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Gemeinsames Feuerwehrhaus: Löschgruppe will sich nicht am Standort Hüllhorst-Ost beteiligen

Bröderhausen kommt nicht mit

Hüllhorst

Die wichtigste Entscheidung steht weiterhin aus. Es geht um ein neues Feuerwehrgerätehaus für die Löschgruppen Schnathorst, Tengern und Bröderhausen. Der neue Ausschuss für Bevölkerungsschutz und Rettungswesen vertagte am Donnerstag seine Abstimmung über Neu- oder Umbau auf die nächste Sitzung, um noch weitere Infos über das Bauvorhaben einzuholen.

Eva Rahe

Feuerwehrleiter Stefan Mehnert hielt im Ausschuss für Bevölkerungsschutz und Rettungswesen eine emotionale Rede. Die Entscheidung über den Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses Hüllhorst-Ost dürfe nicht auf die lange Bank geschoben werden. Foto: Eva Rahe

Gleich zwei Mal wurde die erste Sitzung des Gremiums in der Ilex-Halle unterbrochen, um den Mitgliedern Gelegenheit zu geben, sich zu beraten. Zuvor hatte der Leiter der Feuerwehr der Gemeinde Hüllhorst, Stefan Mehnert, eine emotionale Rede gehalten, in der er die Ausschussmitglieder dringlichst darum bat, hier und jetzt zu einer Entscheidung zu kommen. Die Lage sei ernst, erklärte er. In den vergangenen zwei Jahren habe es viele Grundsatzdiskussionen gegeben, die an der Substanz der Feuerwehrleute gezehrt hätten. Die Löschgruppe Bröderhausen sei aufgrund der Diskussionen und des Ärgers in den vergangenen Monaten zu dem Ergebnis gekommen, dass sie sich nicht mehr am Standort Ost beteiligen wolle. Diese Entscheidung müsse man akzeptieren.

Der Ausschuss für Bevölkerungsschutz und Rettungswesen (ABR): Die Mitglieder sprachen sich einstimmig dafür aus, die Termine für den nächsten ABR und den Rat zu tauschen, um eine zeitliche Verzögerung zu vermeiden. Foto: Eva Rahe

Trotzdem müsse man an einem neuen Standort für die Löschgruppen Schnathorst und Tengern weiter arbeiten. „Wir müssen jetzt versuchen, alle Löschgruppen mitzunehmen“, betonte Mehnert. Denn die Gefahr, dass reihenweise Feuerwehrleute aus der Truppe aussteigen würden, sei groß.

Stefan Mehnert forderte die Kommunalpolitiker auf, die Entscheidung nicht auf die lange Bank zu schieben. Hier ginge es um die Sicherheit der Feuerwehrleute und der Gemeinde. Das aktuelle Feuerwehrhaus der Löschgruppe Schnathorst sei viel zu klein, und die anderen beiden Gerätehäuser würden erhebliche Mängel aufweisen. Zudem sei das Schnathorster Gerätehaus im Industriegebiet durch das große Lkw-Verkehrsaufkommen schlecht zu erreichen. Hier müsse immer die Engstelle im Bereich Bredenhop/Ecke Hankamp passiert werden, die bei der so genannten Schutzzielerreichung gut und gerne zwei bis drei Minuten Verzug ausmachen würde. „Diese Minuten sind verschwendete Zeit, denn im Zweifel geht es um Menschenleben“, sagte Stefan Mehnert. „Deshalb sprechen wir uns klar für den Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses an der Tengerner Straße aus“, fügte er an. Eine Auffassung, die auch die Verwaltung teilt und dementsprechend in der Beschlussempfehlung verdeutlicht wurde.

SPD-Chef Frank Picker erklärte, für seine Fraktion stehe die schnelle Erreichbarkeit der Feuerwehr an erster Stelle. Aus diesem Grund würde sich die SPD für einen Neubau am neuen Standort aussprechen. Alexander Nolte sagte hingegen, dass die CDU aufgrund fehlender Daten und Fakten noch keine Entscheidung treffen könne. Er verwies auf den Nutzen des gerade gegründeten Ausschusses, der schließlich darin bestehe, sich gründlich auszutauschen, in die Diskussion zu gehen und mehr Präsenz in der Politik zuzulassen.

Jürgen Friese, Fraktionsvorsitzender der Hüllhorster Grünen

Grünen-Fraktionsvorsitzender und Ausschussvorsitzender Jürgen Friese merkte an, dass das Feuerwehrgerätehaus in Schnathorst an der völlig falschen Stelle errichtet worden sei. Man müsse immer bedenken, dass wenn aufgrund der Mängel in den vorhandenen Feuerwehrgerätehäusern etwas passieren würde, Rat und Verwaltung dafür zur Verantwortung gezogen werden würden. „Wenn die Feuerwehr der Meinung ist, dass ein Neubau sinnvoll ist, dann sollten wir das respektieren“, erklärte er. Da er aber die Brisanz des Themas sah, schlug er eine Unterbrechung von zwei Minuten zur Beratung vor.

Der hohe Stellenwert des Themas wurde auch anhand der zahlreichen Besucher deutlich. Erst nach gut zehn Minuten ging es weiter und noch einmal folgten zahlreiche Wortmeldungen. Hier unterstrich Thomas Sieker, der zudem Ortsvorsteher von Bröder­hausen ist, noch einmal die Forderung der CDU nach weiteren Informationen. Schließlich ginge es um einen Neubau, der fast 3,5 Millionen Euro kosten würde. Er forderte zudem ein Meinungsbild der Löschgruppe Tengern zu diesem Vorgang.

