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Iraner unterstützt Pfarrerin in Bad Oeynhausen

Glückliches Ende einer Flucht

Bad Oeynhausen

Er ist 23 Jahre jung, leidenschaftlicher Radfahrer und macht derzeit eine Ausbildung als Elektroniker bei Denios in Dehme. Ein fröhlicher junger Mann mit wachem Blick und freundlichem Lachen – insofern gleicht Alireza womöglich anderen jungen Leuten seines Alters. Doch halt: Etwas ist bei ihm anders. Und zwar ganz anders: Alireza ist aus religiösen Gründen aus dem Iran geflüchtet und kam 2019 kurz vor Ostern nach Bad Oeynhausen. Hier hat er sich eine Existenz aufgebaut.

Zu zweit für die interkulturelle Zusammenarbeit im Kirchenkreis: Pfarrerin Elsie Joy de la Cruz und Alireza Fathollahzadeh Gharabaei. Foto: Ev. Kirchenkreis Vlotho

Am Gründonnerstag hat er zum ersten Mal in der Auferstehungskirche am Kurpark einen Gottesdienst mitgefeiert. Seither hat er in Deutschland eine neue Existenz aufgebaut, hat sich Sprache und Kultur erschlossen, einen Zugang zum Arbeitsmarkt gefunden. Doch mehr noch: Hier darf er seinen Glauben leben und öffentlich zeigen. „Das ist das größte Geschenk“, sagt er bescheiden. Während er im ehemaligen Persien noch erleben musste, dass christliche Gemeinschaft nur im Verborgenen stattfinden durfte, lebt er seinen christlichen Glauben jetzt „aus vollem Herzen“, wie er sagt.

Interkulturelle Arbeit

Und das hat viele Auswirkungen auf den Alltag: Während manch anderer in der Freizeit dem Sport oder Hobbies nachgeht, engagiert sich Alireza in der Kirche, und zwar in der interkulturellen Arbeit. Inzwischen hat er im Internationalen Gottesdienst der Altstadtgemeinde ein neues Zuhause für seinen Glauben gefunden. Im vergangenen Jahr hat Diakonin Ina Rohleder Alireza angesprochen, ob er im interkulturellen „Café Klatsch“ in der Kirchengemeinde Rehme mitmachen möchte. Alireza zögerte nicht lange und begann sich auch im „Café Klatsch“ in Rehme zu engagieren. Bei der vergangenen Kreissynode wurde Alireza Fathollahzadeh Gharabaei gemeinsam mit Pfarrerin Elsie Joy de la Cruz, die die „Internationalen Gottesdienste“ ins Leben gerufen hat, als Synodalbeauftragter für die interkulturelle Arbeit im Evangelischen Kirchenkreis Vlotho berufen.

In der Sprache der Geflüchteten

Pfarrerin de la Cruz: „Ich bin die erste Pfarrerin im Kirchenkreis mit Migrationshintergrund. Ich kenne die Bedürfnisse der Zugewanderten sehr gut“, blickt sie zurück. Vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen hatte die Pfarrerin aus Volmerdingsen vor mehr als zehn Jahren durch die Internationalen Gottesdienste dafür gesorgt, dass in der Altstadt-Gemeinde regelmäßig Gottesdienste in der Sprache der Geflüchteten möglich wurden. „Das hilft noch immer sehr, Einsamkeit abzubauen“, stellt sie fest.

Gesellige Kaffee-Runde

Auch das „Café Klatsch“, die Begegnungsrunde an jedem Freitagnachmittag in der Laurentiuskirche Rehme dient dem Zweck, Austausch und gegenseitige Unterstützung zu ermöglichen. „Meine Mutter und ich haben viele Flüchtlinge angesprochen, ob sie nicht auch dorthin kommen möchten“, erzählt er. Und so wandelte sich die gesellige Kaffee-Runde mit überwiegend deutschen Teilnehmern aus Gemeinde und Nachbarschaft zu einem internationalen Treffpunkt. „Es kommen Menschen aus Syrien, dem Irak und Iran, aus Eritrea und Pakistan“, erzählt Alireza. „Es macht mir ganz viel Spaß, den Menschen das Ankommen zu erleichtern“, sagt er mit leuchtenden Augen. Dabei helfen ihm seine guten Deutschkenntnisse, aber er spricht auch Persisch und Englisch. Alireza hat auch schon eine Vision für seine weitere Arbeit als Ehrenamtlicher in der interkulturellen Arbeit: „Ich möchte einen internationalen Jugendtreff ins Leben rufen, eine Begegnungsstelle für junge Menschen, Deutsche wie Zugewanderte“, sagt er. Derzeit überlegt er mit Unterstützung von Elsie Joy de la Cruz, wo sich Kooperationen mit anderen Gemeinden anbieten und wo geeignete Räumlichkeiten zu finden sind. „Wir wollen ein Modell schaffen, das im Kirchenkreis auch in den anderen Städten Nachahmung findet“, sagt er.

Hoffen auf Austausch

Im Mai nimmt Alireza an einer Tagung zur interkulturellen Öffnung der Landeskirche teil und hofft auf einen Austausch zu seinem Vorhaben. „Wir sind überzeugt, dass durch die interkulturelle Arbeit noch mehr Lebendigkeit in die Gemeinden kommt, denn die einzelnen Menschen bringen ihre Gaben und Erfahrungen mit ein“, betont Pfarrerin Joy de la Cruz.

„Denn als Christen aus verschiedenen Ländern sind wir Teil der weltweiten Kirche und haben eine gemeinsame Mission und Verantwortung“, sagt sie im Blick auf die interkulturelle Arbeit in den Gemeinden.

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