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Burkina Faso in Pandemie-Zeiten – Leiterin einer Krankenstation berichtet – Hilfsprojekt von Hüllhorster „Starke Kinder“

Es fehlt an Geräten und Schutzausrüstung

Hüllhorst (WB)

Infektionszahlen, aktive Fälle, Inzidenz- und R-Wert – annähernd vergleichbare Statistiken über Corona-Erkrankungen, wie wir sie hierzulande täglich übermittelt bekommen, gibt es in Burkina Faso nicht. Der gemeinnützige Hüllhorster Verein „Starke Kinder“ unterstützt seit 2007 Kinder und Jugendliche in dem westafrikanischen Staat.

Kathrin Kröger

Frank Weske (links), Sabine Blöbaum (rechts) und Birgit Weymann-Hähnel im Labor der Bethanie mit Laborleiterin Schwester Benedikta (4. von links) und Mitarbeitern.

Die LÜBBECKER KREISZEITUNG hat nachgefragt: Wie wirkt sich die Pandemie in der von Terror bedrohten und medizinisch unterversorgten Region aus, in der der Verein hilft?

In diesem Zusammenhang ist der Blick auf die Krankenstation Bethanie in Fada N‘Gourma aufschlussreich. In loser Reihe wird diese Zeitung weitere Hilfsprojekte des Vereins vorstellen, dessen Vorsitzender Frank Weske Anfang 2020 seine jüngste Reise nach Burkina Faso unternahm. Sein Eindruck zum jetzigen Zeitpunkt: „Zumindest in den ländlichen Gegenden, wo wir uns engagieren, wirkt sich die Pandemie gar nicht so aus. Generell ist das Virus nicht das Hauptproblem im Land.“ Schwester Dr. Emilienne Soubeiga, Leiterin der Krankenstation Bethanie, schreibt in einem Bericht an den Verein: „In der östlichen Region (dort befindet sich die Krankenstation, Anm. d. Red.) hat der Terrorismus mehr Opfer gefordert als das Coronavirus im ganzen Land verursacht hat. Und die Morde gehen weiter.“ Mittlerweile würden auch Zivilisten erschossen.

Das Auswärtige Amt konstatiert in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen: „Burkina Faso ist bisher von Covid-19 statistisch weniger betroffen. Es wird allerdings auch weniger getestet. Regionale Schwerpunkte waren bisher die Hauptstadt Ouagadougou und die zweitgrößte Stadt, Bobo-Dioulasso. Burkina Faso ist weiterhin als Risikogebiet eingestuft.“

Frank Weske sagt, dass Covid mitunter gar nicht bekannt sei. „Die Menschen sterben einfach und es wird nicht registriert, woran.“ Ganze zwei Teststellen gibt es im Land: Corona-Tests seien erst in Bobo-Dioulasso, mehr als 500 Kilometer von Fada N‘Gourma entfernt, und nach einigen Monaten auch in der Hauptstadt vorgenommen worden. „Das dauert deshalb natürlich ewig, bis Ergebnisse vorliegen.“ Ein Vorteil sei, dass in Burkina Faso überwiegend junge Menschen leben würden, der Risikofaktor Alter also nicht gegeben sei. Die Lebenserwartung in dem westafrikanischen Staat liege bei 49 bis 53 Jahren, sagt Weske.

Bereits zwölf Mal hat er sich persönlich davon überzeugt, dass die von seinem Verein gesammelten Gelder und Hilfsgüter auch tatsächlich ihren Zweck erfüllen. Er sei in der Vergangenheit des Öfteren gefragt worden, warum er sich „nur“ für Burkina Faso einsetze. „Dort wissen wir, dass die Spenden zu 100 Prozent ankommen. Wir haben ein gesundes Fundament geschaffen und bauen dieses strukturell weiter aus. Und ganz wichtig ist, dass wir die Leute vor Ort kennen. Im Gegensatz zu einem Hilfswerk wie ‚Brot für die Welt‘ haben wir den Empfängern der Spenden damit die Anonymität genommen.“ Nach einer wegen Terrorgefahr abgesagten Reise 2019 wolle er sich Ende 2021 wieder auf den Weg machen, so der Vereinsvorsitzende. Dann wird er auch wieder besagte Krankenstation besuchen, die von den aufopferungsvollen Schwestern des Ordens Notre Dame des Apotres betrieben wird.

