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Großes Interesse an Informationsveranstaltung zum geplanten Wertstoffhof in Tengern

Die Müllfrage

Hüllhorst (WB). Die Gemeinde Hüllhorst hat auf einer Diskussionsveranstaltung über den möglichen Bau eines Wertstoffhofes in Tengern informiert. Kreisbaudezernent Lutz Freiberg und Thomas Kropp, Technischer Leiter der Kreisabfallverwertungsgesellschaft (KAVG), erläuterten die Pläne und beantworteten Fragen.

Kai Wessel

Das Interesse an der Informationsveranstaltung war groß. Manche Wortbeiträge aus Bürgerreihen erhielten spontanen Beifall. Foto: Kai Wessel

Etwa 40 Bürger, zumeist aus Tengern, hatten sich am Donnerstagabend im Rathaus eingefunden. Sie hörten zunächst von Peter Lücking aus der Verwaltung, dass die Gemeinde einen Wertstoffhof vorhalten müsse. Die Grünabfall-Annahmestelle am Hongsener Weg sei planungsrechtlich nur bis zum Jahresende genehmigt, es gebe keine Annahmestellen für Holz oder Erde und das Platzangebot für die Elektroschrott-Annahme auf dem Bauhof sei begrenzt. Zudem würden immer wieder Anfragen zu Wohnungsentrümpelungen im Rathaus aufschlagen. »Wir erhoffen uns von einem Wertstoffhof eine Verbesserung der Situation für Bürger und Unternehmen«, sagte Peter Lücking.

Kreisbaudezernent Freiberg betonte, dass Hüllhorst mit dem Hof eine »komfortable Abfallentsorgung« erhalte: »Kostenneutral für den Bürger.« Er gehe davon aus, dass der Standort so nachhaltig zu betreiben sei, dass unter dem Strich eine »schwarze Null« geschrieben werden könne. »Wir müssen unsere Deponie wirtschaftlich betreiben.«

»Riecht nicht, staubt nicht«

Thomas Kropp, Technischer Leiter der KAVG, erläuterte, wieso die Wahl auf das Grundstück an der Kläranlage gefallen ist. Die anderen Optionen wären entweder zu nah an Siedlungen gelegen oder aber aus topographischen Gründen schwierig gewesen. Das nun gewählte, 14.000 Quadratmeter große Grundstück sei hingegen über die Straße Weidehorst sehr gut erschließbar. Kropp wies darauf hin, dass der Wertstoffhof »im Wesentlichen emissionsfrei« sein werde: »Riecht nicht, staubt nicht.«

Die Ausführungen konnten nicht alle Vorbehalte zerstreuen. Angezweifelt wurde der Bedarf für den Hof. In Wortmeldungen verwiesen die Tengeraner auf die Biogasanlage, die Grünabfälle entgegennehme. Zudem gäbe es in der näheren Umgebung private Anbieter und weitere Wertstoffhöfe, die von den Bürgern ohne Weiteres angefahren werden könnten, unter anderem den Hof in Lübbecke.

Hans-Rudolf Kracht, dessen Haus in Sichtweite des geplanten Hofes liegt, bezweifelte, dass die Anlage kostendeckend zu betreiben sei. Das Defizit hätten am Ende die Bürger über die allgemeinen Müllgebühren zu tragen. Kracht monierte zudem den Standort: »Sie rauben Müll aus dem Stadtgebiet Löhne.« Heinz Zelle kritisierte in seiner Wortmeldung, dass mit einer Erweiterung des Industriegebiets noch mehr Landschaft zubetoniert würde. Mit Blick auf den Überschwemmungsschutz erklärte Susanne Sassenberg von der Verwaltung, dass die Gemeinde Schutzmaßnahmen entlang des Tengeraner Baches plane.

Überschwemmungsgebiet

Der Gemeindeentwicklungsausschuss sprach sich anschließend für die Einleitung des Verfahrens zur Änderung des Flächennutzungsplanes und zur Aufstellung eines Bebauungsplanes aus. Ohne die Einleitung des Verfahrens sei es schwierig, alle Fragen zu klären und zu einem abschließenden Urteil zu gelangen, hieß es. Andreas Sand (FDP) regte noch an, die Möglichkeiten für eine interkommunale Zusammenarbeit mit der Stadt Löhne auszuloten.

Gegen den Wertstoffhof hatte die CDU mit Ausnahme von Tengerns Ortsvorsteher Karl-Heinz Kröger gestimmt. Markus Rettberg begründete: »Ich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Das Gebiet ist als Überschwemmungsgebiet bekannt.«

Bürgermeister Bernd Rührup erklärte, dass die Verwaltung weiterhin Hinweise und Anregungen der Bürger annehmen wolle.

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