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Architekten-Wettbewerb für Thomas-Zentrum: Sieger holt Gemeindezentrum zweiteilig vor die Kirche 

Überraschender Entwurf überzeugt 

Espelkamp (WB). Der Architektur-Wettbewerb für das neue Thomas-Zentrum der Martins-Kirchengemeinde (wir berichteten am 22. September) ist beendet. »Das ist eine wichtige Wegmarke zur Realisierung«, sagte Pfarrer Falk Becker am Mittwoch bei der Eröffnung der Ausstellung der sechs eingereichten Entwürfe.

Arndt Hoppe

Johannes Schmersahl (Mitte) und Kollegen des Büros Biermann aus Bad Salzuflen haben mit ihrem Entwurf den Architekten-Wettbewerb zum Thomas-Zentrum gewonnen. Dazu gratulieren die Jury-Mitglieder Kurt Henning (links) und Pfarrer Falk Becker. Foto:

 Die Aufgabe, der sich die sechs beteiligten Architekturbüros gestellt hätten, sei eine »mit Haken und Ösen« gewesen. So musste das Gemeindehaus eine Verbindung zur Kirche schaffen, ohne sie in ihrer Funktion als Konzertsaal zu beeinträchtigen. Er musste überdies Räume für (Musik-)Gruppen, das Büro, den Undugu-Laden, eine Küche und Sanitärräume beinhalten. »Wir wollten einen Entwurf, der unsere Thomaskirche und das Gemeindezentrum zukunftsfähig macht, um den Preis, das Michaelshaus aufzugeben und das alte Thomashaus abzureißen«, machte Becker noch einmal unmissverständlich deutlich.

 Das Preisgericht, bestehend aus Fachjuroren (unter anderem Tobias Langemaak, einem Nachkommen des Schöpfers der Thomaskirche) sowie Vertretern der Kirchengemeinde, des Kirchenkreises, der Landeskirche und der Stadt, hat einen klaren Sieger ermittelt. Der Entwurf des Architekten-Büros Biermann, Schmersahl, Prüßner aus Bad Salzuflen dürfte viele Espelkamper genau so überraschen, wie er die Jury überrascht, überzeugt und begeistert hat.

 Ins Auge fällt sofort, dass der Entwurf das Gemeindehaus nicht hinter der Thomaskirche belässt, sondern es nach vorne an die Isenstedter Straße holt und die Gemeinderäume auf zwei Baukörper verteilt. Diese flankieren die Kirche und umgeben mit ihr einen Vorplatz, in dessen Mitte die Skulptur des Heiligen Martin einen zentralen Platz einnimmt. »Die Ästhetik dieses singulären Langemaak-Baus wird unterstrichen und nicht beschädigt. Sie wird durch die behutsame Anbindung nicht gestört sondern gerahmt«, gab Falk Becker die Auffassung der Jury wieder. »Die Kirche wird eng in die Abläufe des Gemeindelebens eingebunden. Der entstehende Vorplatz dient gleichzeitig als Erweiterung des Foyers. Er ist wie eine Einladung an die Stadt«, sagte er.

 Der Clou des Entwurfes, die Gemeinderäume nach vorne zu holen, löste gleichzeitig die zentrale Aufgabe, dass das Gebäude eine direkte Verbindung zur Kirche haben soll. Bliebe das neue Gemeindehaus hinter der Kirche, müsste dafür ein Niveauunterschied von 1,80 Metern barrierefrei überwunden werden. Dieses Problem hat der Sieger-Entwurf elegant gelöst. Gleichzeitig bindet er das bestehende Thomaskirchen-Foyer – das häufig kalt und zugig ist – mit in die Glasgang-Verbindung zwischen den beiden Gemeindehausteilen ein.

 Thorsten Blauert, Sachgebietsleiter der Stadt, lobte bei der Ausstellungseröffnung in der Thomaskirche die gute Zusammenarbeit bei dem Verfahren, das von Architekt Reinhard Drees aus Bielefeld geleitet wurde. »Ich würde mir wünschen, dass die Entwürfe auch der Politik vorgestellt würden.«

 Auch Baukirchmeister Kurt Henning hatte Lob für das kompetente, fachlich gut vorbereitete und faire Verfahren des Wettbewerbs. Am Sieger-Entwurf gefalle ihm der »Anbau mit kurzen Wegen«. An der gewählten Lösung sei außerdem optimal, dass die Menschen in Kirche und Gemeindezentrum hineingehen könnten, »wo sie es gewohnt sind«.

 Wettbewerbsmanager Reinhard Drees erläuterte den etwa 30 Zuhörern den Ablauf des Verfahrens, das nach festen Regeln ablaufe, wobei die Kirche als »privater Auslober« angesehen werde. Daher sei es anders als bei öffentlichen Ausschreibungen. Nachdem alle Wettbewerber ihre Entwürfe und Modelle eingereicht hätten, habe das Preisgericht in mehreren Rundgängen und nach eingehenden Diskussionen darüber befunden. »Es ist ein streng anonymes Verfahren, Name oder Ort des Architekten sind unbekannt.«

 Dotiert war der Wettbewerb mit 10000 Euro. Der Sieger erhält davon 5500 Euro. Die Zweitplatzierten (Quack und Kirchhoff, Herford) gewinnen 3500 Euro. Einen Anerkennungspreis von 1000 Euro geht an das BKS-Architektenbüro aus Lübbecke. Die anderen drei gehen leer aus. Umso mehr galt ihnen Drees' Dank und die Anerkennung der Jury für ihre Beteiligung. »Alle Entwürfe haben ihre Stärken«, sagte er.

 Sie alle sind noch in der Ausstellung bis zum ersten Wochenende im Januar im Vorraum der Thomaskirche zu besichtigen, immer wenn das Gotteshaus geöffnet ist.

 Im Frühjahr wird es eine Gemeindeversammlung geben, wo die Mitglieder zu den Entwürfen gehört werden. Danach berät das Presbyterium noch einmal eingehend, bevor es letztendlich die Entscheidung fällt.

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