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Marlies Kalbhenn liest in Stadtbücherei

Was Heimat bedeutet

Espelkamp (WB/ko). »Zur Heimat erkor ich mir die Liebe«: Unter diesem Titel hat die heimische Autorin Marlies Kalbhenn eine Lesung ausgewählter bekannter, aber auch ihr zuvor unbekannter Gedichte, Verse und Geschichten in der Stadtbücherei Espelkamp vorgetragen. Ein Publikum von etwa 20 Literaturfreunden hörte ihr gespannt und interessiert zu.

Eine Auswahl bekannter, unbekannter und eigener Texte zum Thema Heimat hat Marlies Kalbhenn vorgelesen. Foto: Andreas Kokemoor

»Heimat ist in aller Munde«, sagte Sabine Berges, Leiterin der Bücherei vor Beginn des literarischen Abends mit Kalbhenn. Applaus erhielt die kürzlich ausgezeichnete Autorin für ihre eigenen zur Zeit bislang unveröffentlichten Werke »Das Braun bricht aus den Zweigen« und »Doch denke ich Heimat«.

Immaterielle Heimat

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie die drei Werke »Deutschland, ein Wintermärchen«, »Ich weiß nicht, was soll es bedeuten« und »Nachtgedanken« ihres Lieblingsdichters Heinrich Heine ankündigte. Ein »Muss« sei für sie das »Abendlied – Der Mond ist aufgegangen« von Matthias Claudius gewesen. Kalbhenn erläuterte, dass diese Zeilen ganz viel immaterielle Heimat wiedergeben würden. Die eigentliche Heimat sei nicht auf Erden sondern im Himmel, erläuterte sie Gedanken von Vertriebenen.

Passend dazu waren auch die Strophen von Paul Gerhardt »Ich bin ein Gast auf Erden«. Diese wollten sagen, »dass die Heimat ›da oben‹ ist«. Ein weiteres Muss seien ihr in diesem Zusammenhang auch Zeilen aus Martin Luther Kings »Nobelpreisrede« gewesen.

Gegenstück zur Nationalhymne

Marlies Kalbhenn hatte für den Vortrag außerdem »Die Kinderhymne« von Bertolt Brecht ausgewählt. »Brecht schrieb sie in der Nachkriegszeit als Gegenstück zur Nationalhymne, die er nach der Zeit des Nationalsozialismus als nicht mehr verwendbar empfand. Zur Zeit der Wiedervereinigung war sie als neue deutsche Nationalhymne im Gespräch«, erklärte Kalbhenn.

Passend zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung und aktuellen Geschehnissen in Bezug auf Fremdenhass las sie auch aus »Der andorranische Jude« von Max Frisch. »Viele Menschen aus dem Umfeld von jüdischen Mitbürgern sagten damals und sagen auch noch heute als Ausrede: Wir haben doch nichts getan.« Denen könne man heute entgegenhalten »Ja. – Aber auch nichts Gutes«, sagte Kalbhenn.

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