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Blick auf die Pflegesituation im Kreis Minden-Lübbecke: fehlender Nachwuchs und steigende Zahlen bei alten und kranken Menschen

Fachkräfte dringend gesucht!

Lübbecke/Minden

Im Kreis Minden-Lübbecke sind mit Stand 2021 5618 Personen in der Gesundheits- und Krankenpflege und 2631 Personen in der Altenpflege beschäftigt. Im Durchschnitt verdienten Fachkräfte in der Branche im Kreis 2020 3637 Euro brutto im Monat. Diese Zahlen hat die Agentur für Arbeit anlässlich des Internationalen Tags der Pflege am 12. Mai vorgelegt.

Aus Zahlen der Agentur für Arbeit wird deutlich: Für die immer weiter alternde Bevölkerung in Deutschland gibt es nicht genug Pflegepersonal. Im Mühlenkreis sind etwas mehr als 2600 Personen in der Altenpflege tätig. Foto: Tom Weller/dpa

Sowohl bei den Beschäftigten als auch beim Entgelt sei dies ein Anstieg, rechnet Frauke Schwietert, Leiterin der Herforder Arbeitsagentur, vor. Und doch: „Für die alternde Bevölkerung gibt es nicht genug Pflegepersonal – die Vakanzzeit von offenen Arbeitsstellen liegt in der Pflege viel höher als im Durchschnitt.“

Woran das liegt, wird in der Öffentlichkeit heiß diskutiert – müssen sich Lösungsansätze doch am Problem orientieren. Auch Frauke Schwietert kennt die Herausforderungen: „Der demografische Wandel ist für alle Branchen am Arbeitsmarkt eine Herausforderung. Allerdings kommen in der Pflegebranche noch weitere Faktoren hinzu. Zunächst mal ist es eine sehr herausfordernde Arbeit – körperlich wie psychisch – bei der die Angestellten viel Verantwortung übernehmen müssen. Das macht die Arbeit aber auch zu einer besonders wertvollen für die Gesellschaft.“ Diese Leistung müsse entsprechend entlohnt werden.

Hinzu käme neben den fehlenden Nachwuchskräften auch die steigende Nachfrage in der Pflegebranche: „Während andere Branchen nur mit Altersabgängen und fehlendem Nachwuchs zu kämpfen haben, steht die Pflegebranche parallel vor der Aufgabe, mehr ältere und in dem Zuge oft auch kränkere Menschen zu betreuen.“ Eine Herausforderung, die mit wenig Personal kaum zu stemmen sei.

Internationaler
Tag der Pflege

Was können also Lösungen sein? „Zum einen wird in diesem Zusammenhang die bessere Bezahlung genannt. Man vernimmt aber auch immer mehr aus den Kreisen der Pflegekräfte, dass auch dies für einige nicht den gravierenden Unterschied machen würde. Vielmehr wünschen viele sich weniger Belastung und Stress im Arbeitsalltag. Dafür wiederum braucht es Personal – welches es nicht gibt. Und das vorhandene Nachwuchspotenzial zu nutzen, wird für die Arbeitgeber immer schwieriger, da sie die Arbeitsbedingungen in der Branche mit wenig Personal aber vielen zu Pflegenden nur schwer durchbrechen können. Man befindet sich in einem Teufelskreis, ein echtes Dilemma für alle Seiten.“

Frauke Schwietert ist Leiterin der Agentur für Arbeit in Herford. Sie hat Zahlen zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai vorgelegt. Foto: WB

Dabei helfen, diesen Engpass abzumildern, könnten zum Beispiel Pflegekräfte aus dem Ausland. Da gibt es eine Vielzahl an Ansätzen, weiß Frauke Schwietert. Einer davon ist das Programm Triple Win, welches die Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchführt. Mit verschiedenen Ländern, unter anderem den Philippinen, Indonesien und Vietnam wurden Vereinbarungen getroffen, die die Einreise und Aus- oder Weiterbildung von Pflegekräften aus diesen Herkunftsländern in Deutschland deutlich vereinfachen. Auch Sprachkurse sind Teil des Programms.

Ganz decken könnten Fachkräfte aus dem Ausland den Bedarf in Deutschland allerdings nicht: Deshalb müssten die Arbeitgeber vor Ort sich auch weiterhin aktiv um neue Mitarbeiter bemühen, in Ausbildung investieren, und auch die Politik dürfe das Thema nicht aus den Augen verlieren.

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