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WESTFALEN-BLATT-Serie „Engagiert für ihr Dorf“ – Folge 2: Ortsvorsteher Thomas Sieker, Bröderhausen

Hilfsbereit und unermüdlich

Bröderhausen (WB)

Er gilt als „Bröderhausener Urgestein“ und ist dabei doch erst 43 Jahre alt. Thomas Sieker kann auf eine langjährige Erfahrung als Ortsvorsteher blicken und wo immer es die Gelegenheit gibt, macht er sich für seinen Ortsteil – den kleinsten in der Gemeinde – stark.

Kathrin Kröger

Ortsvorsteher Thomas Sieker am markantesten Platz in Bröderhausen: Das Dorfgemeinschaftshaus steht nach wie vor für Dorf- und Vereinsveranstaltungen sowie Beerdigungen zur Verfügung. Der Feuerwehrhaus-Standort hingegen soll verlegt werden. Foto: Verena Geiß

Seit elf Jahren, seit der Kommunalwahl 2009, übernimmt er engagiert die Aufgaben dieses Amtes. Im Hüllhorster Gemeinderat vertritt er zudem seit bereits 15 Jahren die CDU. „In Bröderhausen ist der Ortsvorsteher auch immer gleichzeitig Ratsmitglied in und für ganz Hüllhorst, da es nur ein Direktmandat im Rat für den Ortsteil gibt“, sagt er.

Mit einem Zwei-Minuten-Telefonat im Jahre 2004 fing alles an. Sein Parteikollege Werner Blome fragte ihn, ob er nicht mal zu einer Ortsunionssitzung kommen wolle. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf, wobei Thomas Sieker betont, dass er seinen Sitz im Rat „nicht auf Jahrzehnte blockieren will“. In dem Gremium kennt man ihn als jemanden, der überlegt und sachlich argumentiert. Kein Polterer und zudem ein Mann, der die Dinge praktisch angeht.

Dies prägt natürlich auch seine Arbeit als Ortsvorsteher. „Liebend gern“ erfüllt Thomas Sieker dieses Amt. Wobei die Corona-Situation zurzeit all das verhindert, was ihn motiviert und was er daran schätzt. „Es ist der Kontakt zu den Menschen, zum Beispiel bei den Altersehrungen zum 80. und 85. Geburtstag, das gemeinsame Organisieren von Veranstaltungen in und für Bröder­hausen und die Treffen mit den Vereinen, um Anregungen oder auch mal Probleme zu diskutieren“, sagt er. Viel Freude bereite ihm ebenfalls, „dass man den Menschen oder Vereinen bei ihren kleinen Anfragen des alltäglichen Lebens helfen oder sie beraten kann. Nicht jeder möchte sofort direkt Kontakt mit der Gemeinde aufnehmen. Das geht zum Glück dank der heutigen Technik nach wie vor und auch kontaktlos.“ Man fungiere als Bindeglied und Vermittler.

Der Industriekaufmann freut sich darüber, dass man sich in Bröderhausen auch untereinander hilft. „Als in diesem Jahr zum Beispiel die Aktion ‚Saubere Landschaft‘ wegen der Kontaktbeschränkungen ausfallen musste, hatte eine Familie sonntags die Idee, mal eben die eigene Straße aufzuräumen. Keine 15 Minuten in der WhatsApp-Gruppe und alle Straßen hatten eine Patenfamilie.“ Am Samstag darauf sei Bröderhausen, trotz Corona, sauber gewesen. „Das ist ein Highlight, das man für Geld nicht kaufen kann.“

Gefragt nach den Projekten, die Thomas Sieker für „sein Dorf“ in der neuen Legislaturperiode angehen möchte, sagt er: „Wir sind aktuell intern und mit der Gemeinde in der Abstimmung, um 2021 auch in Bröderhausen, an der Oeynhausener Straße, eine Weihnachtsbeleuchtung einzusetzen.“ Auch der Blick auf das nächste Dorfjubiläum gehört dazu. „Seine 775-Jahr-Feier wird Bröderhausen 2025 begehen können, also zum Abschluss der aktuellen Legislaturperiode. Ein, zwei Ideen existieren schon.“

Als kleinster Ortsteil am südöstlichen Rand der Gemeinde gelegen, stellt sich die Frage, ob Bröderhausen genug wahrgenommen wird von Politik und Verwaltung. Für Letztere hat Thomas Sieker hier nur Lob zu verteilen. „In den elf Jahren hat es nie Probleme gegeben, im Gegenteil. Das Bauamt hat sich zum Beispiel in den vergangenen Jahren sehr stark dafür eingesetzt, dass die Halsterner- und Großenberkener Straße saniert wurden. Da möchte ich mich bei den Mitarbeitern im Rathaus und vom Bauhof bedanken.“

Anders sehe es im Bereich der Politik aus. „Die ist immer abhängig von den jeweiligen Mehrheitsverhältnissen und da können natürlich Dinge entschieden werden, die einem manchmal nicht so schmecken. Das geht wohl allen Ortsvorstehern so, aber das ist Demokratie.“ Reden helfe immer, egal, welcher Partei man selbst angehöre.