Die Leiterin der Einrichtung schildert ihre persönlichen Erfahrungen in der Corona-Situation: „Das Béthanie-Zentrum hat am 10. März 2020 den Dauerbetrieb aufgenommen. Um diesen Rund-um-die-Uhr-Dienst zu erbringen, haben wir zwei Labortechniker, vier Krankenschwestern und sieben Ärzte eingestellt. Wir haben auch 16 Praktikanten begrüßt. Leider ist Covid-19 zusätzlich zum Terrorismus am 19. März in Burkina eingetroffen. Ausgangssperre, Quarantäne der betroffenen Städte, Schließung von Märkten und dergleichen wurden eingeführt.“

Es ist ein Dilemma derzeit: Die – bewachte – Krankenstation bietet nun Dauerbetrieb, aber die Leute kommen nicht mehr. Sie haben schlichtweg Angst: vor dem Terror und vor einer Ansteckung mit Corona. Die Patientenzahlen von Bethanie würden daher enorm sinken, so die Ärztin. Und: Jene, die sie ins Krankenhaus brächten, seien größtenteils aus ihrer Heimat vertrieben und könnten sich keine Behandlung leisten. „Dank Gott und unseren Wohltätern wie ‚Starke Kinder‘ kümmern wir uns ohne Geld um sie“, so Emilienne Soubeiga.

Man habe die Dienstleistungen auf der Krankenstation neu organisiert, um insbesondere weniger Besucher zu haben. In der aktuellen Corona-Situation fehlt es an vielem, um etwaige Erkrankte zu behandeln. Eine Intensivstation oder Beatmungsgeräte sind in der Einrichtung nicht vorhanden. Auch an Hygieneartikeln herrscht Mangel. „Kurz bevor Ouaga unter Quarantäne gestellt wurde, kaufte ich Handwaschmittel, Mülleimer, Desinfektionsprodukte. Das hydroalkoholische Gel war bereits teuer und schwer zu finden. Ich kaufte jedoch, was ich konnte.“

Ein weiteres Problem, das die Menschen in Europa mit ihrem hervorragenden Gesundheitssystem und der exzellenten Infrastruktur nicht kennen, tauchte auf. Der Generator der Krankenstation fiel aus, der Anlasser war durchgebrannt. „Wenn es also Strom gibt, machen wir die Untersuchungen, und wenn es keinen gibt, warten wir. Dies bedeutete, dass die Patienten in dem Moment im Dunkeln waren, und wir diejenigen, die Sauerstoff benötigten, an das regionale Krankenhauszentrum überweisen mussten. Wenn wir Covid-19-Patienten gehabt hätten, was wäre passiert?“, schildert die Leiterin die Situation.

Sie berichtet von Verdachtsfällen, auch bei einem Patienten in ihrer Krankenstation, die sich durch ein negatives Testergebnis zum Glück nicht bestätigten. „Dieser Fall hat mir klar gemacht, dass es eine Katastrophe gewesen wäre, wenn wir in unserer Region positive Fälle gehabt hätten. Wir haben keine Geräte, Medikamente oder Schutzausrüstung für die Versorgung infizierter Patienten.“ Zumindest benötige das Team Materialien wie Masken, Handwaschmittel, hydroalkoholisches Gel, Sauerstoffextraktoren und Seife. Investiert werden müsse in den Bau von Isolationsräumen sowie in einen Raum für die Wiederbelebung.

Frank Weske rührt besonders ein Satz der Ärztin Soubeiga, der zudem in besonderer Weise die Einstellung des Stationsteams widerspiegelt: „Das Center ist nicht mit Geräten für Covid-19, meine Mitarbeiter und ich aber mit Mut, Engagement und Entschlossenheit ausgestattet, unsere Patienten zu begleiten und zu betreuen.“

Unabhängig von Corona ist für die Krankenstation geplant, kurzfristig den Operationssaal auszustatten. Dieser war durch Spenden des Vereins entstanden, indem ein Flügel der Entbindungsstation angepasst und in einen OP-Saal umgewandelt werden konnte. Langfristige Vorhaben sind, eine Chirurgieabteilung zu schaffen und eine Apotheke zu errichten.

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