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Kyra Sophia Kahre aus Tengern spielt in Klassikern wie Tatort und Polizeiruf mit

Ein Film-Märchen – nicht nur im Märchenfilm

Hüllhorst-Tengern (WB). Es ist ein filmreifes Märchen – und doch eine Realität, die beweist: Manchmal werden Märchen Realität, wenn man fest genug an sie glaubt. Oder an sich selbst. Ob Tatort, Polizeiruf 110 oder Soko: Die deutschen Krimiklassiker setzen auf eine der vielversprechendsten Jungschauspielerinnen aus Deutschland. Aus Deutschland? Aus Tengern! Kyra Sophia Kahre hat sich in den vergangenen Jahren einen Stammplatz im Film- und Fernsehgeschäft erspielt.

Ingo Notz

Im Märchenfilm „Die drei Federn“ verzaubert Kyra Sophia Kahre als aschenputteliges Köhler-Mädchen den Fürstensohn Jannik Schümann. Repro: Ingo Notz Foto:

Ihre furiose Interpretation einer Mörderin im jüngsten Polizeiruf „Heilig sollt Ihr sein!“ bleibt als ein Meisterwerk der intensiven Charakterzeichnung im Gedächtnis: Mit dieser düsteren „Malerei“ in Leinwand-Qualität hat sie selbst auf dem hohen Niveau der Sonntagskrimis ein eigenes Ausrufezeichen gesetzt. Diese besondere Leistung in der Darstellung einer besonderen Figur ist unvergessen, da taucht Kyra Sophia Kahre schon im nächsten großen Sonntagskrimi auf: Im Kölner Tatort „Gefangen“ ist sie diesmal in einer kleineren Rolle zu sehen.

Sehen und ernten: Kahre schafft mit ihrem Spiel Bleibendes in einer schnelllebigen Film-Welt, ihre Figuren wirken weit über das Spielende hinaus. Auch diesen Enden wohnt ein Anfangszauber inne: Schon als Kind gab es keinen Plan B, was ihren Traumberuf anbelangt, erinnert sich die Tengeranerin lachend: „Es war eigentlich immer klar, dass ich zum Film gehe.

Es klingt total klischeehaft, aber es ist immer schon so gewesen. Ich habe es immer geliebt, mich zu verkleiden, irgendwas vorzuführen, Entertainer zu spielen.“ Dieses Ziel war der Start für ein neues Leben nach der schulischen Reifeprüfung. Vom Schultheater auf die Leinwand, aus der Kinderzimmer-Traumwelt Tengerns in die deutsche Traumfabrik nach Berlin: In der Hauptstadt erkämpfte sich Kyra Kahre ihren Weg in die Kinos und auf die Fernsehschirme der Nation. Hier ist sie ein Jahrzehnt später ein gern gesehener Stammgast in hochwertigen Film- und Fernseh-Produktionen – nicht ohne Grund.

Extrem gut in extremen Szenen

Tengerns Televisionstalent bietet mehr als nur das einfache Einmaleins der schönen Schauspielkunst: Im Ergebnis erreicht Kyra Kahres Kunst mit ihrer Tiefe bemerkenswerte Höhen, spielt nicht nur mit den Emotionen, sondern auch mit den Sehgewohnheiten der Zuschauer. Kahre bricht in vielen Rollen die konventionellen Erwartungen, nimmt den Zuschauer abseits der gewohnten Wege auf ebenso persönliche wie besondere Weise mit auf die Reise zu extremen Momenten und führt ihn in der – nicht selbstverständlichen und daher umso erfrischenderen – Konsequenz am Ende der Reise zu einigen extrem guten Filmen.

