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WESTFALEN-BLATT-Serie „Engagiert für ihr Dorf“, Folge 3: Ortsvorsteherin Dietlind Scheding, Büttendorf

„Ich brenne darauf, etwas zu bewegen“

Hüllhorst

Dietlind Scheding freut sich auf den Samstag. Dann nimmt sie bei der Weihnachtsbaumaktion des CVJM Hüllhorst am Büttendorf-Point die Bäume entgegen.

Kathrin Kröger

„In Büttendorf gibt es alles, um versorgt zu sein“, sagt Dietlind Scheding, hier am stürmischen Mittwoch am Ortseingang. Von der Landschlachterei über den Biohof und die Bioland-Gärtnerei bis hin zum Weinvertrieb – all das bietet das 776-Seelen-Dorf. Foto: Kathrin Kröger

„Man sieht sich mal wieder und kommt miteinander ins Gespräch“, sagt sie.

Die 54-Jährige ist seit 2014 Ortsvorsteherin und mit ihrer herzlichen und verbindlichen Art voll in ihrem Element. Natürlich bedauert sie, dass das Corona-Jahr 2020 und wohl auch noch etliche Monate in diesem Jahr von Kontaktbeschränkungen und „sozialer Distanz“ geprägt sind. Genau das Gegenteil von dem, was Dietlind Scheding an ihrer Aufgabe so schätzt. Nicht nur Veranstaltungen, Feste und andere Zusammenkünfte in Büttendorf fehlen ihr, sondern ebenso die offiziellen Geburtstagsbesuche, die sie in ihrem Amt den 80- und 85-jährigen Jubilarinnen und Jubilaren abstattet.

Aber sich lange zu grämen, ist nicht Dietlind Schedings Sache, die viel Optimismus ausstrahlt. Mit Stolz blickt sie auf die vergangene Ratsperiode zurück. „Ich liebe diese Arbeit und wir haben ganz viel geschafft.“ Dabei wird deutlich, dass sich die gebürtige Eilshauserin nie als Alleinkämpferin sieht, sondern als jemand, der viel Unterstützung im Dorf erfährt. Wobei wir bei dem für Büttendorf wohl wichtigsten Ereignis der vergangenen sechs Jahre wären: der Vereinsgründung der DGZB, der Dorfgemeinschaft für ein zukunftsorientiertes Büttendorf, bei der Dietlind Scheding natürlich von Anfang an mitgewirkt hat.

Mit leuchtenden Augen berichtet sie an diesem stürmischen Mittwochnachmittag über den Rückenwind, den der Verein (aktuell 272 Mitglieder) für den ganzen Ort bedeutet. Einst war dieser nur ins Leben gerufen worden, um 2017 ein denkwürdiges Dorfjubiläum „975 Jahre Büttendorf“ auf die Beine zu stellen – ein Vorhaben, das wahrlich gelang. Aber das sollte erst der Anfang sein, so viel Schwung hatte der älteste Ortsteil der Gemeinde Hüllhorst durch das gemeinschaftliche Jubiläumsprojekt erfahren. Dietlind Scheding erinnert sich: „Im Zuge der Festvorbereitungen kamen viele einfach vorbei, um zu helfen. Aus eigenem Antrieb.“

Welch positive Effekte der Zusammenhalt mit sich bringt, zeigte sich auch bei der DGZB-Nachfeier für die Helfer, an der auch die Büttendorfer Landfrau Marita Kleffmann teilnahm. „Alle Frauen, die da waren, traten ihrer Ortsgruppe bei, die damit gerettet war.“ Der Vorstand ließ sich auch besetzen und Marita Kleffmann fand eine Nachfolgerin im Amt der Vorsitzenden. Dieses „Wir-Gefühl“, wie die CDU-Ratsfrau es nennt, setzt sich bis heute fort. So vieles hat der Verein für den Ort bewirkt, dass sich an dieser Stelle nur Beispielhaftes nennen lässt.

