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Turbulente Krimikomödie „8 Frauen“ kommt im Espelkamper Theater (fast) ohne Mann aus

Wehe, wenn sie losgelassen sind

Espelkamp (WB). Mehr als eine Million Kinobesucher haben die französische Kriminalkomödie „8 Frauen“ mit unter anderem Catherine Deneuve 2002 in Deutschland gesehen. Der Erfolgsfilm geht zurück auf das Theaterstück „Huit Femmes“ von Robert Thomas aus dem Jahr 1962. Im Neuen Theater hat das Ensemble von Theaterlust jetzt dieses Stück turbulent und humorvoll auf die Bühne gebracht. Und wie der Name schon verrät, haben die acht Frauen diese Bühne ganz für sich.

Jan Lücking

Auch die Mutter Gaby (dargestellt von Gabriele Graf) ist keineswegs so brav, wie man zunächst meinen könnte. Zahlreiche Musik- und Tanznummern sorgen für einen abwechslungsreichen Theaterabend in Espelkamp. Foto: Jan Patrick Lücking

An einem verschneiten Morgen in einem französischen Ort während der frühen 1950er Jahre: Die Tochter des Hauses, Suzon (dargestellt von Marget Flach), die in England studiert, kehrt über Weihnachten nach Hause zurück. Das Haus ist sehr abgelegen. Hier wohnen auch die jüngere Schwester Catherine (Anuschka Tochtermann), ihre Mutter Gaby (Gabriele Graf), die Großmutter Mamy (Christa Pillmann), die Köchin Madame Chanel (Eva Wittenzellner), Tante Augustine (Anja Klawun) und das Hausmädchen Louise (Dagny Dewath). Suzons Vater Marcel, der einzige Mann im Haus, schläft noch und lässt sich nicht blicken. Als das Hausmädchen Louise ihm das Frühstück auf sein Zimmer bringt, macht sie eine schreckliche Entdeckung und findet den Hausherrn mit einem Brieföffner erstochen in seinem Bett vor – und jede der anwesenden Frauen hat ein Mordmotiv. Die turbulenten Entwicklungen nehmen ihren Lauf. Später kommt auch noch die achte Frau, Pierette (Nathalie Schott), hinzu, die Schwester von Marcel.

Imposantes Bühnenbild

Vor einem imposanten Bühnenbild, einer großen weißen Holztreppe, beginnen die wilden Spekulationen und Verdächtigungen, wer von den Hausbewohnerinnen ein Interesse daran gehabt haben könnte, Marcel zu ermorden. Doch im Stück geht es gar nicht unbedingt nur darum, den Mörder zu finden.

Schon deutlich vor der modernen Emanzipationsbewegung der 1970er Jahre geschrieben, zeigen die Handlung und die ausdrucksstarken Darstellerinnen des Ensembles, dass sich diese Frauen mit den gesellschaftlichen Zwängen ihres Geschlechts nur vordergründig arrangieren. Da schreckt etwa die Großmutter schon vor Jahren nicht vor dem Mord am lästig gewordenen Ehemann zurück, und nahezu alle Frauen haben mindestens noch eine Affäre, die ihnen das Leben angenehmer macht. Der vermeintliche Mord ist nebensächlich. Alle Frauen lügen, haben etwas zu verbergen und sind darauf bedacht, sich selbst in eine vorteilhafte Position zu bringen.

Humorvolle Texte

Aufgelockert wird die Handlung des Stückes durch energiegeladene Choreografien und Lieder. Elemente des Musicaltheaters bereichern so das Theaterstück. Die humorvollen Texte der Lieder kamen gut beim Espelkamper Publikum an und wurden mit Applaus honoriert. Etwa als das Hausmädchen Louise, überzeugend gespielt von Dagny Dewath, der sich als graues Mäuschen gebenden Augustine (Anja Klawun) in einem frivolen Lied mit lasziven Bewegungen erklärt, wie sie die Männer um den Finger wickelt. Am Ende stellt sich heraus, dass der Mord an Marcel nur von Tochter Catherine inszeniert war. Als Marcel jedoch nach und nach mitbekommt, was die Frauen in seinem Haus so wirklich über ihn denken, wählt er den Freitod.

Doch das Stück wird nicht zur Tragödie: Das Leben für die Frauen geht vielmehr weiter, und Gaby hatte ohnehin die Absicht sich von Marcel zu trennen. Am Ende gibt es viel Applaus. Ein gelungener und kurzweiliger Theaterabend im Neuen Theater, bei dem es manchem Besucher aber vielleicht auch einmal zu turbulent auf der Bühne herging.

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