Nicht nur in den Extremen ist die 31-Jährige dabei extrem nachhaltig in ihrem Spiel: Was Kahre besonders macht, ist die hohe Kunst, auch aus normalen Szenen etwas Besonderes zu machen. Mit einem Blick. Einer Bewegung. Einem Wort. Ihre Figuren verschwinden in der Handlung oder mit dem Ende des Films vom Bildschirm oder der Leinwand, der Eindruck bleibt dank dieser magischen Momente über das Ende ihrer Figuren hinaus. Intensive Charakterstudien, wie man sie nicht in jedem Film geboten bekommt. Oft besonders. Nicht selten einzigartig – wie zuletzt im Polizeiruf.

Sie war bereits in „Fack Ju Göhte“ zu sehen

In Frühwerken gelegentlich nur auf ihr Äußeres reduziert und als schöne Staffage besetzt, zum Beispiel als Schülerin der hoffnungslosen Klasse 10b im Sieben-Millionen-Zuschauer-Kinohit „Fack Ju Göhte“, hat sich Kahre heute längst aus den Klischee-Untiefen der blonden Film-Verschönerung freigeschwommen. Das nur scheinbar zerbrechliche Wesen offenbart mit spielerisch leichter Stärke in etlichen Rollen nicht das Zerbrechliche, sondern das Zerbrechende, die dunkle Seite der Macht der Schauspielerin im Schauspiel mit klassischen Klischees und Konventionen.

Die Tiefe ihres Spiels zeugt nicht nur von schauspielerischer Klasse, sondern lässt den Respekt der Künstlerin vor ihren Kunstfiguren, die sie aus der Kunst der Phantasie ins Leben holt, greifbar werden.

Als verlassene Teenie-Liebe oder als aschenputteliges Köhler-Mädchen im Märchenwald, als Nazi-Anhängerin oder Mordverdächtige in der Soko, als rettender Engel im Tatort oder als dämonische Mörderin im Polizeiruf, als Freudenmädchen im Mittelalter-Epos oder intrigante Schülerin im Hier-und-Jetzt-Drama: Der Spielmacherin aus Tengern reichen nicht immer, aber immer wieder wenige Augenblicke, um mit ihrem Spiel, das angenehm nachhaltig über die Augenblicke der Augenblicke hinaus reicht, den Unterschied auszumachen. Ob in einer Haupt- oder einer Nebenrolle: Kyra Kahre hat bewiesen, dass sie in der Lage ist, jeden Film besser zu machen – und oft gelingt ihr das auch.

Kahre ist eine Blick-Schauspielerin mit Ein-Blick-Garantie

Sie prägte das Kino-Meisterwerk „Lenalove“ ebenso wie den Polizeiruf oder den Tatort und hat sich mit besonderen Auftritten wie diesen in der umkämpften Film-Branche etabliert. Einer von vielen Gründen dafür: Kyra Kahre ist eine Blick-Schauspielerin mit Ein-Blick-Garantie. Nicht, weil sie nur einen beherrschte – das Gegenteil ist der Fall – sondern weil sie mit einem Blick tiefe Einblicke in das Innerste ihrer Figuren zulässt.

Stammgast in den Sokos, hier im Freitagskrimi aus Leipzig: Kyra Sophia Kahre wird von Kommissar Steffen Schroeder befragt. Foto: ZDF/Uwe Frauendorf

Da, wo es andere Schauspieler mit ganzem Körpereinsatz und einem Füllhorn an Wörtern nicht schaffen, reicht der 31-Jährigen in der Regel ein Blick, um eine Szene unvergesslich werden zu lassen. Die Dankbarkeit der Kamera ist ihr gewiss und unübersehbar, diese Unterschiedsblicke einfangen zu dürfen: verzweifelt, verstört, verrucht, verlegen, verliebt, zerbrechlich und zerbrechend, zart und zickig, kindisch, cool, keck und kriminell, wild, warm und wahnsinnig – Kahres emotionale Bandbreite ist enorm.