So fällt Dietlind Schedings Blick auf die Weihnachtsbeleuchtung, die sie direkt von ihrem Haus aus am Dorfplatz sehen kann. „Das haben wir komplett selbst organisiert – sowohl finanziell als auch personell“, erzählt sie. Wieder halfen viele mit. Die Deko-Gruppe hat Sterne begrünt und die Handwerker im Verein stellten unter anderem den Bogen mit der beleuchteten Schrift auf. So wurde jedem, der nach Büttendorf hineinfuhr, gut sichtbar ein „Frohes Fest“ gewünscht. Überdies verweist Dietlind Scheding auf die Fan-Meile zur Fußball-EM 2018, die kontinuierliche Gestaltung und Pflege des Dorfplatzes und das Frühlingsfest, das man an der Grundschule etabliert hat.

Und wie war und ist es in der Pandemie-Zeit? Mitnichten herrscht Stillstand. Mit Elan und Kreativität bewirken die Büttendorfer trotzdem etwas, um den Ort voranzubringen. „Das motiviert unheimlich“, sagt die Ortsvorsteherin, die im Frühsommer an die Haushalte einen Dankeschön-Flyer verteilte. Die „Büttendorfer News“ sollten die Einwohner zudem daran erinnern, was alles geschafft wurde. Die heimischen Landfrauen richteten in Eigenregie eine Aktion „Saubere Landschaft“ aus, die Dorfplatz-Gruppe der DGZB schaffte Blumenkübel an, bepflanzte diese mit Sommerblumen und strich das Büttendorf-Schild neu. „Das ganze Projekt ist ohne Fördermittel ausgekommen – die Kosten hat die Dorfgemeinschaft übernommen“, betont Dietlind Scheding. Ferner haben Mitglieder der Naturfreunde einen Teil der Ruhebänke repariert und sie somit wieder nutzbar gemacht.

Und: Die Vorstände der Büttendorfer Vereine haben eine Petition ins Leben gerufen. Das Ziel: alle Schulstandorte in Hüllhorst erhalten. Hier schlagen zwei Herzen in Dietlind Schedings Brust, wie sie sagt. „Ich habe da einen schwierigen Part. Als Vorsitzende des Schulausschusses bin ich neutral. Ich kenne meine Verantwortung, zu trennen zwischen dem Amt der Vorsitzenden und der Ortsvorsteherin. Als Letztere kämpfe ich um die Büttendorfer Schule.“ Kleine Orte in der Gemeinde, zu denen auch Bröderhausen und Ahlsen zählten, könnten nicht alles behalten. „Das ist uns klar. Aber wir wollen nichts Utopisches, sondern einen Mittelpunkt, wo Dorfleben stattfinden kann.“

Ganz eng verknüpft mit der Grundschuldebatte ist speziell in Büttendorf die Zukunft des Dorfgemeinschaftshauses (DGH), das sich im Keller des Schulgebäudes befindet. Das seit Juli 2016 wegen Schimmelbefalls gesperrte DGH ist bis heute nicht nutzbar – nach vielem Hin und Her und unzähligen politischen Debatten und Querelen. Schlussendlich sollte sich die Dorfgemeinschaft der Sanierung annehmen. „Das liegt aber auf Eis. Seit Ende 2019 ist nichts passiert. Wir müssen abwarten, was mit der Schule wird. Bleibt das Gebäude in öffentlicher Hand oder wird es veräußert? Das ist ein zu großer Unsicherheitsfaktor derzeit“, betont Scheding, die über ihre erste Ratsperiode sagt: „Zu 95 Prozent war alles prima, die restlichen fünf Prozent waren die Enttäuschung darüber, dass es mit dem DGH bisher nicht geklappt hat.“

Hoffnungsfroh sieht sie nach vorn und erzählt mit Freude über das wachsende Interesse junger Leute am Dorf. „Viele möchten wieder zurück. Sie sind um die 30, zum Studium weg gewesen, haben in der Gegend einen Job gefunden und möchten, dass ihre Kinder hier aufwachsen. Somit muss Bauland und Wohnraum geschaffen werden.“ Mit voller Kraft will sich die Ortsvorsteherin auch dafür einsetzen – nach Corona wieder zu 100 Prozent. – Bisher in der Serie erschienen: Marie-Luise Rahe, Ahlsen-Reineberg, sowie Thomas Sieker, Bröderhausen.

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