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Verwaltungsrat votiert einstimmig für die Entwürfe zum Espelkamper Waldfreibad

»Wir müssen uns trauen«

Espelkamp (WB). Schwimmen, Toben, Relaxen, Spaß haben – das Waldfreibad steht für all dies und für so vieles mehr. Das wird auch in den nächsten Jahrzehnten so bleiben. Denn der Verwaltungsrat hat einstimmig für einen Umbau des Bades gestimmt.

Felix Quebbemann

So soll künftig das neue Waldfreibad in Espelkamp aussehen. Die Insel ist verschwunden. Dafür gibt es eine Halbinsel mit Sprudelliegen und Nackenschwalldüsen. Das Kinderbecken liegt direkt neben dem Kiosk. Es gibt eine Riesenrutsche und einen Liegebereich.

Das Schöne an diesem Votum ist: Sowohl die Fraktionen wie auch die Betreiber des Bades – Stadtwerke AöR und der Verein Pro Waldfreibad – können sich mit den Entwürfen arrangieren.

Es hatte lange Zeit so ausgesehen, dass verschiedene Interessen aufeinanderstoßen. Fragen wie: »Soll die Insel bleiben?« oder »Gibt es eine 50-Meter-Bahn?« konnten nicht abschließend geklärt werden. Erst Anfang des Monats zeichnete sich nach Angaben des Vorsitzenden des Waldfreibadvereins, Horst Radtke, eine einvernehmliche Lösung ab.

Insel hinterfragt

Radtke sagte nach der Sitzung am Donnerstag dieser Zeitung, dass er das Lachen »heute jedenfalls nicht mehr aus dem Gesicht bekommt«. Die Entscheidung im Verwaltungsrat war sehr wichtig für den Verein.

Klaus Hagemeier, Vorstand der Stadtwerke AöR, stellte den Entwurf dar und zeigte auf, was sich künftig im Bad ändern werde. »Die Insel wurde hinterfragt«, sagte er. Und dies mündet nun darin, dass es nur noch eine Halbinsel gibt, die den Schwimmer- vom Nichtschwimmerbereich trennt. Die Beckengeometrie sei optimiert worden, so Hagemeyer weiter. Und im Vergleich zum ursprünglichen Plan hat der Verein Pro Waldfreibad eine größere Wasserfläche bekommen. Sie misst nun 850 statt wie vorgesehen 800 Quadratmeter.

Der Verein, so Radtke, wollte in jedem Fall mehr Wasserfläche. Eine 50-Meter-Bahn jedoch wurde seitens der Planer ausgeschlossen. »Wenn ihr nicht in die Länge gehen wollt, dann gehen wir halt in die Breite«, erinnerte sich Radtke an die Verhandlungen. Und so wurde das Becken um 50 Quadratmeter vergrößert. Der Schwimmbereich umfasst jetzt 437 Quadratmeter, der Nichtschwimmerbereich 501 Quadratmeter, das Kleinkinderbecken 70 Quadratmeter. Alle drei Becken zusammen haben eine Fläche von 921 Quadratmeter auf.

Kosten sparen

Um Kosten zu sparen, werde der neue Beckenkörper im derzeit vorhandenen Becken platziert, erläuterte Hagemeier. »Die Wasserspiegellage wird etwas angehoben. Die Sprungtürme werden vom westlichen Bereich nach Süden verlagert.«

Die Wassertiefe erreicht im Nichtschwimmerbecken 1 bis 1,35 Meter, im Schwimmerbecken 1,80 Meter. Im Sprungbereich ist das Wasser gar 3,80 Meter tief. »Dort muss die Beckenwand neu betoniert werden«, sagte Hagemeier.

Es wird eine Brodelbucht, eine Nackenschwalldüse, einen Schaukelbereich, Sprudelliegen am Steg und eine Breitwellen-Rutsche geben. UV-Schutz im Kinderbeckenbereich sowie Liegedecks entlang des Wassers seien optional, so Hagemeier. Auf drei Bahnen können die Schwimmer im normalen Betrieb ihre Bahnen ziehen. Im Schwimmerbereich werde auch das große Wasserspielzeug eingesetzt. Dieser Bereich könne optional je nach Besucheraufkommen auf sieben Bahnen vergrößert werden.

Es gebe im Kinderbecken-Bereich diverse Spiel- und Aufenthaltsflächen. »So kann die Aufenthaltspflicht der Eltern gut wahrgenommen werden«, sagte Hagemeier.

Technikgebäude bauen

Ein neues zweistöckiges Technikgebäude, in dem unter anderem die Filteranlage sowie der Pumpenbereich untergebracht sind, wird im Westen des Freibadgeländes, in der Nähe der Trakehner Straße, gebaut. Dieses wird eine Länge von 17 Metern und eine Breite von 11 Metern aufweisen. Und die Technik sei umfangreich, sagte Hagemeier. Trotz einer kleineren Wassermenge im Vergleich zum jetzigen Bad, »benötigen wir mehr Platz für die Technik«.

Es werde eine massive Eingrünung des Beckenbereichs geben, so dass die Liegebereiche geschützt seien. »Wir wollen auch weg von der reinen Heckenkultur und von den Bodendeckern. Das ist etwas stupide.« Stattdessen sollen bunte Stauden für Aufenthaltsqualität sorgen.

Der Umbau soll 3,742 Millionen Euro kosten, von denen im Idealfall, so Bürgermeister Heinrich Vieker, aus dem Fond Soziale Integration im Quartier bis zu 80 Prozent durch Bund und Land gefördert werden könnten. Real rechne er aber mit einer Förderung von 75 Prozent. Da es durch die Umplanung zu höheren Betriebskosten komme und auch mehr Personal notwendig sei, werde wohl eine Steigerung des Eintritts nicht vermieden werden können, erklärte Hagemeier.

Bürgermeister Heinrich Vieker erklärte aber, er kenne keine Stadt, die einen besseren Platz für ein Freibad habe als Espelkamp. »Es ist eine gute Sache, dass wir soweit sind.« Die Förderung soll bis zum 28. Februar beantragt werden. Klaus Hagemeier fügte an, dass die neuen Entwürfe ein guter Konsens seien. »Das ist ein gutes Angebot. Wir müssen uns nur trauen.«

Politiker unterstützen

Hartmut Stickan (SPD) sagte zu den Planungen: »Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich ich bin. Wir sind auf einem sehr guten Weg.« Dies bestätigte Wilfried Windhorst (CDU): »Ich hätte vor zwei Jahren nicht gedacht, dass wir heute soweit sind. Ich danke dem Verein.« Finanziell werde die Investition der Stadt für die nächsten 20 bis 25 Jahre viel abverlangen. »Es ist aber eine gute Entscheidung für Espelkamp«, so Windhorst. Der Plan ist, die Bauarbeiten im kommenden Jahr zu beginnen, so dass das neue Waldfreibad im Jahr 2021 an den Start gehen kann. Reinhard Hülsmann (Unabhängige) sagte, auch ihm hätten die Pläne gut gefallen.

Bürgermeister Vieker erklärte abschließend, dass nun alle Daumen gedrückt werden müssten, damit Espelkamp mit dem Projekt auch in die Förderung komme. »Der erste Schritt ist gemacht«, sagte er mit Blick auf das einstimmige Votum im Verwaltungsrat. Der zweite Schritt folge am kommenden Mittwoch. Dann muss der Entwurf durch den Rat.

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