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Hüllhorster Buchhändlerin erhält viele Rückmeldungen auf offenen Brief zum Corona-Lockdown

Angst, Kummer – und viel Hoffnung

Hüllhorst

„Eigentlich ist das gar nicht meine Art“, sagt Kirsten Wiemann. „Aber ich musste mir einfach mal alles, was mich bewegt, von der Seele schreiben.“ Die Inhaberin der Buchhandlung Hüllhorst hat auch allen Grund dazu, denn ihr macht wie vielen anderen Gewerbetreibenden der andauernde Corona-Lockdown schwer zu schaffen.

Stefan Lind

Kirsten Wiemann, Inhaberin der Buchhandlung Hüllhorst, hat ihre Ängste und Sorgen in Corona-Zeiten in einem offenen Brief niedergeschrieben. Sie erhielt viele positive Rückmeldungen. Foto: Buchhandlung Hüllhorst

Das hat sie in einem offenen Brief auf der Homepage ihrer Buchhandlung und in den sozialen Medien in Worte gefasst – und dafür viele positive Rückmeldungen erhalten.

Nachdem bekannt gegeben worden sei, dass der Lockdown erneut verlängert werde, habe sie wieder mal eine schlaflose Nacht gehabt, schreibt sie in dem Brief: „Eine Nacht voller Ängste, Sorgen und Kummer. Angst, nach dem Lockdown nicht mehr öffnen zu können, weil auch so langsam unsere Reserven aufgebraucht sind. Besorgt, weil – wie geht es dann danach weiter? Voller Kummer ... nun ja...“

Sie sei keine Corona-Gegnerin, betont Kirsten Wiemann, „ganz im Gegenteil“, denn ihr sei es wichtig, ihre Familie, ihre Mitarbeiterinnen und natürlich auch ihre wunderbaren Kunden zu schützen. „Dennoch ist so langsam meine Geduld am Ende. Ich habe so lange versucht, positiv zu bleiben und das Beste aus der Situation zu machen. Ich fühle mich allein gelassen. Von der Politik so langsam aber auch verarscht. Die Gemeinsamkeit sehe ich nicht mehr. Wo sind die versprochenen Gelder? Die Unterstützung? Was ist mit meiner Existenz?“

Kirsten Wiemann, Inhaberin Buchhandlung Hüllhorst

Gerade die kleinen Läden könnten doch regeln, wie viele Kunden gleichzeitig hinein dürften, argumentiert die ausgebildete Buchhändlerin. „Wir haben uns Hygienekonzepte ausgedacht, den Laden auf den Kopf gestellt und Filteranlagen gekauft. Scheinbar für nichts! Dafür freue ich mich jetzt für all die Friseure, die ebenfalls viel Geld und Aufwand in die Hygienekonzepte gesteckt haben und endlich am 1. März wieder öffnen dürfen.“

Die Buchhandlung Hüllhorst gebe es jetzt knapp 26 Jahre: „Seit 12 Jahren bin ich die Inhaberin. Habe mir da etwas aufgebaut, gute Kontakte geknüpft und einen Platz in Hüllhorst geschaffen“, stellt Kirsten Wiemann abschließend fest. Und: „Ich will nicht als Kollateralschaden enden!“

Kaum hatte sie das Schreiben veröffentlicht, habe sie „unfassbar viele Rückmeldungen“ bekommen, berichtet die 35-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Die meisten Äußerungen ließen sich in einem Satz zusammen fassen: „Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen.“ Eine Kundin schreibt bei Facebook unter anderem: „Diese Zeilen machen sehr nachdenklich, aber wir hoffen und freuen uns auf das Frühjahr, wenn Sie Ihre Kunden wieder wie gewohnt versorgen können.“ Kirsten Wiemann empfindet es trotz aller Ängste und Sorgen, die sie beschäftigten, als außerordentlich motivierend, solche Reaktionen ihrer „wunderbaren Kundschaft“ zu erhalten.

Und die bleibt der Buchhandlung treu, denn Wiemann kann zumindest einen kleineren Teil ihres üblichen Umsatzes damit erreichen, dass Kunden bei ihr Bücher bestellen und an der Ladentür abholen. Besonders gefragt sei derzeit Lektüre, mit deren Hilfe die Menschen ein wenig Ablenkung vom Alltag finden können, „unsere Buchtipps sind im Moment sehr gefragt.“ Den zweiten Schwerpunkt beim Publikumsinteresse bilden sogenannte Beschäftigungsbücher: „Sudoku oder Kreuzworträtsel finden großen Absatz.“

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