Zudem wolle man abwarten, welche weiteren Ergebnisse das Gutachten von Thomas Wienecke von der WF Ingenieurgesellschaft liefern würde. Nach einer erneuten Wortmeldung von Stefan Mehnert, in der er seinen Unmut darüber äußerte, dass wieder Entscheidungen vertagt würden, erklärte Lars Wunderlich (FWG UHu), dass sie alle hinter der Feuerwehr stünden, aber für eine Entscheidung in der Ratssitzung im März noch zu wenige Informationen vorlägen. Die kommenden vier Wochen bis zur Sitzung müssten dafür genutzt werden, um alle noch ausstehenden Fragen zu beantworten. Carsten Stegmann von Bündnis 90/ Die Grünen sagte, dass man nicht nach den Löschgruppen und deren Größe planen müsse, sondern nach dem Brandschutzbedarfsplan. Allerdings müsse für alle auch ganz klar sein, dass es nur einen Standort Ost geben könne und nicht noch einen zusätzlichen in Bröder­hausen.

Michael Kasche, Bürgermeister von Hüllhorst

Nach einer zweiten Beratungspause machte Jürgen Friese den Vorschlag zur Güte, dass man die Entscheidung vertage, aber die Termine für die nächste Ausschusssitzung (nun am 24. März) und die anstehende Ratssitzung (nun am 25. März) tausche, so dass der Ausschuss vor dem Rat tagen würde und die Beschlussempfehlung dann im Rat vorgelegt werden könne. Auf diese Weise würde es keine große zeitliche Verzögerung geben. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Im Zuge dessen erging an Thomas Wienecke von der WF Ingenieurgesellschaft der Arbeitsauftrag, zu prüfen, was der Austritt der Löschgruppe Bröderhausen personell für das Gesamtkonzept der Freiwilligen Feuerwehr bedeuten würde. Der Gutachter muss eine Voreinschätzung geben: Kann der Brandschutz dann noch sichergestellt werden oder kommt die Gemeinde in die Bredouille?

Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte Bürgermeister Michael Kasche, dass die Gesamtfeuerwehr derzeit 145 Aktive habe und durch einen Austritt der Löschgruppe Bröderhausen 21 Aktive wegfielen. „Den theoretischen Fall angenommen, Tengern und Schnathorst fielen auch weg, müsste eine Pflichtfeuerwehr eingerichtet werden. Das ist aber unwahrscheinlich und wird nicht passieren“, betonte das Gemeindeoberhaupt. Er stellte klar, „dass der Bürger keine Angst haben muss, dass keine Feuerwehr mehr kommt“. Es sei natürlich schade um jeden Kameraden, den die Gemeinde verliere, sagte Kasche, der noch hofft, dass es nicht unumstößlich bei der momentanen Aussage der Bröderhausener „Keiner kommt mit“ bleiben wird.

In der Gesamtfeuerwehr gebe es zwar keine Nachwuchsprobleme, Kinder- und Jugendfeuerwehr seien gut aufgestellt, aber dieser Umstand bedeute keine personelle Sicherheit. Der berufliche Weg der jungen Menschen sei noch völlig ungewiss, Wegzüge nicht ungewöhnlich.

Stefan Mehnert, Leiter der Feuerwehr in Hüllhorst

Baulich müsse auch bei zwei statt drei Löschgruppen mit Reserven geplant werden. „Wenn man Beitritte in die Feuerwehr hat, darf der Neubau dann nicht zu klein sein. Es zählt die Soll-Stärke, nicht die Ist-Stärke“, so Kasche.

Ein weiteres Ausschussthema zur Feuerwehr war die Entscheidung über eine Aufwandsentschädigung für Funktionsträger. Auch hierzu hatte Stefan Mehnert eine Erklärung vorbereitet, in der er den besonderen und zeitlich umfangreichen Einsatz vieler Feuerwehrleute beschrieb. „Es geht hier um Kameradinnen und Kameraden, die sich über das normale Maß hinaus engagieren“, sagte er. Deshalb sei eine Aufwandsentschädigung für diejenigen, die die Wartung der Geräte verantworten würden, sowie für Ausbilder und Betreuer der Kinderfeuerwehr sinnvoll. Er betonte noch einmal, dass man hier nicht von einer Entlohnung sprechen könne. Dafür sei der Stundenaufwand viel zu hoch im Verhältnis zur Entschädigung. Die Beschlussvorlage wurde einstimmig angenommen.

Somit werden vom 1. Juni an für folgende Funktionen innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr zusätzliche monatliche Aufwandsentschädigungen gezahlt: Fachbereichsleitung Ausbildung: 100 Euro, zweite stellvertretende Löschgruppenführung Hüllhorst, Oberbauerschaft, Schnathorst und Tengern: jeweils 32 Euro, zweite(r) stellvertretende(r) Kinderfeuerwehrwart(in): 21 Euro, Gerätewarte für alle sechs Löschgruppen: jeweils 25 Euro, stellvertretende Gerätewarte/Gerätewartin für die Löschgruppen Hüllhorst und Schnathorst: jeweils 25 Euro. Für den Haushalt 2021 sind zusätzliche Mittel in Höhe von 1500 Euro und für das Haushaltsjahr 2022 in Höhe von 2900 Euro zu berücksichtigen.

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