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Schnathorster Kirche wird zum Experimentierplatz für Orgel- und Keyboard-Duo

Die Mischung macht’s

Schnathorst (WB). Ein ungewöhnliches Arrangement zwischen Orgel und Keyboard hat am Sonntagabend zu einem Konzert der Extraklasse geführt. Zum »ersten Orgeltag Westfalen« hatten die beiden Kirchenmusiker Marianne und Matthias Nagel in die Schnathorster Kirche eingeladen.

Eva Rahe

Eine gewagte Mischung ist das Zusammenspiel aus Orgel und Keyboard. Hier spielt Matthias Nagel das von ihm selbst arrangierte »From a distance« von Julie Gold zusammen mit seiner Frau Marianne an der Schnathorster Kirchenorgel. Foto: Eva Rahe

Das Publikum war nachhaltig beeindruckt. Marianne Nagel besetzte in dem Konzert die Orgel, ihr Ehemann Matthias Nagel übernahm Keyboard und Synthesizer.

Zur Begrüßung beschrieb Matthias Nagel kurz die Stücke aus dem ersten Teil und lud das Publikum ein, sich auf die spannende Mischung aus den beiden Instrumenten einzulassen.

Klassische Orgelstücke und Nouvelle Vague

Schon beim ersten Stück wurde klar, dass es hier nicht um das klassische Orgelwerk ging. Wie leicht die Töne der großen Pfeiffenorgel sein konnten, überraschte. Das Intermezzo von Julius Röntgen erinnerte in dieser Ausführung eher an Filmmusik der Nouvelle Vague denn an eine Komposition aus dem frühen 20. Jahrhundert. Auch die beiden klassischen Orgelstücke von Johann Sebastian Bach bekamen durch das Keyboard einen außergewöhnlichen Beiklang. Mal wurde die Orgel mit konzertalen Effekten unterlegt, dann wieder wurde sie zur Hintergrundmusik für das Keyboard.

So oder so, Orgel und Keyboard gingen eine besondere Verbindung ein, die auch bei Stücken aus der Popularmusik funktionierte. Plötzlich erklangen die leichten und melancholischen Töne von Robbie Williams »Feel«, die Matthias Nagel auf dem Keyboard fast wie im Original spielte. Marianne Nagel übernahm mit der Kirchenorgel die Melodie.

»Das Konzert hat mich belebt«

Es gab auch selbstkomponierte Stücke von Matthias Nagel, wie zum Beispiel die Lieder »Opener« oder »Happy Pipes«. Der Musiker, der an der Hochschule für Kirchenmusik in Herford Popularmusik unterrichtet, sagte über das Projekt Orgel & Keyboard: »Die klassische Orgel und das Keyboard sind eigentlich gar nicht so weit voneinander entfernt, aber manchmal ist es schwierig, die beiden zusammenzubringen. Dann wieder kann man sie kaum voneinander trennen.« Da es keine Vorlagen für diese musikalische Verbindung gebe, müssten diese neu arrangiert werden. Aus dieser Notwendigkeit ergeben sich aber auch neue Möglichkeiten, so Matthias Nagel.

Das Schöne an der Schnathorster Kirche ist, dass das Publikum den Musikern tatsächlich zuschauen kann, denn die Empore bietet Platz für bis zu 300 Personen. So wurde das Konzert für die Gäste zu einem wahren Genuss. Am Ende wurden Marianne und Matthias Nagel für ihr perfekt abgestimmtes Spiel und die Freude am gemeinsamen Experimentieren mit Ovationen belohnt. »Nach einem langen Tag hat mich das Konzert geradezu belebt«, sagte Pfarrerin Kristina Laabs. Eine beschwingte Leichtigkeit aber auch Erleichterung waren nach dem Konzert bei ihr zu spüren.

Etwa 1200 Orgeln sind im evangelischen Westfalen in Gebrauch – vom spätmittelalterlichen bis zum nagelneuen Instrument, vom mächtigen Werk mit mehr als 70 Registern bis zur kleinen Truhenorgel. Am 24. Juni stand in der westfälischen Landeskirche die »Königin der Instrumente« im Mittelpunkt.

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