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Stadt bereitet sich auf Flüchtlingswelle vor – Vieker kritisiert „verbrecherischen Krieg“

Wohnraum wird dringend benötigt

Espelkamp

Die Stadtverwaltung in Espelkamp bereitet sich auf eine Flüchtlingswelle aus der Ukraine vor. Dafür arbeitet die Verwaltung mit der Aufbaugemeinschaft zusammen. Zudem wurde eine Hotline eingerichtet. Für Freitag, 4. März, ist zudem eine Friedenskundgebung vorgesehen.

Von Felix Quebbemann

Die Stadt Espelkamp sucht freien Wohnraum für Flüchtlinge aus der Ukraine. Die Wohncontainer am Hindenburgring wurden während der Flüchtlingskrise 2014/15 errichtet. Foto: Felix Quebbemann

Die Stadt Espelkamp, die Verwaltung und auch die Bürger bereiten sich darauf vor, Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen. Bereits vor wenigen Tagen hat Sozialamtsleiter Friedrich Schumacher gesagt, dass in der Verwaltung vorbereitende Maßnahmen liefen. Nun wird es etwas konkreter.

Erforderliche Kapazitäten

In einer Pressemitteilung betonte Bürgermeister Dr. Henning Vieker, dass man „sich intensiv auf die Aufnahme vieler ukrainischer Flüchtlinge“ vorbereite. Und der Verwaltungschef fand deutliche Worte zu den Geschehnissen und der Situation in der Ukraine. „Der von Präsident Putin vom Zaun gebrochene verbrecherische Krieg zwingt Millionen Menschen, ihre Heimat zu verlassen. Darunter werden viele Frauen und Kinder sein, weil die wehrpflichtigen Männer im Land bleiben“, so die Lageeinschätzung von Bürgermeister Dr. Henning Vieker. Es gelte zunächst vor allem, ausreichend Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen. „Die Stadt Espelkamp selbst verfügt aller Voraussicht nach nicht über die erforderlichen Kapazitäten. Wir werden auf privaten Wohnraum angewiesen sein“. Mit der Aufbaugemeinschaft als größtem Wohnungsunternehmen vor Ort hat der Bürgermeister daher bereits gesprochen. „Geschäftsführer Sascha Golnik hat mir jede mögliche Unterstützung zugesagt“.

Espelkamps Bürgermeister Dr. Henning Vieker. Foto:

Auch zu den Espelkamper Religionsgemeinschaften hat Henning Vieker Kontakt aufgenommen und sie um Unterstützung gebeten. Er bittet aber ausdrücklich um weitere Hilfsangebote aus der Bürgerschaft. „Wer freien Wohnraum hat, über hilfreiche Sprachkenntnisse verfügt, auf sonstige Weise unterstützend tätig sein möchte oder einfach Fragen zum Thema hat, kann sich an die Espelkamper Hotline zur Ukra-ine-Krise wenden unter Telefon 05772/562300.“ Sie ist montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 Uhr bis 13 Uhr erreichbar. Eine Kontaktaufnahme per E-Mail ist rund um die Uhr unter soziales@espelkamp.de möglich.

Dr. Henning Vieker

„Das Vorgehen von Präsident Putin ist abscheulich. Er bringt unermessliches Leid über die Ukraine. Wir dürfen aber nicht das russische Volk insgesamt schuldig sprechen, das selbst unter diesem Tyrannen leidet“, betont der Bürgermeister.

Für mögliche Ukraine-Flüchtlinge verfüge Espelkamp derzeit über 21 freie Plätze, sagte Stadtpressesprecher Torsten Siemon auf Nachfrage dieser Zeitung. Dies sei eine provisorische Zahl und eine Momentaufnahme. „Es können noch mehr Plätze geschaffen werden“, sagte Siemon. Viel Hoffnung setzt die Stadt auf die Zusammenarbeit mit der Aufbaugemeinschaft. Doch sei die Situation heute eine andere als zur Flüchtlingskrise 2014/15. Damals habe es zum Beispiel noch keinen Coronavirus gegeben. Dies erschwert die Unterbringung zusätzlich. Es könnten nicht so viele Menschen an einem Ort untergebracht werden, wie noch vor rund sieben Jahren. Sie müssten großzügiger verteilt werden, um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden. Momentan herrscht noch die Ruhe vor dem eventuellen Sturm. Aber Siemon sagt: „Angekündigt sind bereits Flüchtlinge.“ Viele würden direkt von der Ukraine zu ihren Verwandten fahren – und dadurch direkt in die Stadt kommen, ohne die Zwischenstation einer Flüchtlingssammelstelle. Eine Prognose der Situation sei schwer. „Das hängt von so vielen Faktoren ab.“

Stadtpressesprecher Torsten Siemon. Foto: Stadt Espelkamp

Auch weitere Einrichtungen bereiten sich vor. So sagte Siemon ebenfalls, dass zum Beispiel die DRK-Kleiderkammer Material benötigen werde. Schließlich kämen die Flüchtlinge mit ihren Autos. Und da sei die Kapazität begrenzt. Doch wie es sich in der Realität letztlich darstellen wird, sei noch nicht abzusehen. Eine Prognose sei, „wie im Nebel zu stochern“, so Siemon. Er geht aber davon aus, dass Flüchtlinge in Espelkamp ankommen, „womöglich viele, und da müssen wir sehen, dass wir vorbereitet sind“. Bereits während der Flüchtlingskrise 2014/15 hat die Stadt Espelkamp unter anderem mit der Aufbaugemeinschaft zusammen gearbeitet. Zudem wurden im Zuge dessen zwei Flüchtlingswohnheime in der Stadt aufgebaut. Dauerhaft ist eines am Hindenburgring entstanden. Ein weiteres wurde auf dem Festplatz an der General-Bishop-Straße errichtet. Dieses war jedoch nur zeitlich begrenzt dort ansässig und wurde mittlerweile wieder abgebaut.

Friedenskundgebung

Für Freitag, 4. März, ist zudem eine Kundgebung gegen den Krieg in der Ukraine vorgesehen. Beginn ist um 17 Uhr auf dem Wilhelm-Kern-Platz. Initiiert wird diese Veranstaltung unter anderem vom Verein Mitmenschen und dem Jugendmigrationsdienst.

Über die aktuelle Entwicklung durch den russischen Angriff auf die Ukraine halten wir Sie in unserem Liveticker auf dem Laufenden.

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