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Tierliebe Familie Thies aus Brockhausen bei Stemwede gibt vernachlässigten Hunde aus Osteuropa ein liebevolles Zuhause.

Hier bellen jetzt zwei Bulgaren

Brockhausen/Stemwede

„Jetzt darf ich mir nur noch die Internet-Seite anschauen – einen weiteren Hund gibt es für uns nicht mehr,“ sagt Sandra Thies lachend.

Von Gertrud Premke

Sandra Thies und Tochter Joline mit „Ozzy“ un „Frieda“, den beiden Hunden, die über die Tierschutzorganisation „Fellpfötchen“ in Bulgarien gerettet wurden und nun in der Brockhauser Familie ein liebevolles Zuhause gefunden haben. Foto: Gertrud Premke

Kein Wunder, denn auf dem Grundstück und im Haus der Familie tummeln sich bereits drei muntere Vierbeiner. „Nur schauen, das mache ich noch manchmal“, räumt Thies augenzwinkernd ein. Sie meint damit die Internetplattform „Fellpfötchen“ in Dorsten, denn zwei ihrer Hunde wurden von dieser Organisation aus dem fernen Bulgarien nach Deutschland vermittelt und leben seitdem in der Familie.

Hunde in Bulgarien leben dort oft unter armseligen Bedingungen. Die wenigen öffentlichen oder privaten Tierheime sind hoffnungslos überfüllt. Viele Tiere davon müssen selbst im Winter in Außenzwingern ausharren. Verschiedene Tierschutzorganisationen in Deutschland unterstützen die dortigen Tierheime und holen Hunde nach Deutschland.

Sandra und ihr Ehemann Marco Thies mit den beiden „Bulgaren“ (links) und Seniorhund Whisky, der schon 13 Jahre alt ist Foto: Gertrud Premke

Brockhausen, unweit von Stemwede entfernt, ist vor geraumer Zeit zur Wahlheimat von Sandra, Marco und Joline Thies geworden – und mit ihnen leben drei Hunde und acht Katzen in dem geräumigen Haus mit großem Garten.

Ozzy, ist ein knapp zweijähriger Kangal-Herdenhund, kommt über „Fellpfötchen“ aus Bulgarien. „Dort wurde er mit mehreren Welpen, wohl Geschwister, in einer Kiste beim Tierschutz einfach abgelegt. Vermutlich kommt Ozzy von einem Bauernhof, wo es plötzlich zu viele junge Welpen gab, denn er und die weiteren Kleinen waren alle gleichaltrig,“ weiß Sandra Thies – nach Information der in Bulgarien tätigen Betreuerin – zu berichten.

Ozzy ist dem Optischen nach ein Kangal-Herdenschutzhund. Es ist eine alte Rasse. Sie wird im Herkunftsgebiet aufgrund ihrer Größe und Kraft zum Schutz der Schafherden gegen Wölfe und Bären eingesetzt.

Der Ursprung des Kangals liegt in Zentral-Anatolien. In der ursprünglichen Heimat wird diese Rasse auch Karabaş oder Karabasch, „schwarzer Kopf“, genannt. Der Kangal wurde jedoch erst 2018 offiziell als Hunderasse anerkannt. Aktuell setzen ihn in Deutschland Schäfer als Beschützer ihrer Herden vor dem Wolf ein. Er wächst als Welpe schon in der Schafherde auf, sieht die Schafe als „Rudelmitglieder“ an und entwickelt so einen starken Beschützer-Trieb, wenn der Wolf „seiner“ Herde zu nahe kommt. Herdenschutzhunde gelten seit der Rückkehr des Wolfes in Deutschland mitsamt eines hohen Elektrozaunes als wirksames Mittel zur Wolfsabwehr.

Dann ist in der Thiesschen Hundeschar noch Frieda, eine erst sieben Monate alte Mischlingshündin. Auch sie kommt über „Fellpfötchen“ aus Bulgarien. Frieda ist dort dem sicheren Tod entkommen, denn sie wurde im Alter von erst einigen Tagen noch mit geschlossenen Augen mit mehreren Geschwistern in der Landschaft aufgefunden und zur bulgarischen Aufnahmestation gebracht. „Dort musste sie mit der Flasche aufgezogen werden, was glücklicherweise auch gelungen ist“, sagt Sandra Thies.

Der Älteste im Trio ist Whisky, ein 13 Jahre alter Mischlingshund, der seit Jahren bereits in der Familie Thies lebt. Er mag es deutlich ruhiger als die beiden bulgarischen „Jungspunde“.

Sämtliche tierische Hausgenossen, ob Hunde oder Stubentiger, vertragen sich im Hause Thies aber sehr gut miteinander.

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