Neben der Weihnachtsbeleuchtung („Da werden wir außer den Kosten auch das Sponsoring und Eigenleistungen prüfen müssen“) hofft Thomas Sieker, dass es 2021 „irgendwann wieder sozial los geht“ und erwähnt Boßeln und Dorffest. Für ein Osterfeuer sei es vielleicht noch zu früh. „Aber bis es soweit ist, appellieren wir an alle: Seid vorsichtig, haltet Abstand und tragt dazu bei, dass die Infektionszahlen wieder runtergehen.“

Ein kleines dauerhaftes Projekt ist die Homepage des Ortsteils ( https://broederhausen.jimdofree.com) – „wie alles in Bröderhausen ein Gemeinschaftsprojekt“. „Aktuell erarbeiten wir Wanderkarten, denn durch Corona haben viele das Wandern für sich (wieder) entdeckt. Gerade ist die neunte in Erstellung, damit die Einwohner die Schönheit Bröderhausens noch gezielter genießen können“, sagt Thomas Sieker und lächelt. Allzu ernst solle man die Karten aber nicht nehmen, denn sie dienten auch dazu, die Wanderer zum Schmunzeln zu bringen. So gebe es unter anderem ein „Bank ‚n‘ Run“, bei dem man sich von einer Sitzbank zur nächsten durchschlage.

Apropos Homepage: Dafür ist ein schnelles Internet umso wichtiger. Thomas Sieker bezeichnet die Situation als „mehr als unbefriedigend“. Der aktuelle Masterplan Breitbandausbau des Kreises sei ein Flickenteppich und absolut nicht ausreichend. Wer sich an Home-Schooling oder Home-Office versuche, erlebe beim Download von Daten mitunter, dass der Schul- oder Arbeitstag vorbei sei, bevor er eigentlich angefangen habe. „Obwohl die Leistung in ganz Bröder­hausen schlecht ist, fallen nur vereinzelte Häuser mit in den Plan und werden künftig per Glasfaser versorgt.“ Abgesehen von einem neuen Förderprojekt des Bundes setzt Thomas Sieker seine Hoffnung in den weiteren Ausbau des 5G-Netzes sowie des aktuellen Glasfasernetzes – sobald der Masterplan etwa 2023 abgeschlossen sei, so dass dann hoffentlich jene Häuser angeschlossen würden, die in der Nähe der aktuellen Leitungen lägen. „Wir geben nicht auf. Weder Verwaltung noch lokale Politik noch wir von der Dorfgemeinschaft“, bekräftigt der Ortsvorsteher, der auch zum aktuellen Thema „Zusammenlegung der Feuerwehrstandorte“ Stellung nimmt.

In Bröderhausen besonders brisant debattiert, da der Standort Ost von der dortigen Löschgruppe nie gewünscht war, wie der 43-Jährige betont. Zum Hintergrund: Im März wurde mehrheitlich vom Rat beschlossen, die Verwaltung damit zu beauftragen, eine geeignete Fläche für den Bau eines gemeinsamen Feuerwehrhauses für die Löschgruppen Bröderhausen, Schnathorst und Tengern im Bereich der Ortsgrenzen zwischen Schnathorst und Tengern zu ermitteln. Alternativ sollten Möglichkeiten zur Erweiterung des Feuerwehrhauses Schnathorst geprüft werden.

Sieker: „Es sind der Politik seitdem noch keine neuen Pläne vorgestellt worden, das heißt, es gibt keine abschließende Entscheidung.“ Der Löschgruppe Bröder­hausen zolle er Respekt. Diese hatte im März nochmals betont, dass sie geschlossen aus der Freiwilligen Feuerwehr austreten werde, falls die Gerätehäuser zusammengelegt würden. „Sie haben gesagt, wofür sie stehen und das von Anfang an. So etwas schätze ich“, sagt der Ortsvorsteher.

Wozu die Kameraden imstande seien, hätten sie bei der Kommunalwahl gezeigt, als sie 5000 Euro an Spenden für den verletzten Kameraden aus Gehlenbeck gesammelt hätten. „Es ist schön, dass dem Dorf diese Truppe in Form eines Feuerwehrvereins erhalten bleibt, denn sie bildet eine der Säulen der Bröderhausener Dorfgemeinschaft. Bei allen Veranstaltungen sind die Mitglieder aktiv oder als Ausrichter dabei und einfach unersetzlich“, sagt Thomas Sieker.

Die Enttäuschung über die mit der Politik nicht mehr stattgefundenen Gespräche sei noch immer groß bei den Feuerwehrkameraden in Bröderhausen. „Diese waren vereinbart, dann aber von Teilen der Politik als nicht mehr notwendig angesehen worden.“ In Bröderhausen seien deshalb alle froh und dankbar, „dass sie den aktiven Dienst trotzdem voll engagiert fortführen, bis man ihnen die Türen abschließt oder das Fahrzeug wegnimmt“. – Bisher erschienen in dieser Reihe: ein Portrait über Marie-Luise Rahe, Ortsvorsteherin in Ahlsen-Reineberg.

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