Auf Augenhöhe mit Größen des deutschen Fernsehens

Beschränken will sich Kyra Kahre nicht – nicht im Film, nicht auf den Film: Ein Studium der Literatur- und Kulturwissenschaft in Berlin und Amsterdam spielt eine weitere Hauptrolle im Leben der 31-Jährigen, die nicht nur für den Film lebt, aber vielleicht auch genau deswegen jeden Film zum Leben erwecken kann. Einem Leben, in dem Kahre neben Hollywood erfahrenen, internationalen Größen des deutschen Kinos wie Sky Du Mont und Heino Ferch und Legenden der deutschsprachigen Fernsehgeschichte wie Leslie Malton, Katharina Böhm oder den Kultbesetzungen gleich dreier Soko-Serien glänzt.

Der Hauptgewinn in diesem Spiel wäre die Hauptrolle in einer großen Produktion, in der sie mit ihren Einblick-Augenblicken über den Augenblick hinaus präsent sein kann.

Ein Geschenk für jeden Künstler, das sie schon mit Hauptrollen in kleineren Produktionen und beeindruckenden Nebenrollen in Großprojekten bekommen und über die Leinwand und durch den Fernseher an den Zuschauer weitergereicht hat – nicht nur in Kinderzimmern in Tengern...

Kyra Sophia Kahre (Schauspielerin)

Die persönliche Hitliste der talentierten Tengeranerin enthält mit Blick auf das eigene Schaffen einige der beeindruckendsten deutschen Filme der vergangenen Jahre: „Ich bin sehr glücklich mit Lenalove, der Film steht auf jeden Fall am Anfang. Dann kommt der Tatort Dresden und Schönefeld Boulevard. Der Polizeiruf war aber auch gut!“

Wer in großen wie kleinen Nebenrollen bedeutende Filme mit seinem Unterschiedsspiel prägt, hat das Potenzial für noch mehr, als die schon imposante Filmografie bisher schon erahnen lässt. Allein: Garantien gibt es kaum im Film. Die einzige Garantie ist das Warten, das Hoffen – auf die nächste Rolle, auf das “perfekte” Buch, das auf das vielseitige Film-Versprechen mit Kino-Königinnen-Qualität aus „Tengernwood“ wartet. Fortsetzung folgt – im Idealfall mit dem „Happy End“ für das ganz große Film-Märchen, das dann nicht nur im Märchenfilm Realität geworden wäre...

Film- und Fernseh-Hits mit Kyra Sophia Kahre

2012: Das Aquarium, Die Holzbaronin, Frühlingsgefühle, Frühling für Anfänger

2013: Fack Ju Göhte, What you want is gone forever

2014: Visch (Kurzfilm), Mein Sohn Helen, Die drei Federn, Der Alte – Episode: Alpenglühen, Schönefeld Boulevard

2015: Die Hebamme II, Polizeiruf 110: Die Wölfe

2016: Soko Kitzbühel: Der innere Dämon, Morden im Norden: Bernsteinfieber, Soko München: Querschnitt, Die Chefin: Prager Kristalle, Alarm für Cobra 11: Der Königsmörder, An Deiner Seite, Lenalove

2017: Weingut Wader, Tatort Dresden: Wer jetzt allein ist, Parfum (Miniserie), Heldt: Mord verjährt nicht, Die Spezialisten – Im Namen der Opfer: Bum Bum, In aller Freundschaft – Die Jungen Ärzte: Erwartungen. Heute oder morgen

2018: Soko Leipzig: Crystal, Weingut Wader: Das Familiengeheimnis

2019: Der Lehrer: Hast Du Pech beim Denken, oder was?!, In aller Freundschaft: Herzstolpern, Weingut Wader: Nur zusammen sind wir stark, Weingut Wader: Neue Wege, Wo ist die Liebe hin, Tatort Köln: Gefangen, Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (Serie), Polizeiruf 110: Heilig sollt ihr sein

2020: Die Kanzlei, Stralsund: Medusas Tod, Stralsund: Das Manifest, Der Zürich-Krimi: Borchert und das eiskalte Herz

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