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„Bunt statt schwarz-weiß“ in Espelkamp veranstaltet Online-Diskussion zum Thema Rechtsrock

Wenn Musik zur Hetz-Propaganda wird

Espelkamp

Unter dem Motto „Musik von Rechts“ hat die Espelkamper SPD während der „Bunt statt schwarz-weiß“-Aktionswochen zu einer Zoom-Videokonferenz eingeladen.

Jan Lücking

Referent Timo Büchner zeigt in seinem Vortrag zum Rechtsrock auch Fotos mit bizarr anmutenden Szenen von Festivals Foto: Screenshot Jan Lücking

Zu Gast war Autor Timo Büchner aus Baden-Württemberg, der sich seit vielen Jahren gegen die extreme Rechte engagiert und Bücher zu dem Thema veröffentlicht hat. In seinem Vortag hat er die 16 Teilnehmer über Antisemitismus im Rechtsrock informiert.

Referent ist Experte

Moderiert wurde die Videokonferenzvon Fabian Golanowsky und Iris Finke vom Isy7 aus. Sie las im Anschluss an den Vortag von Timo Büchner die Fragen der Teilnehmer vor. Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, die Videokonferenz im Livestream auf Facebook zu verfolgen. Der Autor hat Politische Wissenschaften und Jüdische Studien in Heidelberg studiert und hat unter anderem das Buch „Weltbürgertum statt Vaterland. Antisemitismus im Rechtsrock“ veröffentlicht.

Zu Beginn seines Vortages erklärte Timo Büchner, dass er aus Sicherheitsgründen seine Kamera ausgeschaltet habe. Er recherchiere viel zum Thema Rechtsextremismus und wolle deshalb möglichst keine Bilder von sich im Netz verbreiten, um sich zu schützen, sagte Büchner.

Konzerte stärken Gemeinschaftsgefühl

Der Begriff Rechtsrock wurde Anfang der 2000er Jahre geprägt. Er beschreibt eine Musik mit extrem rechten Inhalten. Timo Büchner erklärt, was das heißt: „Die Inhalte sind zum Beispiel antisemitisch, rassistisch, nationalistisch, verherrlichen den Nationalsozialismus, sie sind sexistisch und homophob.“ Gerade Rechtsrockkonzerte und andere Konzertveranstaltungen würden für die Neonaziszene eine ganz zentrale Rolle spielen, sagte der Referent und bezeichnete diese Konzerte als „Herzstück einer extrem rechten Lebenswelt“.

Die Teilnehmer erfuhren so, dass diese Veranstaltungen bei ihrem Publikum ein starkes Gemeinschaftsgefühl erzeugten und Orte des Austausches und der Vernetzung seien. Anhand von Textbeispielen aus entsprechenden Liedern und unter der Verwendung eines NS-Propagandaplakates zeigte Timo Büchner auf, welche der zahlreichen Feindbilder in den rechtsextremen Liedern besungen werden. Ganz bewusst verzichtete der Autor dabei auf Hörbeispiele, weil diese Aufnahmen sich in einer Videokonferenz unkontrolliert verbreiten könnten.

„Ein wichtiger Punkt ist, dass wir erst von Rechtsrock sprechen, wenn sich die ex­trem rechten Inhalte im Liedtext verdichten“, sagte Timo Büchner und betonte, dass man immer das musikalische Gesamtwerk betrachte und man dabei gebündelt die extrem rechten Inhalte feststellen müsse, um von Rechtsrock zu sprechen. So grenzte der Autor Rechtsrock vom „Deutschrock“ ab, der durchaus auch nationalistische Inhalte beinhalten kann.

Vertrieb läuft heute online

In der anschließenden Diskussionsrunde stellten die Teilnehmer der Videokonferenz über die Chatfunktion von Zoom Fragen. Timo Büchner erläuterte, dass rechtsextreme Bands häufig im Verborgenen agieren würden und man die Mitglieder manchmal nur mit geheimdienstlichen Mitteln aufspüren könne. Auf die Frage eines Teilnehmers, wie sich die rechtsex­treme Musik verbreiten würde, antwortete der Autor, dass die früher bekannten rechtsextremen Schulhof-CDS keine Rolle mehr spielen würden. Heute würde sich die Musik unter anderem über Streamingdienste, den Onlinehandel oder Chatgruppen in Messengerdiensten verbreiten.

„Kommunen können rechtsextreme Konzerte dadurch verhindern oder erschweren, dass sie es den Konzertveranstaltern möglichst schwer machen, Immobilen anzumieten oder zu kaufen“, sagte Timo Büchner zu den Möglichkeiten, von Seiten der Behörden rechtsextreme Konzerte zu verhindern. So erfuhren die Teilnehmer von Timo Büchner auch, dass das Verhindern von rechtsextremen Konzerten in Baden-Württemberg sehr gut gelingen würde, während diese Veranstaltungen in Thüringen einfacher durchzuführen seien.

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