp-Gestringen  (WB). Für Larissa Mattlage ist ihr Arbeitsplatz einer der schönsten, die es gibt. Sie liebt den Moment, wenn sie morgens am Schloss Benkhausen ankommt »und es ist noch ganz ruhig«. Pünktlich zur Eröffnung des Hotels 2013 übernahm die 40-Jährige die Stelle als Leiterin des Schlosses.

Felix Quebbemann

Frotheimerin Larissa Mattlage ist Schlossleiterin in Benkhausen. Nach zwölf Jahren in Londoner Luxushotels entschied sie, in die Heimat zurückzukehren. Seitdem fühlt sich die zweifache Mutter sehr wohl an ihrem geschichtsträchtigen Arbeitsplatz. Foto: Felix Quebbemann

Die Frotheimerin aber hatte eine durchaus lange Reise hinter sich, bevor sie aus dem Nachbardorf nach Gestringen kam. Dabei wurde ihr die Liebe zum Hotelgewerbe quasi in die Wiege gelegt. Denn ihre Eltern hatten damals die Leitung des Frotheimer Hotels und Gasthauses Birkenhof inne. So hatte Larissa Mattlage schon sehr früh ersten Kontakt mit dem Hotel- und Gaststättengewerbe. Nachdem sie in Hille ihr Abitur gemacht hatte, führte sie ihr Weg in den Luisenhof nach Hannover, berichtet sie. In dem heutigen Fünf-Sterne-Luxus-Hotel beendete sie ihre Ausbildung als Hotelfachfrau. Die Reise sollte aber in Hannover für Larissa Mattlage noch lange nicht beendet sein.

15.000 Tagungsgäste pro Jahr

Doch bevor ihr nächster wichtiger Punkt im beruflichen Werdegang angesprochen wird, muss sich die Schlossleiterin erst einmal um das Tagesgeschäft kümmern. Tagungsgäste stehen vor der großen Schlosstreppe und haben gerade Pause. »Wir haben hier im Schloss etwa 15.000 Tagungsgäste im Jahr«, erläutert sie. Damit aber noch lange nicht genug.

Denn nicht nur die geballte Information spielt im beruflichen Alltag eine Rolle im nunmehr etwa 50-köpfigen Team des Schlosses Benkhausen. Denn das Schloss ist in der jüngeren Vergangenheit zu einem der beliebtesten Trauungsorte der Region geworden. »Im Jahr finden hier auch 70 Trauungen statt.«

An diesem Morgen begrüßt Larissa Mattlage unter anderem auch den ehemaligen Hauptamtsleiter der Stadtverwaltung Manfred Langhorst. Er kommt durch den Schlosspark geschlendert, um an einer Kuratoriumssitzung teilzunehmen. Sie begrüßt ihn persönlich, zeigt ihm den vorbereiteten Tagungsraum und erkundigt sich, ob es weitere Wünsche gibt.

Akribie und Gastfreundlichkeit

Diese Akribie und diese Gastfreundlichkeit zeichnen Larissa Mattlage und ihr gesamtes Team aus. Aber genau dies hat sie auch während ihres zwölfjährigen Aufenthaltes in London verinnerlicht. In der englischen Millionen-Metropole war sie innerhalb der Dorchester Collection, einer Hotelgruppe, tätig. Dort habe sie sich vom Service über die Buchhaltung bis schließlich zur Hotelmanagerin hochgearbeitet, berichtet sie. Neben dem Dorchester in London hat sie auch bei den beiden Hotels »Coworth Park« in Ascot und dem »45 Park Lane« entscheidend bei den Neueröffnungen mitgewirkt und zuletzt als Managerin gewirkt.

Dann aber gab es eine entscheidende Wendung im Leben von Larissa Mattlage: Sie wurde zum ersten Mal Mutter. »Ein Kind verändert alles«, blickt sie mit einem Lachen zurück. Sie habe ihre Arbeit in Großbritannien geliebt. Aber ihr war klar, dass der Nachwuchs neue Prioritäten erforderte. Der Zufall spielte schließlich eine große Rolle, dass die heutige Schlossleiterin und Mutter von inzwischen zwei Kindern zurück in die Heimat kam. »Meine Mutter hat mir erzählt, dass Paul Gauselmann das Schloss Benkhausen gekauft hat und daraus ein Hotel- und Schulungszentrum machen will.« Larissa Mattlage ergriff die Gelegenheit, sich für den Posten als Schlossleiterin zu bewerben.

»Alte Stallung« wird Tagungsraum

2013 war sie zur Eröffnung des Hotels bereits in Benkhausen. Seitdem, so Mattlage, habe sich unwahrscheinlich viel getan. In der Anfangszeit hätten sich etwa zehn Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen um 31 Zimmer gekümmert. »Heute arbeitet ein mehr als 50-köpfiges Team sieben Tage die Woche hier.« Der Wanderweg wurde angelegt und der Schiffsanleger eröffnet. Eine weitere Neuerung steht in den Startlöchern – ein neuer Schulungsraum mit einer Größe von 150 Quadratmetern und modernster Technik. Der Raum-Name »Alte Stallung« soll an die Geschichte des Schlosses erinnern. Mit ihrer Tätigkeit im Schloss ist für Mattlage ein Traum in Erfüllung gegangen.

Es sei zu jeder Jahreszeit der wunderschönste Arbeitsplatz in der Region, sagt sie. Erstmals seien in diesem Jahr auch zwei Auszubildende eingestellt worden – als Hotelfachfrau und als Koch. Großen Wert legt Mattlage zudem auf flexible Zeitarbeitsmodelle, da im Hotelteam viele Mütter, Schüler und Studenten arbeiten.

»Jeder ist willkommen«

Als Hotelfachfrau müsse man vor allem Eigenschaften wie Freundlichkeit und Dienstleistungsbereitschaft mitbringen. »Man muss Spaß am Kontakt mit Menschen haben, ihre Bedürfnisse erkennen und sich darum kümmern wollen«, gibt Mattlage Einblick in das Berufsbild. »Wenn der Gast sagt: Ich hatte einen perfekten Tag, haben wir alles richtig gemacht.«

Dabei betont die 40-Jährige, dass im Schloss nicht nur Unternehmen ihre Tagungen abhalten können. Das Hotel steht auch Privatpersonen zur Verfügung. Jeder ist willkommen. Und wer das Schloss einmal betreten hat, weiß, was Larissa Mattlage meint, wenn sie sagt, sie habe Respekt vor dem Gebäude. »Viele Menschen, die hier herkommen, haben eine persönliche Beziehung zu dem Schloss.« Es gebe so viele Menschen, die irgendwann einmal im Schloss gelebt und gearbeitet haben, so viele Menschen, die mit dem Baron etwas zu tun hatten – so haben zum Beispiel einmal Besucher eine alte Uhr abgegeben, die einst dem Baron gehörte. »Und dazu haben sie dann noch eine hoch interessante Geschichte erzählt.«

Vorliebe für gutes Essen und guten Wein

Auch deshalb sei es »unvergleichlich schön«, im Schloss Benkhausen zu arbeiten; aber nicht nur das Gebäude an sich, sondern das stilvolle, elegante Ambiente mit der herrlichen Parkanlage und dem Wanderweg durch den Wald begeistern sie.

Und so ganz nebenbei kann Larissa Mattlage auch noch ihren eigenen Vorlieben nachgehen. »Ich liebe gutes Essen, guten Wein, feines Geschirr und Besteck.« Auf Schloss Benkhausen ist Larissa Mattlage damit ihrem Glück ganz nah.

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