1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Espelkamp
  6. >
  7. Von Freude, Farbe und Finanzen

  8. >

Viele Anfragen vor Wiederöffnung bei Salon Klingel in Espelkamp – Warten auf Überbrückungshilfe

Von Freude, Farbe und Finanzen

Espelkamp - WB

Die Friseure gehören zu den ersten Berufsgruppen, die sich über eine Wiedereröffnung nach dem Lockdown freuen können. „Das ist sehr schön“, sagt zum Beispiel der Espelkamper Friseurmeister Kai Klingel, der seitdem – wie sicherlich die meisten Salons – alle Hände voll zu tun hat, die hereinkommenden Anfragen zu bewältigen.

Arndt Hoppe

Die Nachfrage nach Friseurterminen ist groß, seit die Wiederöffnung zum 1. März bekanntgegeben worden ist. Friseurmeister Kai Klingel und Auszubildende Ronja Schaak haben alle Hände voll zu tun, die Telefonate zu bewältigen. Foto: Andreas Kokemoor

Denn diese trudelten zu hunderten auf dem Anrufbeantworter ein, nachdem das Ende des Lockdowns für Friseure bekannt gegeben wurde.

„Seit heute Morgen habe ich schon 124 Anrufe erledigt, bis zum Abend hatte ich noch 58 weitere auf meiner Liste“, sagte er am vergangenen Freitag auf Anfrage dieser Zeitung. Und auch in den folgenden Tagen gab es viel weitere Vorbestellungen. „All diese Termine können wir natürlich nicht in den ersten Tagen abarbeiten“, sagt er. „Aber wir versuchen alles, damit unsere Kunden so schnell wie möglich wieder eine schöne Frisur bekommen.“ Zwei Drittel der Buchungen seien von Frauen und ein Drittel von Männern gekommen. „Sehr gefragt ist vor allem frische Farbe für die Frisur“, weiß Klingel zu berichten.

Dafür werden in seinem Salon ab dem 1. März alle Mitarbeiterinnen wieder am Start sein, die seit dem zweiten Lockdown – also seit dem 15. Dezember – in Kurzarbeit waren. „Nur unsere Auszubildende durften wir nicht in Kurzarbeit schicken“, berichtet Kai Klingel. Dass Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit gehen mussten, das habe es in den 55 Jahren, die es den Salon in Espelkamp gibt, noch nicht gegeben. „Mein Vater hat mir auch gesagt, dass er froh ist, dass er das in seiner aktiven Zeit im Geschäft nicht erleben musste“, sagt Kai Klingel, der als Friseurmeister die Familientradition seines Vaters Herbert weiterführt.

Sechs-Tage-Woche

Um möglichst viele Menschen in möglichst kurzer Zeit wieder von ihrer „Corona-Matte“ zu befreien, arbeitet der Salon Klingel ab 1. März in einer Sechs-Tage-Woche. „Wir verteilen die Arbeit so, dass dabei keine unserer Mitarbeiterinnen über ihre 40-Stunden-Woche kommt. Wir kriegen das hin, weil wir einige Kolleginnen haben, die in Teilzeit arbeiten und wir so die sechs Tage komplett abdecken können.“ Das gelingt auch deshalb, weil die Zahl der Kunden im Salon am Wilhelm-Kern-Platz weiterhin auf vier Personen begrenzt bleibt.

Denn an den Hygiene- und Corona-Schutzmaßnahmen wird sich durch die Öffnung erst einmal nichts ändern. „Davon gehe ich jedenfalls nicht aus“, sagt Kai Klingel. „Aber das weiß man ja nie so genau. Da muss man notfalls flexibel reagieren, wenn eine neue Regelung eingeführt wird.“ Das aktuelle Hygiene-Konzept sei jedenfalls auch vom Ordnungsamt abgenommen, und die Zahl der Kunden entsprechend reduziert, die gleichzeitig im Salon bedient werden dürfen.

Hilfe von Dezember fehlt

Auch wenn es durch die Wiederöffnung für Friseure bergauf geht, ist die Freude bei Kai Klingel nicht ungetrübt. „Auf die Überbrückungshilfe 3 warten wir noch immer“, sagt er. „Das Geld von Dezember steht noch aus. Von Januar und Februar brauchen wir gar nicht reden.“ Vieles sei von der Politik vollmundig versprochen worden, aber leider hapere es dann doch bei der Umsetzung. „Es wäre schön, wenn das Kurzarbeitergeld bald kommen würde“, sagt Klingel.

Er selbst könne von Glück sagen, dass er in der Zeit nach dem ersten Lockdown einigen Umsatz habe erzielen können, um zumindest ein kleines Polster zu haben. „Aber es hätte uns das Jahr 2020 bestenfalls halbwegs gerettet, wenn wir bis Weihnachten hätten offen bleiben dürfen“, sagt Klingel.

Für das Kosmetikstudio, das seine Frau in Espelkamp betreibt, gelte auch über den 1. März hinaus der Lockdown. Diese Branche bleibe – wie so viele andere Gewerbebetriebe – weiterhin von der Schließung ihrer Geschäfte betroffen sind.

Grundsätzlich zeigt Friseurmeister Klingel allerdings großes Verständnis für die Corona-Schutzmaßnahmen. „Die Lage mit den sehr hohen Inzidenzwerten für Espelkamp war schon zeitweilig katastrophal“, sagt er.

Startseite